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Für Reisesüchtige & Sich-Selbst-Finder

Guide für einen Spaziergang durch Wien – vom Schloss Belvedere zur Votivkirche

Guide für einen Spaziergang durch Wien – vom Schloss Belvedere zur Votivkirche

Wien ist bekannt für seine vielen historischen Gebäude, die Kaffeehauskultur und natürlich das Kaiserhaus Habsburg. Unzählige Museen und Kirchen gibt es hier anzuschauen und Kulturfreunde kommen in der Staatsoper oder im Burgtheater auf ihre Kosten, während sich auch für jeden kulinarischen Wunsch etwas Passendes finden lässt. Sagen wir kurz – Wien ist berühmt.

Aus diesem Grund kommen jedes Jahr auch an die 15 Millionen Gäste in Österreichs Hauptstadt – und das sind nur jene, die auch offiziell hier nächtigen. Tagestouristen und Leute, die in Privatunterkünften schlafen, sind da nicht mitgerechnet. Für viele BesucherInnen beginnt ihr Wien-Trip am Westbahnhof, denn hier halten sowohl die meisten Züge aus den Bundesländern bzw. den angrenzenden Staaten, wie auch jene vom Flughafen. Hat man nur leichtes Gepäck mit, kann man von hier aus gleich seine erste Erkundungstour starten. Oder man beginnt den nächsten Tag mit einem Besuch im Schloss Belvedere, dem Startpunkt dieser hier beschriebenen Route.

Warum ist diese Route sinnvoll?

Nun, in Wien gibt es, wie oben schon kurz beschrieben, sehr viel zu sehen. Das kann Reisende schon mal stressen, wenn sie möglichst viel in kurzer Zeit sehen wollen, wie etwa bei einem Wochenendtrip. Auf dieser Strecke, die man schnell in einem halben Tag oder langsam in einem ganzen gehen kann (oder vielleicht auch auf zwei Tage verteilt – je nachdem, wo man überall „einkehrt“), liegen sehr viele der interessantesten Sehenswürdigkeiten von Wien und somit deckt man damit schon richtig viel ab. Ein Teil der Strecke liegt am berühmten Ring, an dem sich viele bedeutende Gebäude befinden.

Ich beschreibe in diesem Guide die Route vom Belvedere aus Richtung Innenstadt, doch obwohl böse Zungen oft behaupten, Wien sei eine einzige Einbahnstraße, kann man diese Route natürlich auch in die andere Richtung begehen 😉

Das Schloss Belvedere

Unweit vom Westbahnhof befindet sich in östliche Richtung das wunderschöne Schloss Belvedere mit seinen sehr sehenswerten Kunstausstellungen und einer herrlichen Gartenanlage. Eigentlich ist es nicht DAS Schloss Belvedere, sondern es gibt das „Obere Belvedere“ und das „Untere Belvedere“, zwischen denen sich der Schlossgarten befindet. Beide wurden von Prinz Eugen von Savoyen in Auftrag gegeben, und 1712-1723 gebaut. Verschiedene italienische Maler und französische Gartengestalter haben sich an der Gestaltung des Schlosses beteiligt und im Laufe der Jahre wurde es von den Habsburgern als wichtiger Repräsentationsort verwendet. Später wurde aus dem Schloss, was es heute ist: nämlich ein Ort, an dem Kunst für die Bevölkerung zugänglich gemacht wird.

Hinterseite Schloss Belvedere
Schon die Hinterseite des oberen Belvederes ist nicht übel 😉

Und man findet hier tatsächlich sehr bedeutsame Gemälde der Kunstgeschichte – die berühmten Wiener Maler Klimt, Schiele und Kokoschka sind hier genauso vertreten wie ausländische KollegInnen, unter anderem Monet und Van Gogh. Das bekannteste Werk, welches man in der Ausstellung im oberen Belvedere findet, ist „Der Kuss“ von Gustav Klimt – ein wirkliches Meisterwerk.

