Todesnachrichten und Trauer auf Reisen

Todesnachrichten und Trauer auf Reisen
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Todesnachrichten und Trauer auf Reisen

Der Tod ist ein unliebsames Thema, auf Reisen erst recht. Eigentlich fahren wir ja fort, um was Tolles zu erleben, uns begeistern zu lassen, Freude zu empfinden, oder? Bedrückende Gedanken oder gar schreckliche Nachrichten lassen wir dabei gerne zuhause oder nicht an uns heran. Was ist aber, wenn man auf unterwegs mit dem Tod eines lieben Menschen (oder Haustieres – das ist ja oft nicht viel anders) konfrontiert ist oder kurz vorher war? Was, wenn Trauer auf Reisen plötzlich Thema ist?

Da ich mich durch meine Arbeit im Kriseninterventionsteam viel mit Tod und Trauer auseinandersetze, über fachliches Wissen darüber verfüge und auch selbst schon betroffen war, liegt mir der Artikel sehr am Herzen. Ich finde es wichtig, sich über das „Was ist, wenn …“ Gedanken zu machen, denn Todesfälle im näheren Umfeld kann es leider jederzeit geben, auch, wenn wir gerade unterwegs sind oder es vorhaben. Und Betroffene brauchen gerade in so schweren Zeiten manchmal einfach einen kleinen Leitfaden, an dem sie sich orientieren können. Den möchte ich hiermit bieten.

Zwei Kerzen brennen

Über Eventualitäten sprechen

Manchmal ist es absehbar, dass ein Todesfall im eigenen Umfeld eintreten könnte. Ist ein Mensch schwer krank und zu vermuten, dass er in nächster Zeit sterben könnte, macht es Sinn, sich gemeinsam mit der Familie oder Freunden darüber Gedanken zu machen, was im Ernstfall zu tun ist. Das setzt natürlich voraus, dass man sich bereits mit dem Tod auseinandersetzt, auch wenn er noch gar nicht eingetreten ist. Für viele klingt das erstmal abschreckend, doch es ist so, dass das Reden über das „Unaussprechbare“ mehr erleichtert als bedrückt. Auch wenn es schmerzhaft ist, so findet es doch den Weg in unser Bewusstsein und nimmt ein Stückchen der Trauerverarbeitung vorweg. Durch das Ignorieren wird weder der Tod abgehalten, noch die Trauer danach erleichtert.

Daher ist es empfehlenswert, sich mit den daheim bleibenden Familienmitgliedern Gedanken darüber zu machen, wie man im Todesfall vorgehen soll. Klärt ab, ob ihr auf Reisen Bescheid kriegen wollt oder erst danach, und wenn, wie man euch erreichen kann. Es kann auch wichtig sein, über die Erwartungen nach der Todesnachricht zu reden: Seid ihr bereit, die Reise abzubrechen oder nicht? Die eigenen Grenzen gut abzustecken kann Streitereien im Nachhinein verhindern. Falls ihr nicht Bescheid haben wollt, ist es auch wichtig, sich über die Handhabe von Social Media klar zu werden. Nichts ist schlimmer, als „zufällig“ eine Todesnachricht eines Angehörigen auf diversen Plattformen zu lesen. Ihr müsst für euch entscheiden, wie ihr das handhaben wollt: einfach Social Media meiden, Angehörige für die Zeit der Abwesenheit blockieren, oder bitten, jegliche Worte darüber zu unterlassen (was aber nie garantiert werden kann – eine Nachbarin braucht der Cousine nur ein „Mein Beileid“ auf die Pinnwand schreiben, und man weiß was los ist). Oder wollt ihr so bald als möglich informiert werden? Dann sprecht darüber, wie das am besten passieren kann. Seid euch dabei im Klaren, dass ihr dann mit der Trauer auf Reisen konfrontiert seid, was durchaus herausfordernd sein kann. Es liegt ganz allein an euch, dies abzuwägen und zu entscheiden.

Wir wissen aber alle, dass sich der Tod nicht immer ankündigt, und es sein kann, dass jemand aus dem näheren Umfeld plötzlich verstirbt. Auch für diesen Fall kann man einmal in passendem Setting mit nahe stehenden Personen darüber reden, ob und wie man auf Reisen verständigt werden will. Da wären wir aber schon beim nächsten Thema.

