Typisch Kalabrien – Reggio Calabria und die Costa Viola

Viele denken bei einem Urlaub in Kalabrien als erstes an Tropea. Wir haben es ganz bewusst anders gemacht und uns im Rahmen unserer Rundreise durch die Stiefelspitze für eine ausgiebige Erkundung der Küste zwischen Reggio Calabria und Palmi entschieden. Die Costa Viola und die alte Hauptstadt Kalabriens bieten nämlich ganz viele Sehenswürdigkeiten, Einblicke und Ausblicke.


Inhaltsverzeichnis
Die Costa Viola in Kalabrien
Zwischen Nicotera Marina und Villa San Giovanni befindet sich, am tyrrhenischen Meer gelegen, die Costa Viola. Ehrlicherweise muss man aber dazusagen: Der Küstenabschnitt zwischen Nicotera Marina und Gioia Tauro ist touristisch nicht sehr reizvoll. Hier befindet sich nämlich hauptsächlich der große Hafen, der als der siebtgrößte Europas gilt und an dem nicht nur legale Waren angeliefert werden.

Richtig schön wird es aber ab Palmi. Hier macht die violette Küste, wie die Costa Viola auf deutsch heißt, ihrem Namen alle Ehre. Fällt das Licht gerade günstig, schimmert das Meer tatsächlich violett, was an dem Zusammenspiel zwischen einer speziellen Algenart und den geografischen Gegebenheiten liegt. Von Palmi südwärts bis zur Straße von Messina fällt die Küste steil ab. Damit sind flache Sandstrände eine Seltenheit, dafür bieten sich aber Panoramen zum Träumen.

Dieser Umstand sorgt auch für ausreichend tiefe Gewässer für große Fische wie Thun- oder Schwertfische. Wer also gerne regional speist, sollte sich Speisen aus diesen Meerestieren nicht entgehen lassen, denn frischer wird’s nimmer.
Die Costa Viola, die an der Meeresenge von Messina endet, ist außerdem Schauplatz des wohl bekanntesten kalabrischen Mythos’: dem von Skylla und Charybdis. Sie stehen für die Wahl zwischen zwei gleichermaßen gefährlichen Übeln. Während die furchterregende Skylla als sechsköpfiges Ungeheuer auf einem Felsen lauerte, um Seefahrer buchstäblich im Vorbeifahren zu verschlingen, stellte Charybdis auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge von Messina einen gewaltigen Strudel dar, der ganze Schiffe in die Tiefe sog.

Schöne Orte entlang der Costa Viola
Wie schon erwähnt, beginnt die wirklich schöne Costa Viola bei Palmi und führt dann entlang der SS18 südwärts bis Villa San Giovanni. Entlang dieses Abschnitts bietet die Costa Viola zahlreiche beliebte Reiseziele, Sehenswürdigkeiten und auch Aktivitäten für die ganze Familie. Von dort aus ist es dann auch nicht mehr weit bis ins kulturelle Zentrum Südkalabriens: Reggio Calabria.
Palmi
In Palmi kann man, sofern man gut plant, durchaus einen ganzen Tag verbringen. Uns hat es zunächst aus einem ganz praktischen Grund hierher verschlagen: Es gibt hier nämlich einen Waschsalon (Lava Più). Wir haben also das Notwendige mit dem Schönen verbunden und uns gleich ein paar sehenswerte Flecken Palmis angesehen.
Monte Sant’Elia und Aussichtspunkte
In Palmi befindet sich der ‘Balkon des Tyrrhenischen Meeres’, der Monte Sant’Elia. Während also unsere Wäsche im Trockner seine Runden drehte, sind wir auf den nur 10 Autominuten entfernten Monte Sant’Elia gefahren. Die Anfahrt ist besonders zum Schluss etwas rumpelig, dafür befindet man sich dann quasi direkt oben beim Aussichtspunkt. Von dort hat man einen sensationellen Ausblick auf die gesamte Costa Viola. Man erblickt den Hafen von Gioia Tauro ebenso wie die Straße von Messina und sieht sogar bis nach Capo Vaticano. An klaren Tagen kann man auch den Stromboli erblicken.

