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Für Reisesüchtige & Sich-Selbst-Finder

Cinque Terre – Spaziergang im Paradies mit viel Liebe

Cinque Terre – Spaziergang im Paradies mit viel Liebe

Vor ein paar Jahren wusste ich noch nicht mal, dass es sie gibt, heute sind sie der bezauberste Flecken Erde den ich kenne – die Cinque Terre. Klar, mittlerweile sind sie wirklich kein Geheimtipp mehr, viele Wanderer und Tagesausflügler tummeln sich an schönen Tagen auf den Wegen und in den fünf kleinen Dörfern an der ligurischen Küste. Doch die Bilder davon allein haben mich schon so fasziniert, dass klar war: dort muss ich hin. Also haben wir im Rahmen unserer Italientour 2016 die Cinque Terre auf den Reiseplan gesetzt. Mit dem Ziel, uns die Dörfer zu „ergehen“ und zu Fuß zu erkunden.

Von Monterosso bis Vernazza

Wir starteten im größten der fünf Dörfer, in Monterosso. Dort gibt es einen bewachten Parkplatz – leider relativ teuer – an dem wir das Auto abstellten, dann schnallten wir unsere Rucksäcke an und machten uns bei steigenden Temperaturen gegen 10 Uhr auf die Socken. Die vielen Sonnenliegen, der schöne Sandstrand und die ersten Badegäste machten uns natürlich auch Lust auf einen gemütlichen Tag am Meer, aber wir wussten, dass wir bald mit unglaublichen Blicken auf Küste und Meer belohnt werden würden. Doch bevor wir tatsächlich auf den „Sentiero Verde Azzuro“, den Wanderweg, der die fünf Dörfer miteinander verbindet, gehen konnten, mussten wir am Bahnhof noch das Wanderticket kaufen (14,50€ für zwei Tage pro Person). Die Cinque Terre sind nämlich ein Nationalpark, und die Eintrittsgelder dienen dem Erhalt des Wanderweges. Dort erhielten wir auch die Info, dass der einfache Küstenweg zwischen Manarola und Riomaggiore schon seit einigen Jahren wegen Steinschlags gesperrt ist, man aber über den schwierigeren Bergweg ausweichen kann. Ich mag ja solche spontanen Planänderungen nicht, aber es kommt wie es kommt, und mit etwas italienischer Gelassenheit akzeptieren wir diese Änderung.

Vorbei an etlichen Hotels und dem Weg an der Riviera erreichten wir nun endlich den lang ersehnten Einstieg. Wir sind ja eher flott unterwegs, doch weil mehrere Menschen die gleiche Idee hatten wie wir und der Weg hoch frequentiert war, mussten wir unser Tempo der Masse anpassen. So hatten wir aber viel Zeit, alles um uns herum genau zu beobachten – die Natur um uns herum, das Meer unter uns und die Atmosphäre des Weges an sich. Es ist unmöglich, die Wirkung dieser Dinge in Worte zu fassen, hier muss man einfach Bilder sprechen lassen.

Erfreulicherweise stellten wir fest, das sich die Menschenmasse lichtete, je weiter wir Richtung Vernazza kamen. Der Weg zwischen den ersten beiden Ortschaften ist das längste Teilstück, und einige Touristen wollen anscheinend nur mal auf hineinschnuppern (was angesichts des Schuhwerks mancher „Besucher“ auch besser so ist). Zum Glück wissen diese Leute nicht, welch grandiose Aussicht sie viel weiter oben erwartet, ansonsten würden sie vielleicht den immer steiler werdenden Aufstieg auf sich nehmen, um dann auf einem kleinen Vorsprung sprachlos wie wir auf das ligurische Meer, die Küste und Vernazza zu blicken.

Hier standen wir nun also, fasziniert von dem Panorama, glücklich über die Erfüllung eines Traums und stolz auf unsere Ausdauer in dieser Hitze. Als wäre der Moment nicht schon perfekt genug gewesen, setzte Harry dem ganzen noch das Krönchen auf und machte mir den wohl schönsten Heiratsantrag an dem wohl perfektesten aller Orte dafür 🙂 Nach einem „Ja sicher“, einigen Freudentränen und Glückwünschen von Passanten war an Weitergehen erst mal nicht zu denken. Zu weich die Knie, zu groß die Aufregung. Also saßen wir dort noch eine gute Viertelstunde und gingen erst weiter, als wir uns wieder gefasst hatten. Dennoch was der Abstieg nach Vernazza geprägt von unsicheren Tritten, überschwenglicher Freude und ersten Plänen. So richtig zur Besinnung kam ich erst wieder, als sich das zweite Dorf vor uns zeigte. Ja, es ist wirklich genauso bezaubernd wie auf den Fotos, die man kennt und wirkt tatsächlich kitschig-schön.

