Das schönste Souvenir auf Reisen ist Glück

Das schönste Souvenir auf Reisen ist Glück

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge“ – Wilhelm Busch

Ich sitze gerade im Zug, die sich verändernde Landschaft zieht an mir vorbei. Ich schaue aus dem Fenster, bewundere die immer höher werdenden Berge, begutachte die anders aussehenden Häuser und lasse meinen Blick auf die Wolken schweifen. Ich weiß, dass ich in wenigen Stunden bei einer lieben Freundin bin, und einmal mehr neue Winkel von Tirol kennen lernen werde. Ohne Zweifel – ich bin gerade glücklich. Tief zufrieden und innerlich selig. Wobei eigentlich gar nichts Großartiges passiert. Ich fahre an keinen exotischen Ort, es ist eine Landschaft, wie ich sie schon -zig Mal gesehen habe, dazu vermisse ich Harry, der leider nicht mitfahren konnte, und ein wenig Rückenschmerzen habe ich auch.

Glück – ein innerer Prozess

Was macht es also aus, dass ich dennoch so glücklich bin? Zunächst einmal ist die Frage, wie man Glück definiert, sicher Bestandteil des Glücks. Sind die kleinen Geschenke des Lebens Glück, oder die Erfüllung des großen Traums, oder ein Lottosechser? Ist es Glück, wenn einem schöne Dinge in den Schoß fliegen, oder kann man Glück auch selbst machen? Wenn ja, gibt es ein Rezept und wo kann man das downloaden?

Hier fängt es ja schon an: Es gibt Menschen, die referenzieren sehr viel nach Außen, fühlen sich abhängig von ihrem „Schicksal“ oder unterliegen einem „System“, haben also recht wenig Selbstwirksamkeit. Diese Menschen warten tatsächlich auf zugeflogenes Glück – und selbst wenn es dann da ist, überwiegen negative Gefühle wie Zweifel oder Ängste. Vor allem die antizipierte Angst, dass das Glück irgendwann weg ist, lindert jegliche Freude. Und ist es nicht tatsächlich so, dass das Glück ein Vogerl ist, wie man bei uns in Österreich sagt? Es kommt, und fliegt wieder weg. Man kann es nicht mit Gewalt festhalten, denn dann zerdrückt man es, und eingesperrt hilft es einem auch nichts. Also ist klar: glückliche Momente kommen und gehen, es ist ein auf und ab, und das ist auch gut so. Denn woher würden wir denn wissen, dass wir glücklich sind, wenn es ein Dauerzustand wäre? Wir brauchen ja einen Vergleichszustand, und der ist halt Solala bzw. auch traurig. Unser Hormonsystem wäre ja komplett überfordert, wenn es ständig mit der Ausschüttung von Neurotransmittern, die dafür sorgen, dass wir uns richtig gut fühlen, beschäftig wäre.

Einfach alles vorbeiziehen lassen

Und das ist tatsächlich bei allen Menschen gleich: Glück ist variabel, es bleibt nicht ewig. Und ich traue mich aufgrund meiner Arbeit und der Erfahrung mit Menschen wirklich zu sagen, es gibt niemanden dem Glück in den Schoß fällt. Gut, manche werden reich und/oder mit besonders liebevollen Eltern geboren, aber irgendwas passiert und frustriert dann im Laufe des Lebens doch, und zwar beinahe jeden Tag. Es geht uns allen also ziemlich gleich. Was macht glückliche Menschen also glücklich? Objektiv definierte, quantifizierte Dinge sind es nicht. Es ist die innere Einstellung, die Fähigkeit, kleine Dinge zu schätzen, den Moment zu genießen und das Wissen darüber, das man für sein eigenes Glück schon auch was tun kann (und muss!). Das gilt für das alltägliche Leben genauso wie für´s Reisen. Natürlich gibt es auch so etwas wie „glückliche Zufälle“, die einem einfach so passieren und man nachher froh ist, dass es so kam. Aber auch die muss man annehmen können („Da hab ich wirklich Glück gehabt“ vs. „Da wäre mir fast etwas Schlimmes passiert“), um sich glücklich zu fühlen. Tolle Ereignisse alleine reichen nicht.

Glücksmomente

Wenn ihr euch nun zu den „Glücklichen“ zählt, kann ich euch gratulieren – ihr wisst vermutlich wovon ich spreche, wenn ich von einem durchfluteten Glücksgefühl spreche, wenn man einen Gipfel erreicht hat, von ganz oben über eine Stadt blickt oder das Rauschen des Meeres hört. Ich lade euch ein, mir in den Kommentaren zu verraten, was euch auf Reisen immer besonders glücklich macht! Wobei geht euer Herz auf? Oder ganz konkret: an welchen besondersn glücklichen Moment auf euren Reisen könnt ihr euch erinnern?