Kuss Gustav Klimt
Der berühmte „Kuss“ von Gustav Klimt

Für all jene, die sich nicht so für Kunst begeistern können, empfielt sich dennoch ein Abstecher in die Schlossanlage. Der ans obere Belvedere angrenzende Kaffeepavillion eignet sich für eine kleine Stärkung für die lange Tour, die noch vor einem liegt, und auch ein Spaziergang durch den schönen Schlossgarten kostet nichts, sondern sorgt für richtig kaiserliches Flair – ein perfekter Beginn für Wien, oder?

Kaffee und Torte Wien
Eine kleine Stärkung muss sein

Wichtiger abschließender Fakt für alle ÖsterreicherInnen und solche, die es noch werden wollen: im Schloss Belvedere wurde am 15.5.1955 der Staatsvertrag „Österreich ist frei“ unterzeichnet!

Oberes Belvedere
Das Schloss Belvedere vom Schlossgarten aus

Karlsplatz

Geht man von Schloss Belvedere in nordwestlicher Richtung weiter, gelangt man nach wenigen Minuten auf den Karlsplatz. Zu verfehlen ist er fast nicht, wenn man die Augen offen hält und konsequent ein wenig nach oben schaut, denn die Karlskirche ist bereits von Weitem zu erkennen.

Säule Karlskirche
Die der Trajansäule nachempfundene Säule am Eingang

Diese dominiert auch den Platz – und davor herrscht an einem schönen Tag reges Treiben. Die Karlskirche wurde 1716 – 1739 nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul erbaut und enthält Elemente, die an die Trajansäule in Rom erinnern – eine Weltkirche sozusagen! Sie ist eines der Wahrzeichen von Wien und sorgt mit ihrer Silhuette bei unwissenden Nationalisten immer wieder für Empörung, die meinen, man bräuchte keine Moschee in Wien 😉 In Wirklichkeit ist und war sie natürlich immer eine römisch-katholische Kirche, die von Kaiser Karl V. in Auftrag gegeben wurde.

Karlskirche Wien
Die Karlskirche – eine der schönsten Kirchen Wiens

Günstig ist der Eintritt nicht – satte 8€ bezahlt man, wenn man dieses Schmuckstück von innen begutachten will. Dafür besteht aber die Möglichkeit, mit einem Lift zur Kuppel hinaufzufahren und durch Fenster einen Ausblick auf Wien zu gewinnen.

Rund um den Karlsplatz gibt es einen Park (mit schönem Spielplatz), den Otto-Wagner Pavillion und das „Wien Museum Karlsplatz“ – also hier könnte man schon einige Zeit verbringen 🙂

Naschmarkt

Hat man am Karlsplatz genug gesehen, spaziert man, vorbei an der Technischen Universität, ein Stückchen weiter und hält sich dann links. Kurz darauf hört, sieht und riecht man ihn normalerweise schon – den Naschmarkt.

Naschmarkt Wien
Es ist noch relativ ruhig am Naschmarkt

Der Wiener Naschmarkt ist eine Insitiution für sich. Hier findet man Lebensmittel aus aller Welt, hier darf auch gehandelt werden und falls man, wie ich, nach dem bisherigen Spaziergang schon etwas hungrig ist, kann man in einem der vielen Lokale auch Essen. Wenn mich etwas fasziniert, dann sind es Gewürze – und die findet man hier in vielerlei Variationen. Ich wurde bei „Gewürze & Co“ (Stand 324-325) bestens beraten und kenne nun an die 15 Curry-Sorten 😉 Beim arabischen Currypulver habe ich zugeschlagen und zuhause bereits getestet! Aber Achtung: viele Stände verlangen unverschämte Preise, und manche Marktschreier sind ziemlich aufdringlich! Ein Erlebnis ist der Naschmarkt aber allemal!