Nachdem Palmi so exponiert auf dem Hang liegt, gibt es hier aber noch weitere schöne Aussichtspunkte, etwa Punto Panoramico Motta oder Tracciolino. Auch auf der nördlichen Seite der Altstadt gibt es rund um die Casa di Leonida Rapaci nette Ausblicke. Und relativ zentral unterhalb des Zentrums liegt die Caletta Rovaglioso Scogliera Porto Oreste, zu der man auch absteigen kann und sich dann an einem schönen Wildstrand befindet.

Tauriano
In Palmi befindet sich auch der Parco Archeologico dei Tauriani. Diese archäologische Ausgrabungsstätte beherbergt die Ruinen der Stadt Tauriano, in der Menschen bereits vor etwa 4000 Jahren lebten. Diese sogenannten Bruttier – die Ureinwohner Kalabriens quasi – bauten hier Hütten. Bereits in vorrömischer Zeit wurden aber Steinhäuser errichtet, ehe dann die Römer kamen und die Stadt ausbauten. Aber auch eine frühchristliche Kypta befindet sich am Areal sowie spanischen Turm, der aus dem 16. Jhd. stammt.

Hier kann man also durch die Jahrtausende wandeln – zumindest, wenn es offen ist. Denn wir hatten leider Pech und der Park war bei unserem geplanten Besuch leider wegen Wartungsarbeiten geschlossen. Ansonsten ist an Wochenenden für Besucher ohne Reservierung geöffnet (16:30 – 19:30 Uhr) und unter der Woche nach Reservierung unter der Nummer +393773976017.
Unterhalb des archäologischen Parks liegt der Spiaggia Ulivarella, ein wunderschöner Strand mit Infrastruktur und einem jahrhundertealten Olivenbaum. Vom angrenzenden Hafen aus kann man den Turm von Tauriano auch erblicken – wenigstens!

Zentrum von Palmi
Das Zentrum von Palmi selbst ist jung und alt zugleich. Es wurde mehrmals im Zuge von Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut. Wir haben es leider nicht geschafft, uns die kulturellen Besonderheiten hier anzusehen, aber es gibt einige: Der Brunnen von Palmi auf der Piazza Amendola, die Villa Mazzini (einem kleinen Park mit Marmorbüsten und einem Ausblick auf die Küste und dem Monte Sant’Elia), und natürlich die Casa della Cultura Leonida Repaci mit dem Museo Calabrese di Etnografia e Folklore „Raffaele Corso“. Dieses Kulturhaus beherbergt eben ein Folkloremuseum, aber auch eine Pinakothek mit Gemälden jüngerer Vergangenheit.
Weitere sehenswerte Orte in Palmi sind:
- Der Vorort Seminara oben am Berg, der für seine Keramiken bekannt ist
- Eine Bootsfahrt entlang der Küste, um die vielen Grotten zu sehen
Bagnara Calabra
Den Küstenort Bagnara Calabra, der malerisch von Bergen umgeben südlich von Palmi liegt, haben wir in unserer Woche an der Costa Viola ausgiebig erkundet – immerhin haben wir hier im Grand Hotel Victoria* genächtigt. Dieses liegt direkt zwischen Meer und Zentrum am Lungomare (mehr dazu siehe unten). Und hier lässt es sich schon ganz gut aushalten. Es ist ein klassischer Ferienort, der zum Schlendern einlädt – allerdings und zum Glück ohne Touri-Ramschgeschäfte.

Lungomare und zentrale Straße
Bagnara Calabra zieht sich, abgesehen von den Vororten oben am Hügel, durch die man fährt, wenn man von der Autobahn runter kommt, ganz schön in die Länge. Bei einem Spaziergang am Meer entlang ist man somit 2,5 Kilometer in eine Richtung unterwegs. Dieser Weg am Lungomare liegt zwischen dem ebenso langen und recht breiten Kiesstrand und einer kleinen Küstenstraße. Im nördlichen Teil wurden die Brüstungen und Pflasterungen in den letzten Jahren erneuert, bei unserem Aufenthalt hier im Mai 2025 hat man sich gerade an der Piazza Lido ans Werk gemacht.