Von Vernazza bis Corniglia

Nach der Aufregung der letzten Stunde hatten wir erstmal das Bedürfnis, uns in ein nettes Ristoranto zu setzen und richtig fein zu Essen. Dazu eine Flasche Wein zur Feier des Tages. Und die tolle Nachricht der anstehenden Hochzeit den Eltern und besten FreundInnen mitteilen. Danach waren wir dann neugierig auf dieses entzückend wirkende Dorf und marschierten zum Castello hinauf. Nach dem etwas beschwerlichen Aufstieg (ja, steile Stufen in Kombination mit Hitze, Gepäck und vollem Magen sind beschwerlich 😉 ) nahmen wir die restlichen paar Treppen auf den Turm auch noch in Kauf und überblickten den ganzen Ort und die wunderschöne Küste. Nach einem kurzen Stopp am Strand beschlossen wir, unsere Reise fortzusetzen und folgten den Schildern Richtung Corniglia.

Mit einem verträumten Blick immer wieder zurück nach Vernazza marschierten wir nun auf dem schon viel ruhigerem Weg. Viele Menschen begegneten uns hier nicht mehr, sei es wegen der großen Nachmittagshitze, oder der Bequemlichkeit derer, die „nur mal ein Stück gehen wollen“. Jedenfalls war es wirklich angenehm leer und gerade an diesem romantischen Tag perfekt für unsere Zweisamkeitsstimmung. Richtig ins Staunen kamen wir, als Corniglia, in dem wir die Unterkunft für die kommende Nacht gebucht hatten, vor uns erschien. Ein buntes Dörfchen, auf einem Hügel ruhend, scheinbar unbeeindruckt vom Meer unter ihm. Mit jedem Schritt kamen wir dem dritten der fünf Dörfer näher und die Zweifel, ob wir hier oben überhaupt die Möglichkeit zu einem Sprung ins Meer hatten, steigerten sich. Immerhin wird Corniglia als einiziges der fünf Dörfer nicht von den Personenschiffen angesteuert. Doch ich bildete mir ein, von einem Strandzugang gelesen zu haben. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns einfach überraschen zu lassen.

Müde, aber begeistert schlenderten wir ins Dorf hinein, und erfreuten uns zu allererst einmal am öffentlichen Trinkbrunnen. Danach suchten wir das Haus unseres Unterkunftsgebers, was in dem wirklich überschaubaren Örtchen keine große Schwierigkeit darstellte. Er ging mit uns dann die Straße weiter hoch, über Stufen hinauf, in unser Appartement „Corniglia Dreams“ und wir staunten nicht schlecht, als wir uns auf die Dachterasse begaben und über weite Teile der Küste Liguriens blicken konnten. Höher oben als wir war nur mehr die Krone eines Baumes neben dem Haus. Wir verweilten einmal oben, ehe wir unsere Badesachen packten und uns auf die Suche nach dem Strand machten. Ein Holzpfeil wies uns den Weg die vielen Stufen hinab, und nach etwa 10 Minuten kontinuierlichem bergab gehen kamen wir in der kleinen Bucht von Corniglia an. Klares Wasser, Felsen zum Springen und Höhlen zum Erforschen erwarteten uns hier, und wir genossen ein paar schöne Nachmittagsstunden am Strand.

Corniglia ist nicht groß, daher ist die Auswahl an Restaurants für´s Abendessen recht klein. Mangels großen Hotels sind abends auch nur wenige Touristen im Ort, was für ein sehr authentisches „Einheimischenflair“ sorgt, wenn man sich durch die Straße (es gibt tatsächlich nur eine belebte) bewegt. Nach einem Gelato verschlug es uns noch in die äußert nette und vortrefflich gute Weinbar „La Scuna“, in dem wir uns noch ein paar Gläschen gönnten. Wir unterhielten uns dort auch mit einem Amerikaner, der Harry gleich einen guten Rat für´s bevorstehende Eheleben mitgab: „A happy wife makes a happy life“ 🙂

Am nächsten Morgen, als das ganze Dorf noch sehr verschlafen wirkte, frühstückten wir beim Bäcker und machten uns dann recht bald auf die Socken, damit wir nicht zu viel in der Sommerhitze wandern mussten. Und das war gut so.