Trauer auf Reisen überschattet manchmal alles

Überbringung von Todesnachrichten

Jemandem zu sagen, dass eine liebe Person verstorben ist, ist kein einfaches Unterfangen. Vor allem, weil es neben den richtigen Worten auch gut wäre, die jeweilige Situation im Hinterkopf zu behalten. Personen, welche gerade unterwegs sind, eine Todesnachricht zu überbringen, ist ziemlich riskant. Man weiß nicht, was die-/derjenige gerade macht, ob sie/er vielleicht Auto fährt, über die Straße geht, an einer Klippe steht, alleine oder alkoholisiert ist. Man muss den Teufel natürlich nicht an die Wand malen, aber besonders bei der Überbringung von unerwarteten Todesnachrichten können die Reaktionen sehr heftig ausfallen und Kurzschlusshandlungen sind nicht auszuschließen. Glaubt mir, ich habe schon so viele Menschen im ersten Schock nach einer solchen Nachricht erlebt, dass ich niemandem anrate, einfach mal schnell jemandem am Telefon zu sagen, dass z.B. der Vater einen tödlichen Unfall hatte.

Da besonders bei plötzlichen Todesfällen die Belastungen nach Erhalt der Nachricht sehr groß sein können, ist es gut, wenn die Sender ein paar wichtige Dinge beachten. Diese Anregungen können natürlich auch für erwartete Nachrichten gelten, aber ich denke, da kann man durch Gespräche vorher schon einiges abklären. Faktoren wie psychische Belastbarkeit und Naheverhältnis zur verstorbenen Person spielen hierbei natürlich eine wesentliche Rolle.

Die beste und sicherste Variante ist, eine dritte Person die Nachricht persönlich überbringen zu lassen. In der Krisenintervention begleiten wir die Polizei oft bei solchen Momenten, und daher weiß ich, wie heftig die Reaktionen der Hinterbliebenen sein können. Ein schneller, unbedachter Anruf in der falschen Situation kann extrem belastend und auch gefährlich sein (etwa, wenn die Person gerade mit dem Auto fährt oder sich zu Fuß im Straßenverkehr bewegt). Es ist daher ratsam, eine unerwartete Todesnachricht von geschultem Personal (KIT-Teams gibt es in sehr vielen Ländern), der Polizei, oder anderen Hilfspersonen wie Ärzten oder geeignetes Personal (z.B. ein Hotelmanager) überbringen zu lassen, sofern die Möglichkeit dazu besteht. Dann kann der Sender auch sicher sein, dass jemand da ist, der auffangen kann. Dazu kann auch das jeweilige Außenministerium eingeschalten werden, die das Hilfsnetz der Region meist gut kennt. Große Unternehmen haben oft auch eigens ausgebildete Personen für solche Situationen (Costa Kreuzfahrten beschäftigt etwa PsychologInnen dafür).

Ist das nicht möglich, so kann man die reisende Person auch per Nachricht bitten, sich zu melden, sobald sie im Zimmer ist. Dann hat man die Sicherheit, dass sie gerade nicht irgendwo unterwegs ist. Bereits ein Hotelzimmer, Zelt, etc. kann genügend Struktur geben, um die Nachricht zu verarbeiten. Unsere absolute Horrorvorstellung in der Krisenintervention ist, dass jemand gerade im Auto sitzt, wenn er/sie die Todesnachricht erhält. Das ist eine ausgesprochen riskante Situation und kann alleine schon dadurch vermieden werden, dass man per Nachricht einmal anfragt: „Wo bist du denn gerade“ oder „Was machst du denn im Moment?“. Telefonieren sollte man wirklich erst dann, wenn die Person an einem sicheren Ort weiß. Denn ihr kennt das sicher, dass man oft schon an wenigen Worten erkennt, das etwas nicht stimmt, oder? Fragt man dann einmal nach, platzt die Nachricht meist reflexartig heraus, was absolut verständlich ist. Daher ist die Abklärung per Nachricht vor einem Telefonat sehr sinnvoll!