Diese Piazza ist übrigens am Abend ein Muss, wenn man authentisches süditalienisches Dorfleben sucht. Sobald sich die Sonne zum Untergehen in Richtung Meer senkt, trifft sich hier gefühlt der ganze Ort mit seinen Kindern. Während die Parkbänke und Brüstungen mit Erwachsenen voll sind, spielen die Kinder auf dem Platz Ball, fahren Rad oder laufen sich die letzten Energien des Tages aus dem Körper.

Der Torre Aragonese Capo Rocchi Ruggiero
Was für ein Name, oder? Dieser historische Turm steht am nördlichen Ende des Lungomare, direkt oberhalb des kleinen Hafens von Bagnara Calabra. Ob er normannisch oder aragonesisch ist, lässt sich nicht ganz eindeutig sagen, er wurde jedenfalls irgendwann im 15. oder 16. Jahrhundert als Teil eines Verteidigungssystems erbaut.

Heute ist er ein beliebter Treff- und Aussichtspunkt. Man überblickt den kompletten Strand von Bagnara Calabra, kann bis nach Scilla und bei guter Sicht auch bis zu den äolischen Inseln sehen.

Sentiero Marturano
Ein bisschen Trittsicherheit gehört auf diesem kurzen Wanderweg auf alle Fälle dazu, man wird aber mit einer tollen Aussicht belohnt (das Titelbild entstand dort). Er startet unweit des Denkmals für Mia Martini und führt über zahlreiche Stufen terrassenartig hoch auf einen Aussichtsbalkon. Dieser ist uns auf der Durchzugsstraße von der Autobahn nach Bagnara Calabra runter schon aufgefallen, allerdings ist dort oben sehr schwierig mit Parkplätzen. Somit haben wir das ganze also von der anderen Seite aufgezogen.

Die kleine Wanderung selbst dauert nicht lange. Mit Kind in der Trage und Fotostopps waren wir hinauf ca. eine halbe Stunde unterwegs. Zwischendurch hört man immer wieder das Rascheln der Schlangen im Gebüsch, gesehen haben wir nur einmal einen Schwanz. Eines muss man jedenfalls festhalten: Die Stiegen und Geländer sind in schlechtem Zustand und müssen dringend mal gewartet werden. Daher auf alle Fälle an gutes Schuhwerk denken und Vorsicht walten lassen!
Restaurant Tipps für Bagnara Calabra
Da unser Hotel hier lag, waren wir natürlich auch öfter in Bagnara Calabra essen. Meine Empfehlungen dafür will ich hier gerne weitergeben.
- Alma Bistrot: Dieses kleine Lokal mit einer überschaubaren, aber fantastischen Karte hat uns so begeistert, dass wir gleich zwei Mal hier Essen waren. Kreative Fischvorspeisen, ausgefallene Pasta und perfekt gebratenes Fleisch zeugen von der hohen Kochkunst des Chefs.
- Trattoria dal Pres: Vom Ambiente im Speisesaal her wirkt dieses Lokal eher wie eine Kantine, die Besitzer sind allerdings superlieb und das Essen ist großartig. Hier finden auch Pizzafans etwas, ebenso wie Liebhaber guter Sepiapasta.
- Ristorante Horizon: Dieses Lokal ein Restaurant zu nennen, finde ich etwas übertrieben. Es ist eine Strandbar mit ganz guter Auswahl an Sandwiches und kleineren Fischgerichten. Dabei sitzt man auf einer Terrasse mit Blick auf’s Meer, während man etwa das köstliche Fritto Misto verspeist.
Scilla
Scilla ist neben Tropea der wahrscheinlich meistbesuchte Ort Kalabriens. Zahlreiche Busse mit Tagesbesuchern stapeln sich hier. In der Vorsaison verläuft sich das noch ganz gut, ich möchte aber nicht wissen, was hier im Sommer los ist. Die Beliebtheit des Ortes an der Costa Viola ist aber nicht unbegründet: Scilla lockt mit einer Wahnsinnskulisse, einem Castello und einer gewissen Portion Mystik.