Von Corniglia bis Manarola

Der Weg nach Manarola begann schon recht anspruchsvoll mit sehr steilen, steinigen Passagen, und die Wegkennzeichnung war etwas verwirrend. Wir blickten aber auch mehr zurück als nach vor, weil der Ausblick auf Corniglia so schön war. Es wurde von Minute zu Minute wärmer, und bereits um 11:00 Uhr hatte es mehr als 30°C. Da kam ein kleines Becken am Weg, gespeist durch einen Bergbach, der sich den Weg zum Meer hinunter suchte, gerade recht. Richtig warm wurde es dann, als der Weg nicht mehr durch den Wald, sondern durch die Weinberge ging, die leider keinen Schatten, dafür aber sehr leckere Trauben spendeten. Als wir uns schon fernab jeglicher Zivilisation glaubten, querte unser Weg das kleine Bergdorf Volastra. Perfekt für einen kleinen Zwischenstopp. So wie es bis Volastra stur bergauf ging, führte der Weg nach der Ortschaft bergab und brachte uns dann, umgeben von Weinbergen, recht zielstrebig bis Manarola.

Kurz davor pausierten wir noch an einer Stelle mit grandioser Aussicht auf Küste und Meer und ließen diesen Anblick ein paar Minuten auf uns wirken. Dann, kurz vor Mittag, erreichten wir Manarola, ein Dorf, das sich wie ein seidener Stoff in eine Furche im Hügel legt. Besonders in Erinnerung sind mir hier die vielen Boote, die mangels Platz im Hafen alle vor den Haustüren lagern, wie auch das kristallklare Wasser, in welches wir am liebsten sofort hineingesprungen wären. Doch Zeit für einen Badestop hatten wir leider nicht. Wohl aber für eine kleine Pause. Und da wir nicht hinunter ins Wasser konnten, begaben wir uns hinauf in die Felswand beim Strand und beobachteten von hier aus das lustige Treiben. Zum Abschluss unserers Abstechers nach Manarola kauften wir uns noch Riesenpfirische zur Stärkung, und dann kam der wohl härteste Teil der Wanderung.

Von Manarola bis Riomaggiore

Früher gab es einen gemütlichen Spazierweg zwischen den beiden letzen Dörfern, der an der Küste entlangführte und noch immer den klingenden Namen „Via dell´Amore“ trägt. Dieser ist aber nun schon einige Jahre wegen Steinschlägen gesperrt. Will man also zu Fuß von Manarola nach Riomaggiore gehen, muss man einen Umweg nehmen. Dieser führt über die Via Beccara – bis 1920 die einzige Verbindung zwischen den Dörfern – auf 240 m Seehöhe hinauf zur „Costa del Corniolo“, einer Wandertrasse. Von ganz oben hat man wieder einmal einen sensationellen Rundumblick. Aber der Weg ist wirklich sehr anspruchsvoll, und besteht größtenteils aus einst gemauerten, hohen Stufen, die nicht der Schritthöhe meiner kurzen Beine entsprechen. Ich habe mich da also ganz schön hinauf geplagt, und war umso glücklicher, als wir an der höchsten Stelle angelangt sind. Von da an ging es, ebenfalls recht unwegsam, bergab in Richtung Riomaggiore, welches wir von oben schon erblicken konnten.

Dieses Gefühl, im fünften Dorf anzukommen, ist unbeschreiblich. Viele Stunden haben uns unsere Füße hierher getragen, die Hitze hat uns zwar zugesetzt, aber nicht aufgeben lassen, und wir haben jeden Zentimeter des ca. 12 km langen Weges mit vielen Höhenmetern wirklich selbst gesehen. Stolz und Freunde stand uns wirklich ins Gesicht geschrieben, aber auch ein leichter Sonnenbrand und Schweiß auf der Stirn. Zur Feier des Tages gönnten wir uns ein leckeres Mittagessen und, wie könnte es anders sein, eine Flasche heimischen Wein. Dabei konnten wir einfach nicht aufhören, glücklich zu sein über unseren Erfolg.

Und wieder retour…

Als krönenden Abschluss der Tour ging es mit dem Boot wieder retour nach Monterosso. Wir platzierten uns ganz vorne am Bug. Das Salzwasser plätscherte uns ständig ins Gesicht, aber das war uns relativ egal, denn während sich der Fahrtwind an uns austobte, hatten wir freie Sicht auf diesen absolut grandiosen Küstenwanderweg. Die Erinnerungen der letzten beiden Tage wurden reaktiviert, und wir erblickten auch die Stelle, an der ich vor über 24 Stunden den schönsten aller vorstellbaren Heiratsanträge bekommen hatte.

Zurück in Monterosso, schlenderten wir noch ein wenig durch den Ort, kauften noch ein paar Sachen und erblickten das eine oder andere kleine Kunstwerk, bevor es zurück zum Auto und weiter Richtung Westen ging. Schweren Herzens trennten wir uns von diesen fünf zauberhaften Stückchen Erde, den Cinque Terre und deren Wanderweg, den wir als Lebensgefährten begonnen, und als Verlobte beendet hatten.

Nützliche Links*

Zur Einstimmung, Planung und Begleitung dienen diese Reiseführer

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