Ein Tipp für jene, die eine Todesnachricht überbringen müssen und nicht wissen wie: im gesamten deutschsprachigen Bereich gibt es Kriseninterventions- bzw. Notfallseelsorgeteams, die in solch schweren Situationen zur Seite stehen. Einsatzleitstellen wissen meist über die Kontakte zu den jeweiligen Institutionen Bescheid und vermitteln weiter. Der Service ist meist rund um die Uhr, an allen Tagen der Woche verfügbar!

Allee von hohen Bäumen

Trauer auf Reisen

Auf sich selbst achten

Mit dem Tod einer nahe stehenden Person konfrontiert zu sein, ist ein großer Schmerz und ein emotionaler Ausnahmezustand. Es ist normal, dass man dabei alle möglichen Gefühle verspürt. Anhaltendes Weinen, Zorn und Wut oder Angst vor dem Alleine sein sind vollkommen normale Reaktionen. Aber auch sich wie in Watte gepackt zu fühlen, nicht weinen zu können und außer einer großen Leere nichts zu spüren sind übliche emotionale Zustände. Verschiedene Phasen wechseln sich dabei oft ab, auch mal heftiger, mal weniger intensiv. Auch viele Tage nach einer Todesnachricht können solche Reaktionen noch auftreten, die Intensität ist dann aber oftmals etwas abgeschwächt. Dennoch ist es durchaus normal, in der Trauerphase ansonsten ungewohnte emotionale Zustände zu durchleben.

Wichtig hierbei ist nicht nur, die eigenen Gefühle zu akzeptieren (es darf sein!), sondern auch gut auf sich selbst zu achten. Welche Handlungsimpulse gibt es? Wonach steht einem gerade der Sinn? Was braucht man im Moment? Seine Bedürfnisse wahrzunehmen und möglichst zu befriedigen hilft, die Kontrolle und Handlungsfähigkeit nach der oft gefühlten Ohnmacht der Traurigkeit wiederzuerlangen. Das kann von einfachen Wünschen wie einem Kaffee oder warmen Bad bis hin zu Tagesprojekten wie einem Ausflug oder einem Tag im Bett gehen. Meist helfen uns jene Aktivitäten, die uns sonst auch gut tun, dabei, die eigene Stabilität wieder zu erlangen.

Auf Reisen ist man dabei natürlich oft mit der Schwierigkeit konfrontiert, dass gewohnte Dinge nicht immer verfügbar sind und das Bedürfnisse aus verschiedenen Gründen gerade nicht befriedigt werden können. Dennoch gibt es immer Impulse, denen man nachgeben kann. Braucht man gerade viel Ruhe, sucht man sich am besten ein friedliches Plätzchen in seiner Nähe. Ein Park, ein Berg, ein einsamer Strand – irgend ein ruhiger Ort ist bestimmt in der Nähe. Auf meiner Suche nach einem einsamen Ort in einer Stadt habe ich Kirchen abseits der Touristenmassen zu schätzen gelernt. Nicht weil ich gläubig bin, aber weil es darin oft wirklich erstaunlich ruhig und friedlich ist. Und man kann sitzen. Zuhause würde ich jedoch niemals in eine Kirche gehen, um Ruhe zu suchen, sondern einfach zu Hause bleiben.

Auch ein Drang nach Bewegung kann auf Reisen gut ausgelebt werden. Ein Spaziergang im Park, eine Wanderung auf einen Berg, eine Laufrunde am Strand, Schwimmen im Pool – ich denke, man findet in jeder Situation einen Weg, aktiv werden zu können. Egal welches Bedürfnis es betrifft: wenn wir auf uns hören, finden wir eine Lösung, die uns gut tut. Dabei darf man durchaus auch kreativ sein und vor allem auch um Hilfe bitten, wenn es notwendig ist. Ob man sein geplantes Programm also weiter verfolgt oder etwas gänzlich anderes macht, hängt einzig und allein daran, ob es sich im Moment „richtig“ anfühlt.

Dass man mich nicht falsch versteht: es geht nicht darum, sich von der Trauer abzulenken. Ganz im Gegenteil, bewusstes Trauern ist gut und wichtig. Seine Handlungsfähigkeit zu erhalten und auf sich selbst zu schauen, stärkt den eigenen Trauerprozess und aktiviert jene Ressourcen, die helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Auf seine Bedürfnisse zu achten bedeutet auch nicht, dass man danach glücklich sein muss – aber man darf. Es ist ok, in der Trauer auch schöne Erlebnisse zu haben, es ist aber auch ok, traurig spazieren zu gehen.