Naschmarkt Essen
Lecker Essen am Naschmarkt

Secession

Gleich anschließend an den Naschmarkt steht ein weiteres, sehr berühmtes Gebäude Wiens: die Secession. Mit ihrer weißen Fassade und dem goldenen Kuppeldach wirkt auch sie – wie die Karlskirche – etwas orientalisch, ist aber eines der bedeutsamsten Werke des Jugendstils, einer Wiener Kunstrichtung um 1900. Es wurde unter der Leitung von J. M. Oblrich gebaut, der damit ein Ausstellungsgebäude für zeitgenössische Kunst errichten wollte. Dieses ist es bis heute, denn man findet darin kunsthistorisch wichtige Werke aus der Jugendstilzeit wie das Beethovenfries, vor allem aber moderne Kunst der Gegenwart.

Secession Wien
Ein Wahrzeichen von Wien: Die Secession

Museumsquartier

Nun geht es am Getreidemarkt ein kurzes Stück entlang, dann erscheint zur Linken das Museumsquartier. Wer nach dem Schloss Belvedere und der Secession noch nicht genug von Kunst hat, kann sich hier so richtig wohlfühlen und aus dem vollen Schöpfen: es gibt das Leopold Museum mit österreichischen Kunstwerken aus Wiener Secessionismus, Moderne und Expressionismus, das Mumok für moderne Kunst, die Kunsthalle für internationale zeitgenössische Kunst, das Architekturzentrum und für alle kleinen BesucherInnen das ZOOM Kindermuseum. Außerdem ist auch das Q21 hier beheimatet, ein kreativer Schaffens- und Arbeitsraum für verschiedene Nutzer aus dem Kulturbereich. Auch Tanz und Theater kommt im Museumsquartier nicht zu kurz. Alles in allem also ein äußerst interessanter Fleck auf Wiens Landkarte, an dem man der Kreativität direkt beim Arbeiten zusehen kann.

Leider habe ich kein einziges Foto vom MQ geschossen, weshalb ich es euch leider bis zu meinem nächsten Besuch in Wien schuldig bleiben muss 🙁 . Aber es geht doch nichts über einen guten Grund, zu reisen, oder? 😉

Maria-Theresien-Platz

Einer meiner Lieblingsplätze in Wien ist der Maria-Theresien-Platz, gleich vis-a-vis vom Museumsquartier. An zwei Seiten wird der Platz mit der pompösen Statue der einstigen österreichischen Kaiserin Maria Theresia von beinah identisch aussehenden Gebäuden begrenzt – vom Naturhistorischen bzw. Kunsthistorischen Museum, welche zu Lebzeiten der Monarchin ihren Anfang nahmen – wenn auch nicht direkt hier.

Statue Maria Theresia Wien
Ihre Majestät, Kaiserin Maria Theresia

Im Sinne der Aufklärung wurden Sammlungen aus dem Kaiserhaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings zuerst in der Hofburg. Erst als der Platz dort zu klein wurde, wurden diese beiden imposanten Gebäude im Auftrag von Kaiser Franz Joseph I. gebaut. Der Sinn ist aber der gleiche geblieben – auch heute noch kann man in diesen beiden Museen etwas für seine Allgemeinbildung tun 😉 So lagern im NHM etwa die berühmte Venus von Willendorf, unzählige Tierpräparate, Dinosaurierskelette und so ziemlich jedes Mineral, das es auf unserer Erde gibt. Im KHM hingegen darf man sich in den verschiedenen Kunstsammlungen wie der Antiken Sammlung, der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung, den Gemäldegalerien aus verschiedenen europäischen Ländern und dem Münzkabinett auf eine künstlerische Zeitreise begeben.

Kunsthistorisches Museum Wien
Das Kunsthistorische Museum

Ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle – ich war z.B. schon mehrmals im Naturhistorischen Museum, und entdecke und lerne jedesmal wieder etwas Neues, was auch den vielen wechselnden Sonderausstellungen geschuldet ist.