Castello Ruffo
Das imposante Castello Ruffo thront majestätisch auf einer steilen Klippe und trennt die beiden Strandabschnitte von Scilla. Seine Geschichte reicht bis in die Antike zurück, als es als Befestigungsanlage gegen Seeräuber diente, bevor es im Mittelalter von der Adelsfamilie Ruffo zu einer prachtvollen Residenz und Militärfestung ausgebaut wurde. Später wurde die Anlage zeitweise sogar als Leuchtturm genutzt. Heute ist die Festung für Besucher zugänglich, beherbergt regelmäßig Kunstausstellungen und ist das Wahrzeichen von Scilla.

Für unseren Besuch mit Kleinkind war das Castello ein kleines Abenteuer mit Hindernissen: Mit dem Kinderwagen ist der Aufstieg aufgrund der vielen Stufen und teils sehr unebenen, kopfsteingepflasterten Flächen nicht möglich. Wer mit ganz kleinen Kindern reist, greift hier besser auf eine Trage zurück. Unserem Kind hat es dennoch riesigen Spaß gemacht – die alten Mauern luden zum Entdecken ein und wir konnten hinunter auf das strahlend blaue Meer und die vorbeiziehenden Schiffe schauen.

Borgo Chianalea
Das zauberhafte Viertel Borgo Chianalea ist nicht umsonst so beliebt: Die alten, charakteristischen Fischerhäuser wurden hier direkt an und über das Meer gebaut, sodass die Wellen sanft an die Hausmauern schlagen und kleine Fischerboote direkt vor den Haustüren im Wasser schaukeln. Ein Spaziergang durch die engen, autofreien Gassen versetzt Reisende augenblicklich in eine andere Zeit, in der das Leben noch ausschließlich vom Rhythmus des Meeres und dem traditionellen Schwertfischfang bestimmt wurde.

Der Weg führt auf einer schönen Route vom malerischen Hafen aus bis hin zur historischen Chiesa San Giuseppe. Auf diesem Spaziergang passiert man zahlreiche einladende Lokale, die fangfrischen Fisch servieren, sowie kleine Kunsthandwerksläden. Zwischendurch stößt man immer wieder auf historische Brunnen und geheimnisvolle Durchgänge, die plötzlich den Blick auf das offene Meer freigeben und perfekt für eine kurze Fotopause geeignet sind.

Belvedere di San Rocco
Das Belvedere di San Rocco ist der zentrale Ort für den wohl spektakulärsten Ausblick in Scilla. Auf dem weitläufigen Platz steht die berühmte Statue der Skylla. Dieses Fabelwesen wurde lange Zeit als Meeresungeheuer gemeinsam mit dem sizilianischen Charybdis für die vielen verschwundenen Schiffe in der Straße von Messina verantwortlich gemacht. Sie gilt auch als Namensgeberin von Scilla. Wir hatten die Gelegenheit, das Belvedere nicht nur als Aussichtsplatz, sondern auch als lebendigen Marktplatz zu erleben und konnten so das geschäftige Treiben im Herzen der Oberstadt beobachten.

Man erreicht das Belvedere entweder wie wir mit dem Auto – oder, wenn man zu Fuß von der Unterstadt kommt – über Treppen oder mit dem Panoramalift von der Marina Grande aus. Oben angekommen, wird man mit einem atemberaubenden Panorama belohnt, das über das Castello Ruffo und an klaren Tagen auch bis zur gegenüberliegenden Küste Siziliens reicht.

Spiaggia di Scilla
Der weitläufige Strand von Scilla, die Spiaggia Marina Grande, ist bei Badewetter einen Abstecher wert. Ein Teil des Strandes steht als Spiaggia libera kostenfrei für alle zur Verfügung, die ihr eigenes Handtuch ausbreiten möchten. Daneben reihen sich die verschiedenen Lidi aneinander. Wir haben bei unserem Besuch Ende Mai sehr faire 10 € pro Tag für ein Set aus zwei Liegen und einem Sonnenschirm bezahlt – im Hochsommer ziehen die Preise hier allerdings spürbar an. Wichtig zu wissen: Das Parken entlang des Strandes ist kostenpflichtig und wird streng kontrolliert.