Der Fluss des Lebens

Rituale

Ein wesentlicher Punkt in der Trauerarbeit ist das Festhalten an Ritualen. Rituale haben sich oft über lange Zeit bewährt und sind gewohnte Handlungen, die Sicherheit und Struktur geben. Gerade in aufgewühlten Zuständen – etwa nach einer Todesnachricht – sind Rituale wie ein roter Faden, an dem man sich entlang hanteln kann. Wir kennen in der Begleitung von Trauernden viele Rituale, und lernen immer wieder neue kennen, da diese genauso individuell sein können wie wir Menschen.

Während einige bekannte Rituale nur zuhause beim Verstorbenen durchgeführt werden können (z.B. bei den Bestattungsvorbereitungen helfen), so gibt es dennoch die Möglichkeit, Trauerrituale auf Reisen zu vollziehen, wie etwa

  • Kerze anzünden in einer Kirche oder in der Unterkunft (aber bitte auspusten wenn man das Zimmer verlässt – Brandgefahr!)

  • etwas Schreiben oder Zeichnen, dass bei Beerdigung mitgegeben oder später am Grab noch platziert werden kann

  • Beten

  • etwas Schwarzes tragen

  • übers Telefon an Entscheidungen zur Beerdigung teilhaben

  • Fotos der verstorbenen Person anschauen (entweder man hat welche gespeichert oder man lässt sich von Zuhause einige digital zuschicken)

  • sich mit jemanden über den Verstorbenen unterhalten, Anekdoten aus dem Leben desjenigen erzählen

Es kann durchaus sein, dass man sich aufgrund der Umstände ein eigenes Verabschiedungsritual ausdenken muss. Es ist aber gar nicht so wichtig, welche Handlung konkret vollzogen wird, sondern es geht mehr um das Ritual der Verabschiedung an sich. Vor allem, wenn man nicht zur Beerdigung zuhause sein kann oder möchte, ist es möglich, sich eine eigene Art der Verabschiedung zu überlegen. Mögliche Verabschiedungsrituale für unterwegs können sein:

  • einen Luftballon mit einem Brief steigen lassen

  • ein Schiffchen basteln (evtl. mit Worten oder Bildern drauf) und einen Fluss hinunterfließen lassen

  • Verabschiedungsworte auf einen Zettel schreiben und diesen verbrennen

  • an einer Messe am Urlaubsort teilnehmen

  • mit der verstorbenen Person eine letzte imaginative Konversation führen und sie verabschieden

Rituale können auch noch lange nach der akuten Trauer Sicherheit geben, auch auf Reisen. So zünde ich in fast jedem Ort in einer Kirche zwei Kerzen an: eine für meine verstorbenen menschlichen Angehörigen, und eine für meine toten Tiere. Das tue ich aber nicht aus religiösen Gründen, sondern einfach als Symbol dafür, dass ich sie in meiner Erinnerung überall hin mitnehme.

Friedhof als Ort der Ruhe

Kontakt suchen

Im Fall von Trauer tröstet nichts mehr als ein vorhandenes soziales Netz. Ich habe schon sehr tragische Todesfälle begleitet, die aber gut gemeistert werden, wenn sich das soziale Umfeld unterstützt. In vielen Fällen ist das die erweiterte Familie, es kann aber genauso gut der Freundeskreis sein.

Nun hat man auf Reisen meist nicht sein gesamtes engeres soziales Umfeld mit. Im besten Fall verreist man mit der eigenen Familie, dem Partner oder engen Freunden. Dann hat man jedenfalls schon mal Personen mit, die einen stützen und nach vorne blicken lassen. Dennoch kann das Bedürfnis danach, auch mit anderen nahe stehenden Personen zu reden, groß sein. Zum Glück ist die Erreichbarkeit heute beinahe weltweit gegeben, sodass man die Daheimgebliebenen kontaktieren kann.

