Apulien – Roadtrip durch den Stiefelabsatz Italiens

Apulien – Roadtrip durch den Stiefelabsatz Italiens

Wir haben uns mal wieder ins Auto gesetzt und einen Roadtrip gestartet – und zwar ganz in den Südosten Italiens, nach Apulien. Wobei, ich muss das noch ein wenig genauer beschreiben, denn die Region Puglia (wie es original in italienisch heißt) ist wirklich riesig! Bei den Reisevorbereitungen hat uns das schon ein wenig Kopfzerbrechen bereitet – denn am liebsten hätten wir uns alles angesehen. Nun, zwei Wochen sind aber nicht genug für ein Gebiet, das fast 20.000 km2 groß ist und etwa 800 Küstenkilometer aufweist. Also haben wir uns dafür entschieden, und auf die südliche Hälfte Apuliens zu konzentrieren.

Die Route

Hier findet ihr unsere Stationen und die Route im Überblick. Die detaillierten Artikel zu den jeweiligen Orten bzw. Abschnitten werden dann hier verlinkt und kommen nach und nach in den nächsten Wochen.

Anreise mit Zwischenstopp

Zunächst einmal vorweg: Der Weg mit dem Auto nach Apulien ist lang. Die reine Fahrzeit von Graz nach Bari beträgt bereits über 11 Stunden, mit den notwendigen Pausen natürlich wesentlich länger. Obwohl wir zügige Autofahrer sind und uns beim Fahren auch abwechseln, waren wir in Summe etwa 16 Stunden unterwegs. Die Cappuccini an den Raststätten waren dann doch zu verlockend 😉 Und ein kleines Nickerchen zwischendurch war auch mal notwendig.

Da wir einen Tag früher als geplant losgestartet sind, beschlossen wir spontan, auf zwei Etappen zu fahren, und einen Tag am Meer in den Marken zu verbringen. Über diesen entspannenden Tag in Marotta gibt es nicht sehr viel zu erzählen, außer dass unsere Reise hier mit einem wirklich sehr schönen Sonnenaufgang einen würdigen Auftakt fand und es sich auf den Liegen am Strand wirklich gut geschlafen hat 😉 Die Adria ist auf diesem Abschnitt bereits wesentlich schöner als an den vielbesuchten Stränden weiter oben, das Wasser flach, sauber und ziemlich warm, und die Strandbars günstig.

Rund um Bari

Mit aufgetankten Energiereserven ging die Reise dann weiter ans eigentliche Ziel. Wird durchquerten noch zwei Regionen (Abruzzen und Molise), um endlich das Schild unserer Träume zu lesen: Puglia. Aber, wie schon kurz erwähnt, Apulien ist groß, und vor allem lang gezogen, und so waren es noch gute zwei Stunden Fahrt bis wir endlich an unserem ersten festen Standpunkt ankamen: Casamassima.

Noch nie davon gehört? Ich, bevor ich eine günstige Unterkunft in dem Gebiet suchte, auch nicht. Aber die Kleinstadt etwas im Landesinneren eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge an die Costa di Bari bzw. in die Murgia, wo das weltbekannte Alberobello zu finden ist. Wir besichtigten in den 4 Tagen hier die drei Küstenstädte Bari, Polignano al Mare und Monopoli, sowie die Grotte di Castallana und das zauberhafte Städtchen Alberobello. Und wir nahmen uns auch genug Zeit zum Baden und zum Klippenspringen – denn die abwechslungsreiche Küste gliedert sich in in Sand- und Felsenabschnitte und bietet für Felsenstrandfreunde wie mich ein wirklich großartiges Terrain mit absoluter Spaßgarantie 🙂

Hier geht´s zum Artikel über die Costa di Bari

Hier geht´s zum Artikel über Alberobello

Lecce

Auf unserer Weiterreise machten wir einen Nachmittag lang halt an der Grotta della Poesia, einem mittlerweile sehr bekannten Strandabschnitt in der Nähe von Torre dell´Orso. Ein toller Ort zum Schnorcheln, Springen und Ängste überwinden!