Ich habe einmal gesammelt, was mir dazu gefällt:

  • der erste Anblick von Paris in der Nacht – ich war so gerührt, dass ich weinen musste, so schön war das

  • wenn ich von einem Berg auf einen See oder das Meer blicken kann

  • wenn ich nach einer langen Wander- oder Klettersteigtour den Gipfel oder das Ziel erreiche

  • intensive Gespräche mit Fremden bzw. Einheimischen, die einem Einblick in ihr Leben geben

  • die Anreise zu einem Ort und das Wissen um wunderbare Tage, die vor einem liegen – also die Vorfreude

  • mit einem Boot oder Schiff unterwegs sein

  • der Moment, wenn das Flugzeug abhebt

  • wenn man sich nicht zu viel über einen Ort informiert hat und dann plötzlich positiv überrascht ist, weil die nicht allzu hohen Erwartungen übertroffen wurden

  • richtig leckeres Essen, das man daheim so nie hat, und guter Wein

Es sind also durchaus Dinge dabei, bei denen Anstrengung und Vorbereitung vorausgeht, bzw. nicht alltägliche Situationen. Daraus habe ich gelernt, dass es immer eines „Ausbrechens“ aus den alltäglichen Routinen bedarf, und dem Glück gerne auch mal Beschwerliches vorangehen darf – umso schöner ist es nachher! Außerdem, und damit bin ich tatsächlich von Beginn meines Lebens an gesegnet, habe ich eine sehr hohe Genussfähigkeit und kann Eindrücke sehr intensiv auf mich wirken lassen, was mir so viele glückliche Momente beschert. Gerade auf Reisen nämlich gibt es so viele Genussmomente – also Sinnenswahrnehmungen, die echtes Glückspotenzial haben. Und da bin ich dann ganz im Einklang mit mir selbst.

Für manche bloß ein schöner Anblick, für mich ein absoluter Glücksmoment

Eigentlich wollte ich ursprünglich einen Artikel darüber schreiben, was alles glücklich machen kann auf Reisen – aber ich denke, es macht wenig Sinn, weil das für jeden etwas anderes sein kann. Glück ist hochindividuell und mich interessiert jetzt eher, was eure Glücksmomente auf Reisen sind oder waren.

Glücksuche

Für alle, die seit dem Beginn dieses Artikels einige Gründe gefunden haben, warum sie nicht glücklich sind oder sein können, meine Ausführungen als romantische Realitätsverweigerung abtun oder Glück nur in einer richtig großen Sache, die einem passiert sehen: ich bin mir sicher, dass auch ihr genug Glücksgefühle in euch habt – aber entweder werden sie nicht wahrgenommen, oder mittels sehr effizienter negativer Gedanken gleich wieder vernichtet. Ich kann euch natürlich an dieser Stelle zu Selbsterfahrung oder einer Therapie raten, aber auch hierfür findet ihr vielleicht wieder einige Gründe dagegen. Wäre ja auch großer Schritt. Wobei – handelt es sich bei eurer „Unglücklosigkeit“ um wirklich depressive Anteile, ist eine Therapie jedenfalls empfehlenswert! Zusätzlich bzw. für alle anderen Dahintümpler und bisher erfolglosen Glücksucher ein Vorschlag meinerseits: Ihr könntet aufraffen, einfach irgendwohin fahren wo ihr noch nie wart und schon immer mal hin wolltet, und dort nehmt einfach nur einmal wahr. Was tut sich um euch herum, was seht, riecht, schmeckt, hört ihr? Welche Gedanken, auch (Selbst)zweifel kommen auf? Bleibt sitzen, oder stehen, oder liegen. Denkt nicht viel nach. Nehmt war. War ein Moment dabei, der euch Lächeln ließ? Ein kurzer Funken von Freude, Witz oder Erkenntnis? Ein kurzer Anflug von positivem Gefühl? Das ist Glück.

Ja genau – viel mehr ist es bei mir meist auch nicht. Ein schöner Moment, den ich aufnehme, und genieße. Irgendwann ist er wieder weg, aber ein wenig positive Grundstimmung bleibt. Also Aufbruch, Anstrengung und Genuss. Das sind die Glücksmomente, die ich als liebstes Souvenir von meinen Reisen mit nach Hause nehme. Und sie zaubern mir dann später auch oft noch ein Lächeln auf die Lippen. Ganz wichtig: Erzählt zuhause nur von neutralen oder positiven Momenten. Alles Schlechte bleibt dort, wo ihr es erlebt habt. Ihr wisst es zwar, aber die Stimmung in euch und mit den anderen wird positiver. Versprochen! Das Beste ist, man muss das Glück ja gar nicht suchen, es ist sowieso da. Und lässt sich hin und wieder blicken. Probiert es einmal aus. Fangt klein an. Das Glück ist eh ein sehr kleines Vogerl 😉

Hier beim Sitzen und Wahrnehmen hatte ich einen meiner Glücksmomente

Und nun, erzählt mir von euren Glücksmomenten 🙂 Ich bin gespannt!

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Verbreitung erlaubt :-)


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