Ist man alleine unterwegs, ist es umso ratsamer, sich mit nahe stehenden Personen zuhause zu vernetzen. Aber auch das Zurückgreifen auf liebgewonnene Kontakte vor Ort kann helfen und das Gefühl stärken, nicht alleine zu sein. Auch wenn man seine Mitreisenden oder Unterkunftsgeber nur wenige Tage kennt, können sie „da sein“. Bei Trauer auf Reisen in andere Länder (evtl. mit anderen Religionen) bestehen auch häufig kulturelle Unterschiede, auf die ich hier hinweisen möchte. Es kann nämlich durchaus befremdlich für beide Seiten sein, wenn unterschiedliche Arten zu trauern aufeinander treffen.

Schlussendlich geht es darum, sich auszusprechen. Denn das Reden über den Verstorbenen, über die eigenen Gefühle und Gedanken kann erleichternd wirken und fördert die Trauerverarbeitung. Wem man sich gerne anvertrauen würde liegt dabei absolut im eigenen Ermessen. Falls man weder mit der Reisebegleitung, Kontakten vor Ort oder der Familie zu Hause sprechen möchte, gibt es an vielen Orten die Möglichkeit, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Es ist aber auch völlig in Ordnung, wenn man einmal nicht reden möchte und Stille um sich braucht.

Wohin führt der Weg?

Trauernd auf Reisen gehen

Es kann natürlich auch passieren, dass eine Reise ansteht, obwohl erst vor kurzem jemand verstorben ist, der einem sehr am Herzen lag. In diesem Fall ist es legitim, die Reise abzusagen, weil man gerne zu Hause trauern möchte. Viele Reiseversicherungen sind genau für solche Fälle gerüstet und stehen für die Kosten ein, wenn ein enges Familienmitglied kurz vor der Reise gestorben ist.

Vielen Personen tut der Ortswechsel nach so einer Krise aber auch gut und sie entscheiden sich für den Antritt des Urlaubs fernab von daheim. Ich bin so ein Mensch. Daher weiß ich auch, wie sich die Situation gestalten kann, wenn man in noch frischer Trauer auf Reisen ist. Auch nach den ersten heftigen Trauerreaktionen kann es in den folgenden Wochen immer wieder Gefühlsausbrüche geben. Plötzliches Weinen und das starke Bedürfnis nach Ritualen sind dabei keine Seltenheit.

Wenn das Reisen die eigenen Ressourcen stärkt und man an Plätze fährt, von denen man weiß, dass man sich dort wohlfühlt, kann das dem Trauerprozess sehr zuträglich sein. Habe ich zum Beispiel die Möglichkeit, stundenlang am Meer zu sitzen und hinaus zu schauen auf den Horizont, so tut mir das in meiner Traurigkeit unglaublich gut, weil ich wunderbar nachdenken kann und meine wirren Gedankenfetzen sich leichter ordnen können.

Nach dem Tod eines lieben Menschen oder Tieres ist es also absolut in Ordnung, sich auf Reisen zu begeben. Findet man dort die Umstände, die einem helfen, damit gut fertig zu werden, so ist es keine Flucht vor der Trauer, sondern – ganz im Gegenteil – eine große Hilfe genau dafür.

Erinnerung Stein in Koblenz

Zum Abschluss

Mein Plädoyer für alle lautet deshalb: Trauert so, wie es euch gut tut und lasst andere Menschen so trauern, wie es ihnen gut tut. Mit dieser Einstellung schaffen wir Raum dafür, dass jeder seine eigenen gesunden Strategien finden und der Schmerz über den Tod bewältigt werden kann. Das gilt sowohl für Zuhause als auch für die Trauer auf Reisen.

Auch meine oben genannten Tipps sind nur Beispiele, hegen keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder ein „Das solltest du machen“. Es sind Möglichkeiten. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir von euren Erlebnissen erzählt, in einem Kommentar, aber gern auch in einer persönlichen E-Mail. Habt ihr schon mal eine Todesnachricht auf Reisen erhalten? Was hat euch unterwegs geholfen, mit dem Tod umzugehen? Gab es ein besonderes Ritual? Bereitet ihr euch irgendwie vor? Ich nehme neue Anregungen gerne in diese Sammlung hier auf, um Menschen, die sich gerade in so einer schweren Situation befinden, einen Anker bieten zu können.