Anschließend ging es für zwei Nächte weiter nach Lecce, dem „Florenz des Südens“. Die Altstadt, die mit dem „Lecceser Barock“ einen sehr eigenwilligen, eigenen Stil aufweist, ist nicht allzu groß, dafür aber wunderschön. Einzig die massive Hitze hat uns ein wenig in unserer Erkundungswut gebremst, aber wir haben uns den regionalen Gegebenheiten angepasst und wie die Süditaliener einfach eine Siesta eingelegt 🙂

Hier findest du den Artikel über Lecce

Der Salento am ionischen Meer

Die nächste Etappe führte uns an die ionische Küste Apuliens, die zwar ebenso abwechslungsreich wie die adriatische, aber wesentlich fischreicher als diese ist und das Meer hier streckenweise fast karibisch anmutet. Hier entschieden wir uns, 4 Nächte lang in der Nähe von Torre San Giovanni auf einem Campingplatz zu zelten, was in ziemlich abenteuerlichen Kochaktionen endete. Der Ort war aber ideal, um den Salento (so nennt sich die südlichste Provinz in Apulien) an der ionischen Seite zu erkunden. So führten uns unsere Abstecher nach Leuca, dem südlichsten Punkt Apuliens und Gallipoli, der „schönen Stadt“ und der angrenzenden Baia Verde. Wir nutzen die Zeit am Campingplatz aber auch ausgiebig zum Entspannen und Baden, was angesichts des starken Windes und der Wellen ziemlich lustig war.

Für den Salento-Artikel einfach hier klicken!

Taranto / Tarent

Dann ging es für drei Nächte weiter, wieder Richtung Norden, nach Tarent. Auf der vorgelagerten Halbinsel San Vito bezogen wir unser B&B und verbrachten den Ferragosto (Feiertag am 15. August), der in Italien richtig groß zelebriert wird, mit gutem Essen und netten Menschen. Tarent selbst hat einen etwas widersprüchlichen Eindruck bei uns hinterlassen, aber die Küste darunter hält für Schnorchelfreunde wie uns Großartiges bereit und sorgte für unseren Reisemoment des Jahres 2017!

Wenn du neugierig bist, warum Tarent für uns eine Stadt mit zwei Gesichtern ist, schau hier rein!

Du willst wissen, wie es ist, mit tausenden Fischen zu schnorcheln? Dann klick hier!

Matera

Die letzte Station war eigentlich nicht mehr in Apulien, sondern in der benachbarten Basilikata. Doch die faszinierende Stadt Matera liegt nur eineinhalb Autostunden von Taranto entfernt, sodass wir sie auf keinen Fall auslassen wollten. Ich tue mir auch jetzt noch wirklich schwer, passende Worte für die Felsenstadt zu finden, die eine sehr interessante Geschichte aufweist, von skurriler Landschaft umgeben und 2019 europäische Kulturhauptstadt ist. Kurz gesagt: sie ist für mich die schönste Stadt in ganz Italien!

Lies >hier< mehr über Matera und und lass dich verzaubern!

Heimweg

Auf dem Weg nach Hause, der uns durch das obere Apulien wieder Richtung Adria führte, hielten wir noch am Castel del Monte, dem achteckigen Prachtbau des Staufenkaisers Friedrich II. Obwohl die Festung von außen wirklich sehenswert ist, hätten wir uns den Eintritt drinnen sparen können – außer Mauern und Säulen sieht man eigentlich nichts, den Eintritt finde ich mit 10€ pro Person auch wirklich überteuert, außerdem zahlt man zusätzlich noch für den Parkplatz und den Shuttlebus zum Castel (zumindest in den Sommermonaten).

Mit diesem letzten, lehrreichen Erlebnis ging es nun endgültig Richtung Heimat. Von der Autostrada aus hatten wir über viele Kilometer hiweg noch einen wunderbaren Blick auf´s Meer, und Zeit um alle Eindrücke der letzten beiden Wochen sacken zu lassen. Wir mussten uns wehmütig von Süditalien und den heißen Temperaturen dort verabschieden, fluchten noch ein wenig über den Stau und den Regen und kamen müde am nächsten Morgen wieder in Graz an.

Tage unterwegs: 17

Gefahrene Kilometer: ca. 3450 Kilometer

Besuchte Orte: 15

Unterkünfte: 5

Meine Gedanken zu Apulien

Apulien ist wunderschön! Umgeben von zwei Meeren, mit abwechslungsreichen Küstenabschnitten, die für jede/n den gewünschten Untergrund (Sand, Kies oder Fels) bieten, lässt es sich hier wirklich toll sommerurlauben. Sowohl KlippenspringerInnen und Leute, die gerne schnorcheln und mit Fischen schwimmen, kommen da voll auf ihre Kosten. In der Hochsaison ist an den Stränden zwar viel los, aber es finden sich eigentlich immer einsame Buchten. Das ionische Meer ist glasklar, türkisblau und sehr fischreich – kurz gesagt ein Traum!