Wer die beste Aussicht auf den Strand und die Bucht erhaschen möchte, sollte zwei Spots ansteuern: Entweder man genießt den Blick von der malerischen Panoramastraße, die hinüber in Richtung Hafen führt, oder man wechselt die Perspektive und blickt von der anderen Seite der Bucht, vom höher gelegenen Belvedere di Punta Pacì, hinab auf das kristallklare Wasser der Costa Viola.

Restauranttipp für Scilla
Als wir einmal in Scilla Abendessen waren, haben wir uns für das Ristorante La Perla Nera entschieden. Die Lage direkt am Meer am südlichen Ende des langen Sandstrandes ist toll. Als Spezialitäten des Hauses gelten frische Meeresfrüchte sowie traditionelle Fischgerichte, etwa hausgemachte Pasta mit Schwertfisch oder Fischcarpaccio. In der Hauptsaison würde ich unbedingt reservieren, als wir Ende Mai hier waren, haben wir ohne Probleme auch spontan einen Platz bekommen.

Villa San Giovanni
Fährt man die Küstenstraße weiter Richtung Süden, erreicht man Villa San Giovanni. Die Stadt ist den meisten Reisenden hauptsächlich als geschäftiger Hafenort für die Überfahrt mit der Autofähre über die Straße von Messina nach Sizilien bekannt. Im Stundentakt legen hier die großen Schiffe an und ab. Auch wenn man nur auf der Durchreise ist, lohnt sich ein kurzer Stopp.

Denn am wunderschön gestalteten Lungomare di Cannitello lässt es sich herrlich auf der gepflegten Promenade flanieren. Hier abseits des Fährtrubels genießt man eine fantastische, fast greifbare Sicht direkt nach Sizilien hinüber, kann die Strömungen des Meeres beobachten und in einem der gemütlichen Cafés ein Eis essen, während die Riesenschiffe vorbeiziehen.

Weiter bis nach Reggio Calabria
Der Weg von Villa San Giovanni führt weiter in den tiefen Süden der Region. Diese Strecke entlang der Küste offenbart die ganze Vielfalt Kalabriens und hält neben der berühmten ‚Großstadt‘ Reggio Calabria auch versteckte Schätze im Hinterland bereit, die man flexibel ansteuern kann.
Borgo Croce
Ein absoluter Tipp auf dem Weg ist das winzige Dorf Borgo Croce. Die Anfahrt führt über recht schmale, kurvenreiche Straßen hinauf in die kalabrischen Hügel, doch der Weg lohnt sich jede Sekunde. Der Ort wurde von seinen engagierten Einwohnern durch farbenfrohe Kunstprojekte regelrecht zum Leben erweckt. Überall erstrahlen bunte Häuser und kreative Street Art an den Wänden, bunte Regenschirme hängen über den Gassen und liebevoll gestaltete Details schmücken jede Ecke. Gerade als Aktivitäten für Familien südlich der Costa Viola ist dieser Stopp perfekt, denn Kinder haben hier großen Spaß, die bunten Motive zu entdecken und durch die lebendigen, fantasievollen Gassen zu toben.

Man sollte sich bei der Zufahrt aber nicht auf Google Maps verlassen, denn das würde einen durch komplett enge, steile Gassen irgendeinen Schleichweg über San Nicola rauf schicken. Wir sind mit Hirn gefahren und nicht wie vorgeschlagen zugefahren, sondern über die SP6 weiter und dann in die Via Cimitero links abgebogen. In dieser kann man dann auf Höhe der Häuser auch recht gut parken.
Parco della Mondialità
Der Parco della Mondialità liegt im Ortsteil Gallico Superiore nordöstlich von Reggio Calabria und ist ein Begegnungspark, der in den 1970er-Jahren auf Initiative des Priesters Padre Lino Viola ins Leben gerufen wurde. Die Parkanlage erstreckt sich über einen grünen Hügel und versteht sich als friedlicher Ort der interkulturellen und interreligiösen Begegnung.