Ein besonders berührendes Beispiel eines Rituals nach einer Todesnachricht auf Reisen kommt von Lena von Family4Travel. In ihrem Beitrag erzählt sie, wie sie als Familie mit der Trauer um eine liebe Person umgegangen sind, als sie gerade unterwegs waren.

Und auch einen meiner Lieblingsblogs möchte ich euch ans Herz legen: Jasmin von „Sterben üben“ schreibt über den Tod, die Trauer und wie wir einen gesunden Umgang mit den Themen finden können. Hier gibt es auch Anregungen dazu, wie man mit Kindern über den Tod sprechen kann und wie Sterbende das herannahende Ende bewerten.


Blick auf das Meer

Nachwort: Meine Hintergrundgeschichte

Der Impuls, den Artikel zu schreiben, entstand aus eigener Betroffenheit. Den Ausschlag gab der Tod meiner lieben Uroma, die verstarb, als wir gerade in Köln unterwegs waren. Wir waren vorbereitet, ich hatte Abschied genommen, meine letzten Worte zu ihr mit Bedacht gewählt. Dennoch ist man nie vorbereitet genug und es war eine große Herausforderung für mich, die verbleibenden zwei Tage nach Erhalt der Nachricht in NRW irgendwie herum zu bringen. Ich war bereits vor unserer Hochzeitsreise damit konfrontiert, dass es sein könnte, dass Oma bald stirbt, und mit meiner Familie über die Nachrichtenüberbringung gesprochen.

Die Nachricht über Uromas Tod kam während der Reise, die ich mit Zweifel angetreten war. Nicht genug,  dass wir uns ihrem baldigen Tod bewusst waren. Kurz vor Ende unserer Hochzeitsreise – und eben kurz vor dem Bonn-Trip – waren meine beiden Meerschweinchen verstorben. Diese Nachricht kam plötzlich und unerwartet, allerdings erst, als wir schon auf der Heimreise waren. Meine Familie entschied sich zu warten, damit wir die letzten Tage in der Karibik noch unbeschwert genießen konnten. Die Reise nach Bonn war also doppelt belastet: zum einen noch in Trauer über den Tod meiner kleinen Racker, zum anderen mit dem Sterben und dem Tod meiner Uroma konfrontiert.

Das Akzeptieren meiner Zweifel und meiner bescheidenen Gefühlslage, das Achten auf meine Impulse und der Kontakt zu Harry und telefonisch zu meiner Familie haben mir geholfen, diese Tage gut zu meistern. War mir an einem Tag nach Verkriechen im Hotelzimmer, so musste ich am nächsten unbedingt raus und den Kopf frei kriegen. Auch habe ich Briefe geschrieben, Frustgegessen, bin spaziert und habe mir auch neue Eindrücke geholt. Die Knallerei zu Silvester war zuviel für mein dünnes Nervenkostüm, das hat mich gestresst, also haben wir den Jahreswechseln am Zimmer verbracht. Ich habe mich einfach selbst an das gehalten, was ich anderen rate, und gewusst: es darf jetzt alles, aber es muss nichts sein.


Verbreitung erlaubt :-)


16 thoughts on “Todesnachrichten und Trauer auf Reisen”

  • Was für ein schöner und hilfreicher Artikel!

    Vor einigen Jahren, als ich noch als Lehrerin für Werte und Normen an einer Berufsschule gearbeitet habe, musste ich meinem Kurs als erste Unterrichtende am Montagmorgen mal die Nachricht überbringen, dass sich ein Mitschüler umgebracht hatte. Man sollte meinen, dass ich mit meinem Fach die geeignete Person dafür war, und gut möglich, dass ich tatsächlich die beste Wahl war – aber es war trotzdem heftig und herausfordernd (obwohl die engsten Freunde schon Bescheid wussten). Damals habe ich im Internet nach Leitfäden für einen solchen Fall gesucht und nichts gefunden. Wie schön, dass du für den Fall einer zu überbringenden Todesnachricht auf Reisen jetzt einen geschrieben hast! 🙂

    Und natürlich danke fürs Verlinken! Ich bin auch Jahre später immer noch sehr glücklich mit dem Weg, den wir damals gewählt haben.

