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Für Reisesüchtige & Sich-Selbst-Finder

Venedig im Karneval – von vollen Plätzen und leeren Gassen

Venedig im Karneval – von vollen Plätzen und leeren Gassen

Wie so oft begann unsere Reise damit, dass ich mir mal wieder einen Traum erfüllen wollte. „Einmal den Karneval in Venedig miterleben“, wie oft hatte ich das schon gesagt. Nun gut, wir verzichteten auf Weihnachtsgeschenke füreinander und buchten für das Geld den Kurztrip nach Venedig.

Die Anreise

Wir beschlossen, diesmal mit Ferbus und Bahn zu fahren. Nur, was ich im vorhinein komplett unterschätzt hatte, mein angeschlagener Nacken macht eine unbequeme 5 Stunden Busfahrt in einem viel zu engen Fernbus nicht wirklich mit. Also ging der Plan, vorher nicht, dafür dann im Bus zu schlafen, mächtig in die Hose. Als wir also um 5 Uhr früh in Venedig ankamen, war ich vor allem eines – komplett fertig! Gut, für mich war klar – nie wieder Fernbus statt schlafen. Nach dieser Erkenntnis erstmal eine Schmerztablette. Und gegen die schlechte Laune einmal eine Runde Bootfahren. Den 3-Tages-Pass für die öffentlichen Boote, die Vaporetti, kann man im vorhinein schon online buchen (hier der Link dazu) – sehr praktisch, gerade wenn man so früh in Venedig ankommt und noch kein Schalter offen hat.

Als wir dann unsere Unterkunft, das B&B Venetian Experience bezogen, war viel Frust schon wieder verschwunden. Nicht nur, dass es optisch und preislich einfach top ist, auch die Freundlichkeit und Gastfreundschaft des Besitzers ist grandios. Das unerwartete Frühstück, mit dem wir empfangen wurden, rettete einfach alles. Auch die Lage ist perfekt – am Campo Santa Margherita, einem belebten, aber nicht von Touristen überfüllten Platz im Studentenviertel der Stadt, dem Dorsoduro. In der Nähe befindet sich übrigens das kleine Ristorante „La Bitta“, welches ausgezeichnete, typisch venezianische Küche bietet. Die Räume und die Speisekarte sind zwar klein, aber können sich wirklich sehen lassen!

Sightseeing

Wir besichtigten natürlich viele „Klassiker“, wie die Gallerie dell´Accademia, den Dogenpalast (hierfür würde ich auf alle Fälle vorher ein Ticket reservieren, die Schlange ist lang!), die Basilika San Marco, die Rialtobrücke, die Basilika dei Frari und weitere kleinere Kirchen und Plätze, Campi genannt. Hier ist für mich vor allem der Campo del Ghetto Nuovo erwähnenswert, ein Platz im ehemaligen, ersten Ghetto der Welt. Es ist schon ein besonderer Spirit, der hier zu finden ist. In der Nähe befindet sich auch ein ganz besonderer Supermarkt – ein Spar, der in einem ehemaligen Theater untergebracht ist. Einerseits natürlich schade um das Gebäude, dass jetzt nur mehr Konsumzwecken gilt, andererseits bietet sich so die Möglichkeit, sehr stilvoll einzukaufen 😉 Ebenfalls stilvoll und nobel einkaufen kann man im Fontego dei Tedeschi neben der Rialtobrücke. Es zahlt sich wirklich aus, mal eine Blick hinein zu werfen, und in den obersten Stock zu fahren. Es gibt dort auch eine Aussichtsterasse, die wir aber zwecks zu langer Wartezeit nicht besucht haben. Mein persönlicher Lieblingsplatz dieser Tage war der Glockenturm der Chiesa di San Giorgio Maggiore auf der gleichnamigen Insel San Giorgio. Nur eine Station vom Markusplatz entfernt, jedoch mit viel weniger Wartezeit als beim dortigen Campanile, überblickt man nicht nur Venedig selbst, sondern weite Teile der Lagune. Und die Menschen am Markusplatz werden zu einer ameisenstaatähnlichen Masse. Che bella!

 

Karneval

Apropos Markusplatz: Er bildet den Mittelpunkt des Karnvalsgeschehen, nicht umsonst tummeln sich dort die allerschönsten Masken und Kostüme. Es lohnt sich wirklich, die Augen offen zu halten, denn an mancher Ecke stehen besonders raffinierte oder künstlerische Zeitgenossen. Die schönsten Figuren kamen uns zwischen den beiden Säulen und dem Kai unter. Da lohnt es sich dann allemal, die Kamera zu zücken.