Einige Städte bzw. Städtchen versprühen einen nostalischen Charme in kalksteinfarbenen oder weißen Häusern und das die überschaubare Größe der Orte lässt alles Wesentliche in Tagesbesuchen erkunden. Man begegnet eigentlich überall Kunsthandwerk und findet interessante Museen. Die Preise sind im Vergleich zum oberen Italien moderat.

Das Essen ist bodenständig und orientiert sich an der „Cucina Povera“ (arme Küche), wobei mit wenigen einfachen Zutaten sehr leckere Speisen gezaubert werden. Es wird sehr spät Abend gegessen – vor 21:00 tut sich eigentlich nirgends etwas. Richtig landestypisches Essen findet man auch weniger in den Ristoranti (von denen es auch nicht so wirklich viele gibt), sondern in einer Osteria bzw. Trattoria. Der Wein kostet sehr wenig, und die heimischen DOC-Weine wie Primitivo di Manduria, San Severo oder Moscato di Trani sind es wirklich wert, verkostet zu werden.

Aber Apulien ist auch schmutzig und hat offensichtlich ein beträchtliches Müllproblem. Müll liegt vor allem am Straßenrand beinahne überall herum, und das bei genauerer Betrachtung seit Jahren. Das ist sehr schade, denn eigentlich ist die Landschaft, trotz oder gerade wegen ihrer Kargheit, echt schön. Es wäre sehr lobenswert, wenn sich die Politik in den nächsten Jahren dieses Problems annehmen könnte. Denn einhergehend mit dem Müll ist auch zeitweise der Gestank ziemlich unangenehm. Mehrmals ist mir während dem Roadtrip der Satz „Apulien stinkt!“ über die Lippen gekommen, was das Land aber eigentlich nicht verdient hat. Außerdem müsste in vielen Altstädten noch viel Geld in die Hand genommen werden, um bestehende alte Gebäude zu renovieren, die oftmals mehr an Ruinen als an Häuser erinnern.

Im Großen und Ganzen ist Apulien aber eines: typisch ur-italienisch. Mit grandioser Küche und Wein, lauten Menschen, Sonne und Meer, Kunst, Abzocke an Touristenhotspots, billigem Kaffee, und verträumter Lebensfreude 🙂


Psychologische Effekte der Reise 

Dabei konnte ich mich verlieren: Der Müll an den Straßen hat mich wahnsinnig gemacht. Am liebsten wäre ich zur Regierung von Apulien gefahren und hätte sie gefragt, ob sie das schön finden, wie sie mit ihrem Land umgehen!

Da hab ich mich selbst gefunden: Der süditalienische Flair, das gute Essen, das wunderschöne Meer – also mehr Entspannung gibt es nicht. Besonders das Springen von den Felsen hat mir aber mal wieder selbst gezeigt, wie mutig ich sein kann 🙂

Besonders intensiver Eindruck: Definitiv die vielen tausenden Fische im ionischen Meer – das war so unerwartet und so wunderschön!

Lernerfahrung für mich: Ich habe zum wiederholten Male erkannt, wie gut mir Italien tut, und dass auch ich nicht unendlich hitzebeständig bin!

Drei wesentliche Gefühle dieser Reise: Faszination, Ärger, Erstaunen


Nützliche Links*



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12 thoughts on “Apulien – Roadtrip durch den Stiefelabsatz Italiens”

  • Sehr schöne Gegend. Wir waren vor zwei Jahren dort. Allerdings im April. Da waren die Temperaturen sehr moderat. Ein Freund von uns wohnt in Lecce. Schau gerne mal auf unserem Blog vorbei.
    Liebe Grüße ❤️
    Anja

  • Wirklich eine tolle Gegend und wirklich schade, dass es anscheinend doch sehr dreckig ist.
    Das zügelt die Reiselust vielleicht dann doch gleich wieder etwas.
    Aber eure Bilder sind echt toll und machen eigentlich Lust auf mehr. 🙂
    Liebe Grüße, Tanja

    • Ja, das ist wirklich sehr schade, vor allem, weil die Landschaft an sich so wunderschön ist. Aber da müssen die Süditalienier noch etwas mehr Umweltbewusstsein entwickeln! Danke für´s Kompliment 🙂 Es gab ja zum Glück ganz ganz viele wunderschöne Ecken und Plätze!