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Hallo Lena!
      Vielen Dank! Es ist natürlich immer schwer, für solche Fälle „Leitlinien“ herauszugeben, da alle Fälle so unterschiedlich sind. Aber eben – wie du sagt – Menschen in Krisen sind sehr dankbar für ein Geländer, an dem sie sich anhalten können. Erst gestern wieder hatte ich einen Einsatz, der gezeigt hat, wie gut Orientierung und konkrete Information sein kann.
      Wow, das war damals sicher eine anstrengende Aufgabe für dich! Das sind schon ganz besonders heftige Momente im Berufsleben. Aber ich vermute, nachdem du mit deiner Familie da so einen guten Weg gefunden hast, wie du es in dem Artikel beschreibst, hast du auch die Situation mit deinen Schülern sehr einfühlsam gemeistert!

      LG Barbara

  • Ein sehr bewegender aber unendlich wichtiger Beitrag, den du hier verfasst hast!
    Ich selbst war noch nie in so einer Situation, weiß aber durch meinen der sehr früh seinen Vater verloren hat wie schwierig so eine Situation auch oft Jahre später sein kann.
    Ich denke viele die es schon erlebt haben oder sich damit beschäftigen werden durch deinen Beitrag eine gute Hilfestellung haben. Danke also dafür!

    LG Eileen
    http://www.eileens-good-vibes.de

    • Danke dir Eileen!
      Ja, der frühe Verlust von Bezugspersonen hinterlässt oft eine große Lücke. Zum Glück gibt es für Kinder und Jugendliche schon viele Unterstützungsangebote, um sie durch diese schwere Zeit zu begleiten.
      Lg Barbara

  • Eine sehr interessanter Beitrag und wirklich schön und hilfreich geschrieben. Ich finde es sehr mutig, dass du dich so mit dem Thema auseinandersetzt.
    Viele Grüße Anja

    • Danke dir Anja!
      Manchmal sind Themen wie für einen geschaffen. Bei Tod und Trauma ist das bei mir so. Es ist mir ein Anliegen, Menschen dabei zur Seite stehen zu können.
      Lg Barbara

  • Ich finde es ganz wunderbar, dass du dich so mit diesem Thema auseinandersetzt und offen darüber schreibst. Danke für deinen ehrlichen und mutigen Bericht <3 Ich glaube, ich wäre nicht in der Lage so eine schreckliche Nachricht zu überbringen. Natürlich musste auch ich schon die Erfahrung machen, dass ein geliebter Mensch verstarb… ich bin da wirklich viel zu emotional.

    Liebste Grüße,
    Sarah

    http://www.vintage-diary.com

    • Hallo Sarah!
      Danke dir! Da bist du nicht alleine. Viele Menschen tun sich sehr schwer damit, jemandem zu sagen, das ein lieber Angehöriger verstorben ist. Dafür gibts dann ja zum Glück auch Begleitung und Hilfe.
      LG Barbara

  • Ein „spannendes“ Thema, mit dem ich mich persönlich noch nicht befasst habe, daher fand ich deinen Beitrag sehr interessant und finde es toll und wichtig, dass du dies thematisierst.
    Es muss schrecklich sein, im Urlaub mit dem Tod konfrontiert zu werden, aber auch das kann passieren…

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

  • Sehr lobenswert, dass Du Dich auch an solche krassen und sehr wichtigen Themen heranwagst 🙂
    Eine Todesnachricht übermittelt zu bekommen, ist immer zerreißend. Und das sage ich nicht so, denn ich musste mehrere Male schon damit klar kommen.
    Das ganze dann auf Reisen zu erfahren stelle ich mir nochmal schwerer vor als es eh schon ist. 🙁
    Toll, dass Du hier Anregungen zur Bewältigung gibst.

    XX,
    http://www.ChristinaKey.com

    • Hallo Christina! Das ist mein Job 😉 Ich frag mich heute noch, warum ich mich ehrenamtlich in meiner Freizeit mit Tod und Sterben beschäftige, aber vermutlich liegt es einfach daran, dass ich nie Berührungsängste mit dem Thema hatte.
      Gern, ich hoffe, die Anregungen sind irgendwann mal für jemanden hilfreich!
      LG Barbara

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