Für Samstag war ein Karnevalsumzug am Canal Grande angekündigt, und wir suchten uns ein nettes Plätzchen mit guter Aussicht unterhalb der Rialtobrücke. Wir rechneten allerdings mit einer großen Parade, was es aber nicht war. Einzelne Gondeln mit barock gekleideten Menschen fuhren nach und nach an uns vorbei, ohne großes Tamtam. Zwar nicht spektakulär, aber auch schön. Besonders amüsant sind die vielen Kajak und RuderbootfahrerInnen, die sich verkleidet in die Fluten wagen. Da fahren dann zum Beispiel ein Indianer, ein Koch und ein Clown an einem vorbei, während auf der gegenüberliegenden Seite eine feministische Rudergruppe sich für die Rechte der Frauen abmüht – ganz in rosa versteht sich 😉
Den Partytigern sei gesagt, dass es viele große, organisierte Karnevalspartys an den Wochenenden gibt. Aber auch in vielen kleineren Bars und Lokalen ist einiges los, und die Plätze sind voll mit Menschen, die ausgelassen feiern.

Gegensätzlichkeiten

In Venedig erlebte ich viele Gegebenheiten als gegensätzlich. So standen den unglaublich vollen Plätzen am Markusplatz und den Menschenmassen rund um die Rialtobrücke herum leere Gässchen im wildromantischen Stil, durch die man gemächlich schlendern konnte, gegenüber. Ich persönlich bin ja überhaupt nicht scheu, und ich mag es, wenn viel los ist, aber das war selbst mir dann schon zu viel. Ja gut, war aber irgendwie klar. Venedig am letzten Karnevalswochenende zu besuchen gleicht masochistischen Anwandlungen. Da waren mir die verträumten Gassen mit ihren schmalen Kanälen, so wie man sie von den berühmten Bildern kennt, schon lieber. Dementsprechend war es sowohl sehr ruhig, als auch sehr laut.

Auffallend ist auch das nebeneinander exisitieren von Kunst und Ramsch. Gerade im Karneval ist das Angebot an Masken und Haarschmuck sehr groß, und leider hat das meiste recht wenig mit Kunsthandwerk zu tun. Billigware aus Fernost schmückt die Verkaufswägen rundherum, und auch in den Geschäften ist es schwer auszumachen, was echt ist und was nicht. Stoßt man jedoch auf selbstgemachte Masken, ist das ein Gedicht. Eine Maske vom Künstlermarkt am Campo San Stefano ist daher tausend mal schöner als ein „Schnäppchen“ aus dem Souvenirladen.

Fazit

Wenn ich sagen müsste, was ich an Venedig am liebsten mag, so muss ich nicht lange nachdenken: das Sich-Verlieren in den Gassen. Wie aufregend so ein Spaziergang durch die Serenissima doch ist, denn vielerorts wirkte es für uns wie ein Labyrith, in dem wir uns jeden Weg auf´s neue erarbeiten müssen. Einmal zu früh oder zu spät abgebogen, war man schon wieder ganz wo anders. Mein Orientierungssinn fuhr wegen Überlastung das System herunter, und das war gut so. Irgendwo kommt sowieso wieder raus, und wenn die Füße müde sind, nimmt man einfach das Vaporetto. Es ist wirklich nirgends so schön, sich treiben zu lassen, wie hier.

Nützliche Links*

Du willst auch in dem wirklich sehr empfehlenswerten B&B Venetian Experience übernachten? Klicke hier oder suche selbst eine passende Unterkunft



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Um schnell und günstig wegzudüsen, buche ein Flixbus-Ticket – aber achte vorher auf ausreichend Schlaf 😉


Das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel in Venedig (24, 48 oder 72 Stunden-Pass) kannst du hier kaufen.

Du willst in den Dogenpalast? Dann empfehle ich dir, hier online ein Ticket zu reservieren.

Als Reisevorbereitung habe ich diese Bücher verwendet

 

*hier verweise ich auf Flüge, Hotels, Dienstleistungen oder Produkte, von denen ich überzeugt bin, die mir selbst hilfreich sind und waren. Warum? Zum einen gebe ich meine positiven Erfahrungen gerne weiter, zum anderen bessert es mein Reisebudget ein wenig auf, wenn ihr über meinen Blog etwas kauft. Es kostet euch nicht mehr, aber ich erhalte eine kleine Provision.

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2 thoughts on “Venedig im Karneval – von vollen Plätzen und leeren Gassen”

  • Der Campo Santa Margherita hat mir auch super gut gefallen. Wir waren dort Cichetti essen 🙂 Das Restaurant werd ich mir für nächstes Jahr merken, dann fahren wir wieder zum Karneval. Das Sightseeing ist diesmal etwas zu kurz gekommen, das holen wir nächstes Jahr nach – da bleiben wir ein paar Tage über den Karneval hinaus. 🙂

    LG, Ilona

    • Ja, der Platz ist wirklich toll! Das Restaurant wird euch sicher gefallen, wenn ihr auf typsich venezianische Küche steht 🙂 Ein paar Tage mehr sind sicher sinnvoll! Ich freue mich drauf, dann von eurem Trip lesen zu dürfen 🙂

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