Das Besondere am Park sind die nachgebauten Monumente und architektonischen Symbole aus aller Welt, die über das gesamte Gelände verteilt sind. Hier stehen unter anderem ein antikes griechisches Theater, ein ägyptisches Hypogäum, ein arabisches Zelt sowie eine ostasiatische Pagode in unmittelbarer Nähe, was zwar etwas zusammengewürfelt, aber auch spannend wirkt. Allerdings sind die Monumente schon ordentlich in die Jahre gekommen und der Putz bröckelt. Uns und besonders dem Kleinkind hat es aber gut gefallen, was sowohl an dem Ententeich als auch an dem kleinen Spielplatz hier liegt. Wenn man also mit Kind von oder nach Reggio Calabria unterwegs ist, kann man den Parco della Mondialità auf alle Fälle mitnehmen.

Reggio Calabria
Wir besuchten natürlich auch das glanzvolle Zentrum der Region: Reggio Calabria. Die geschichtsträchtige Stadt besticht durch ein elegantes Flair und kombiniert eine antike Vergangenheit mit modernem italienischem Lebensgefühl. Für Reisende gibt es einige faszinierende Sehenswürdigkeiten in Reggio Calabria zu entdecken, die das kulturelle Herzstück der Region bilden. Wir haben die einstige Hauptstadt Kalabriens genauer unter die Lupe genommen und ich stelle die wichtigsten Facetten vor.

Museen in Reggio Calabria
Das unbestrittene Kronjuwel der städtischen Kulturlandschaft ist das Nationale Archäologische Museum von Reggio Calabria. Weltweit berühmt ist es vor allem als Heimat der „Bronzi di Riace“ – zwei antike, lebensgroße und absolut perfekt erhaltene Bronzestatuen griechischer Krieger aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., die in den 1970er Jahren aus dem Meer geborgen wurden. Darüber hinaus bietet das Museum eine der umfassendsten Sammlungen zur Geschichte der Magna Graecia, die auch geschichtsinteressierte Kinder ins Staunen versetzt.

Wer tiefer in die botanischen und kulinarischen Besonderheiten der Region eintauchen möchte, sollte das faszinierende Bergamott-Museum besuchen. Es widmet sich ganz der seltenen, grünen Zitrusfrucht, die fast ausschließlich an diesem Küstenstreifen gedeiht und deren ätherisches Öl die Basis für weltberühmte Parfums bildet. Weitere lohnenswerte Kultureinrichtungen sind die Pinacoteca Civica (städtische Gemäldegalerie) mit Meisterwerken von Antonello da Messina sowie das Diözesanmuseum, die das reiche sakrale Erbe der Region beleuchten.
Reggio Calabria Altstadt
Die historische Altstadt von Reggio Calabria präsentiert sich nach dem Wiederaufbau (1783 zerstörte ein Erdbeben hier fast alles) im Jugendstil elegant und einladend. Das pulsierende Herzstück bildet der Corso Garibaldi, eine weitläufige Fußgängerzone und prachtvolle Einkaufsmeile, die von schicken Boutiquen, traditionsreichen Cafés und prächtigen Palazzi gesäumt wird. Hier lässt es sich wunderbar flanieren und das typisch italienische Lebensgefühl bei einem Espresso genießen.

Zu den architektonischen Höhepunkten der Altstadt gehört die majestätische Kathedrale von Reggio Calabria, die größte Kirche der Region, deren opulentes Inneres absolut sehenswert ist. Nur wenige Gehminuten entfernt thront das imposante Castello Aragonese. Die mittelalterliche Festung hat Erdbeben und Kriege überstanden und dient heute als markanter Aussichtspunkt sowie als atmosphärischer Raum für wechselnde Kunstausstellungen.

Lungomare von Reggio Calabria
Der Lungomare Falcomatà wird nicht ohne Grund oft als der schönste Küstenstreifen des Landes beschrieben – der (zugegeben umstrittene) Dichter Gabriele D’Annunzio taufte ihn einst ehrfürchtig den „schönsten Kilometer Italiens“. Die weitläufige Promenade wird von riesigen, schattenspendenden Palmen, exotischen Magnolien und antiken Statuen gesäumt. Sie verläuft direkt oberhalb des weitläufigen Stadtstrandes und bietet einen unverbauten Blick auf das tiefblaue Meer der Meerenge von Messina.