    • Danke dir für das Kompliment 🙂 Ja, das stimmt absolut – man darf die Schönheiten in der Nähe ruhig sehen und schätzen! Ich wünsche dir, dass du es mal schaffst – du wirst begeistert sein! LG

  • hihi, das ist schon witzig, wenn ich die Namen lese und denk „Ah, Casamassima, da ist mein Steuerberater“ oder „Ah, Castel del Monte, da war ich auch erst“…. 😀 Lustig, wie sich die eigene „Heimat“ aus Sicht einer anderen so liest! 😀
    Das Müllproblem ist übrigens nur mittelbar eines der Regierung. Die Politiker sind es ja nicht, die ihre Müllsäcke dahin transportieren und in der Landschaft deponieren. Das können die Apulier selbst schon ganz gut. 🙁 Und der Müll ist auch nicht der einzige traurige Anblick an den Straßenseiten. Ich denke, Du weiß was ich mein…… Aber ich hoffe doch, dass auch bei dir die positiven Eindrücke überwogen haben. 🙂 LG aus Apulien! 😉 Julia

    • Hey Julia! Ja, das denk ich mir, du hast ja noch mal einen viel intensiveren Bezug zu Apulien 🙂 .

      Ich weiß, dass es ja prinzipiell die Einheimischen sind, die ihren Müll abladen. Ich denke, die Regierung hätte aber sehr wohl einige Mittel in Hand, um dies einzudämmen. Der beste Weg wäre wohl, in die Aufklärung und den Umweltunterricht zu investieren. Aber auch um Strafen bei unerlaubten Abladen, eine gute Infrastruktur zur Müllentsorgung etc. könnte sie sich kümmern. Bei uns werden halt viele Gemeinden selbst aktiv und machen einmal jährlich eine Flurreinigung – mithilfe der Schulen, Vereine, usw. Schade, dass da offensichtlich wenig bis nichts passiert. Und ja, ich weiß natürlich was du meinst. Haben wir erschreckenderweise auch viel davon gesehen, vor allem zwischen Matera und dem Castel del Monte.

      Aber klar, ich würde sofort wieder nach Apulien reisen! Es ist ein wunderbarer Flecken Erde 🙂 Lg Barbara

  • Mit dem Auto – diese Strecke – Respekt! Wir sind so gar keine Fans von langen Autofahrten. Und aus Berlin hätten wir ja noch ein Tag mehr gebraucht als ihr.
    Apulien reizt uns sehr. Wir hatten es in diesem Jahr schon angedacht, mal sehen, wohin es uns noch so verschlägt.
    Die Mischung aus Kultur und Strand gefällt mir und deine Bilder lassen mich ins Träumen kommen.
    Danke, Susanne

    • Ja, die Länge ist wirklich grenzwertig. Also es ist schon so, dass wir bei so einer Länge drei Mal überlegen, ob wir nicht doch fliegen. Aber hat im Endeffekt dann gut gepasst. Aber klar, von Berlin ist es nochmal so lang – da würde ich jedenfalls fliegen und dann ein Mietauto nehmen!

      Stimmt, diesbezüglich ist Apulien echt abwechlungsreich. Reiner Kultururlaub im Hochsommer ist mir zu anstrengend, und reiner Strandurlaub zu langweilig. Wobei – die Strände da unten sind ja so vielfältig, da kann man sich schon mal zwei Wochen durch“hoppen“ 😉

      Ich hoffe euch verschlägt es doch bald mal runter – es ist ja in Echt noch viel schöner als auf den Fotos 😀

      Lg Barbara

  • Hallo Barbara,
    diese Reise zu machen – davon träume ich schon lange! Derzeit halten mich nur noch familiäre Verpflichtungen davon ab, aber wenn ich deinen Beitrag so lese, dann weiß ich, dass ich diesen Plan zwar hinausschieben, aber (noch) nicht abhaken sollte.
    Das mit dem Müll ich echt bitter; ich kann mich noch gut erinnern als ich Besuch aus Rom hatte und er sich total über unsere Sauberkeit entlang der Straßen gewundert hat. Dass es weiter unten schlimmer wird, weiß ich leider auch von italienischen Freunden. Gut finde ich, dass du das Thema angesprochen hast und nicht einfach ignoriert.
    Liebe Grüße aus Salzburg
    Elena

    • Hallo Elena!
      Halte daran fest – es kommt die Zeit, die Träume zu verwirklichen. Oft sogar schneller, als man denkt!
      Ja, ich denke, wir sind einfach anders aufgewachsen – für uns gehört Mülltrennung und korrekte Entsorgung einfach dazu, vom Kindergarten an. Deshalb hoffe ich, dass sich Initiativen darum bemühen, das den Kindern auf der ganzen Welt beizubringen. Danke – Ich bin sehr schlecht im Ignorieren, das ist wohl eine Berufskrankheit 😉

      LG Barbara

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