Naturhistorisches Museum Wien
Das Naturhistorische Museum

Am Ring entlang

Geht man beim Marien-Theresien-Platz in Blickrichtung der Kaiserin weiter, gelangt man auf den Ring. Man könnte alleine hier einen ganzen Tag verbringen, denn die meisten bedeutsamen Gebäude von Wien versammeln sich hier auf diesem Stück Straße – sowohl Politik als auch das „Wiener Bürgertum“ ist hier zuhause. So findet man hier das Parlament wie auch das Rathaus, das berühmte Burgtheater, welches schon viele grandiose Schauspieler hervorgebracht hat, den Volksgarten, das Weltmuseum und den Heldenplatz. Wenn dieser altehrwürdige Platz sprechen könnte, würde er uns viel erzählen: von seiner „Geburt“ unter Napoleon, der Kaiserzeit und Franz Joseph I., hunderten Militärparaden, der Rede Hitlers zum Anschluss Österreichs, und von den jährlich stattfindenden Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag.

Das österreichische Parlament
Das österreichische Parlament

Falls man nicht so viel Zeit oder Energie hat, sich alles genauer zu Gemüte zu führen, kann man hier auch einfach wie ich entlang flanieren und sich am historischen Flair erfreuen. Übrigens: Vom Heldenplatz aus ist es nicht mehr sehr weit zum Stephansdom.

Reiterstatue am Heldenplatz
Die Reiterstatue am Heldenplatz

Votivkirche

Endlich – nach einem langen Spaziergang durch die Geschichte und Sinnesgenüsse kommt man, wenn man bei der Universität am Ring nach links abbiegt, zur Votivkirche. Wirklich schwer zu übersehen ist diese neugotische Kirche nicht – ihre beiden spitzen Türme ragen hoch hinaus. Die Votivkirche wurde 1879 nach langer Bauzeit fertiggestellt und zum Teil aus Spenden der Bevölkerung finanziert.

Votivkirche mit Bäumen
Wenn der Herbst die Votivkirche schmückt

Der Innenraum der Kirche ist kostenlos begehbar und auch absolut sehenswert: hier findet man Arkaden, Kreuzgewölbe, einen imposanten Hochalter, Kapellen und bunte Glasfenster, welche unter anderem auch die Gräueltaten der Nationalsozialisten thematisieren. So etwa die Geschichte des Franz Jägerstätters, einem gläubigen Kriegsdienstverweigerer, oder dem Geistlichen Heinrich Maier, der kurz vor Kriegsende in Mauthausen hingerichtet wurde.

Glasfenster Votivkirche Wien
Die bunten Fenstergläser sind faszinierend, oder?

Die Tragik dieser Geschichten werden durch die düstere Stimmung in der Kirche noch verstärkt – und dennoch ist sie wunderschön. Sie erinnert mich damit ein wenig an die Kaiserin Elisabeth, in welcher es innerlich auch recht düster ausgeschaut haben dürfte aufgrund ihrer Depressionen. Wie bezeichnend, dass das Kaiserehepaar hier ihre Silberne Hochzeit feierte.

Votivkirche Hauptschiff
Eine imposante Kirchenhalle

Weitere Highlights in der Nähe

Natürlich befinden sich in unmittelbarer Nähe der hier beschriebenen Strecke noch weitere Sehenswürdigkeiten und Museen, die auch erkundet und gesehen werden wollen. Man kann diese Route also noch durch einen Abstecher in die Hofburg, den Burggarten, das Volkstheater, das Staatsopernmuseum, das Schmetterlingshaus, das Sigmund Freud Museum und die Sammlung der medizinischen Universität im Josephinum erweitern – falls man genügend Zeit und Energie hat 😉

Ich hoffe, ich konnte euch einen praktischen Guide für einen sehenswerten Spaziergang in Wien liefern und während dem Lesen mitnehmen auf eine gedankliche Reise durch die Geschichte Österreichs und Wiens. Und bitte vergesst mir bei einem Besuch in der Hauptstadt eines nicht: im Kaffeehaus bestellt man eine Melange, und der Grant (zu Hochdeutsch: Genervtheit, Ärger) der KellnerInnen gehört halt einfach irgendwie dazu in Wien 😉

Ampelpärchen grün Wien
An den Straßen in Wien begegnet man immer wieder den süßen Ampelpärchen

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