Ein absoluter architektonischer und kultureller Blickfang auf der Promenade ist die Arena dello Stretto, ein im antiken griechischen Stil erbautes Amphitheater direkt am Wasser. Sie dient als stimmungsvolle Kulisse für abendliche Konzerte und Theateraufführungen und ist der perfekte Logenplatz, um den Sonnenuntergang über Sizilien zu beobachten. Für Familien ist der Lungomare ein Paradies: Hier kann man ungestört spazieren gehen, während die Kinder Platz zum Laufen haben, und in einer der zahlreichen hervorragenden Gelaterias ein original kalabrisches Eis während des Urlaubs genießen.

Unser Hotel an der Costa Viola
Während unserer Reise haben wir im Grand Hotel Victoria* in Bagnara Calabra übernachtet. Das Hotel hat sich als der perfekte Ausgangspunkt für unsere Erkundungstouren herausgestellt. Zugegeben wirkt das ganze Hotel etwas in die Jahre gekommen, aber es ist sauber und das Personal war sehr freundlich. Da der Lift leider kaputt war, wir aber im 5. Stock untergebracht waren, hat man uns so bald wie möglich ein Zimmer im 2. Stock angeboten.

Das Frühstück ist typisch für ein süditalienisches Hotel: nicht außerordentlich üppig und sehr süßlastig. Für uns hat es gut gepasst, wer allerdings All-inklusive-Urlaubshotellerie gewohnt ist, wird eventuell enttäuscht sein. Ein großer Pluspunkt ist die Lage: Zentral in Bagnara Calabra gelegen, direkt am Lungomare und mitten im abendlichen Trubel und in Gehweite vieler kulinarischer Möglichkeiten. Außerdem ist das Grand Hotel Victoria in Bagnara Calabra ideal, um die umliegenden Küstenorte flexibel zu erreichen.

Touren und Ausflüge zwischen Palmi und Reggio Calabria
Die gesamte Küstenregion hält abwechslungsreiche Ausflugsmöglichkeiten für jeden Geschmack bereit, die meisten von Reggio Calabria* oder von Scilla* aus. Man kann zum Beispiel geführte Bootstouren machen, die zwischen Palmi und Reggio Calabria angeboten werden. Vom Wasser aus lassen sich die versteckten Meeresgrotten, die steilen Klippen der Costa Viola und einsame, nur vom Boot aus zugängliche Badebuchten am besten bestaunen. Auch Schnorchelausflüge im glasklaren Wasser oder Wanderungen im nahegelegenen Aspromonte-Nationalpark bieten sich als ideale Tagesausflüge an, um die wilde Natur Kalabriens hautnah zu erleben.

*Affiliate Link. Dabei verweise ich auf Hotels, Dienstleistungen oder Produkte, von denen ich überzeugt bin, die mir selbst hilfreich sind und waren. Wenn du über den Link etwas kaufst, erhalte ich eine Provision.
Scilla, Reggio Calabria & Co.: Kalabriens Westküste entdecken
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer die Costa Viola bereist, erlebt Italien von einer sehr authentischen und facettenreichen Seite. Von der mythologischen Romantik in Scilla über die farbenfrohe Kunst in Borgo Croce bis hin zum eleganten Flair und den antiken Schätzen in Reggio Calabria bietet diese Region eine unvergleichliche Dichte an Erlebnissen. Wir haben die Costa Viola als wunderschönen Küstenstreifen mit einem violett schimmernden Meer erlebt, an dem man mit herzlicher Gastfreundschaft willkommen geheißen wird. Und wer dann doch mal genug vom Meer hat, der ist ganz schnell in den wilden kalabrischen Bergen.

Du willst noch mehr über Kalabrien bzw. Süditalien mit Kind lesen? Dann schau auch in meine anderen Artikel rein:
PIN IT!










