Agrigent und das Tal der Tempel – auf Zeitreise in Sizilien

Agrigent und das Tal der Tempel – auf Zeitreise in Sizilien
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Agrigent und das Tal der Tempel

Sizilien ist für viele Dinge berühmt. Natürlich für den Vulkan Ätna, für die Zitronen und Pistazien, die hier gedeihen, und für die bewegte Geschichte, die bis heute gut sichtbar ihre Spuren hinterlassen hat. Solche Spuren findet man zum Beispiel hier in Agrigent, das mit seinem „Tal der Tempel“ eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf Sizilien aufweist. Aber auch Agrigents Zentrum ist einen Besuch wert.

Ich besuchte Agrigent im Rahmen meiner großen Italientour auf Goethes Spuren auf meiner Etappe durch Sizilien und blieb zwei Nächte hier. Als Unterkunft wählte ich das nette B&B Marimargo* im Zentrum der Stadt, von wo aus ich sowohl die Altstadt als auch das Tal der Tempel erkundete.

Olivenbaum im Tal der Tempel in Agrigent

Agrigent und seine Geschichte

Schon sehr früh, etwa um 580 v. Chr., wurde auf einem Hochplateau an der südwestlichen Küste Siziliens in vier Kilometer Entfernung zum Meer eine griechische Siedlung mit dem Namen Akragas gegründet.

Sie war lange Zeit eine der bedeutendsten griechischen Städte und wuchs zu stattlicher Größe heran. Bis 210 v. Chr. wechselten sich Griechen, Katharger und Römer mit der Herrschaft über die Stadt ab, bis sie schlussendlich für lange Zeit in römische Hände fiel. Erst in byzantinischer Zeit und anschließend unter Herrschaft der Araber verlor die Stadt an Bedeutung und die Bewohnerinnen und Bewohner verließen nach und nach den antiken Stadtkern.

Concordiatempel im Tal der Tempel
Der beeindruckende Concordiatempel

 

So verfielen die alten Stadtanlagen inklusive den Tempeln und das heutige Agrigent entstand oberhalb von diesen. Unter den Normannen wurden dort auf dem Girgenti-Hügel die ersten Kirchen errichtet, und durch die Spanier und Bourbonen kam der barocke Stil in die Stadt. Dieser manifestierte sich hier aber nicht so stark wie in der Gegend um Catania.

Erst im 18. Jahrhundert – also als auch Goethe hier war – erwachte das Interesse für die alten antiken Bauten. Bis dahin wurden sie als Steinbruch benutzt oder einfach nicht beachtet, einzig der Concordiatempel entkam diesem Schicksal. Durch die immer zahlreicher werdenden Bildungsreisenden widmete man sich der antiken Stadt mit archäologischem Interesse. Im 20. Jahrhundert wurde im großen Stil ausgegraben und ein Museum errichtet. Seither bekommt die alte Stadt unglaublich viel Zuwendung, während die neue beinahe vergessen wird.

Das Tal der Tempel – Valle dei Templi

Egal ob man die archäologische Ausgrabungsstätte in Agrigent mit ihrem deutschen oder italienischen Namen anspricht: ein Tal ist es nicht wirklich. Einzig die Tatsache, dass sie unterhalb der heutigen Stadt liegt, verschafft ihr diesen Namen. Blickt man vom Zentrum Agrigents hinab, so befindet es sich etwa auf halber Strecke zum Meer hin auf einem flach abfallenden Hang.

Das Tal der Tempel ist seit 1997 Weltkulturerbe der UNESCO, auf das man mit furchtbar schlecht übersetzten Tafeln hinweist. Es hat mich wirklich überrascht, dass man keinen deutschen Muttersprachler mehr drüber lesen ließ, bevor man die Tafel anfertigte. Aber gut: ich bezahlte die 10€ Eintritt und begab mich auf Zeitreise zu den alten Griechen.

Tafel UNESCO im Tal der Tempel in Agrigent
Schwer zu lesen – sowohl optisch, als auch inhaltlich und orthografisch (Deutsch ist ganz unten)

Besonders auffallend ist in dem archäologischen Park natürlich die Dichte an dorischen Tempeln. Obwohl nicht alle damaligen Tempel erhalten sind, so wandert doch an imposanten Ruinen vorbei. So kann man den Dioskurentempel, den Heraklestempel, den Heratempel und den Concordiatempel bestaunen. Die Namensgebung dieser erfolgte im Nachhinein willkürlich – man kann nur erahnen, welchen Gottheiten sie wirklich gewidmet waren. Besonders imposant ist jedenfalls der Concordiatempel, denn er ist einer der besterhaltensten griechischen Tempel der Welt. Das ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass seine Säulen nie abgetragen wurden. Im frühen Mittelalter hat man ihn kurzerhand zu einer Kirche umfunktioniert und bis ins 17. Jahrhundert als solche genutzt.

Tal der Tempel in Agrigent
Beim Heratempel kann man die damalige Pracht nur erahnen
Der Concordiatempel - eine wunderschönes Bauwerk
Der Concordiatempel – eine wunderschönes Bauwerk

Ein ganz interessantes Fotomotiv findet man neben dem Concordiatempel. Hier hat nämlich der polnische Künstler Igor Mitoraj eine Bronzestatue des gefallenen Ikarus in Szene gesetzt. Auf den ersten Blick hat mich diese Statue etwas verstört, aber von vorne betrachtet fügt sie sich eigentlich ziemlich eindrucksvoll in dieses historische Bild. Was das Kunstwerk aber genau bedeuten soll, konnte ich nicht eruieren – aber jedenfalls befindet sich die griechische Mythologiefigur in angemessener Umgebung.

Der gefallene Ikarus vor dem Concordiatempel in Agrigent
Der gefallene Ikarus vor dem Concordiatempel

Im Tal der Tempel gibt es aber auch noch andere Dinge zu betrachten. So zum Beispiel die alte Stadtmauer, die heute stellenweise wie ein Fenster zum Meer wirkt. Oder eine Nekropole, in der die Menschen damals bestattet wurden. Im Februar lädt Agrigent hierher, um die Mandelblüte zu feiern, denn viele Mandelbäume zieren diese Anlage. Die Gärten von Kolymbéthra, ein Heiligtum der chtonischen Gottheiten und das archäologische Museum befinden sich ebenfalls auf dem Gelände.

Stadtmauer im Tal der Tempel in Agrigent
Die Stadtmauer bietet heute schöne Aussichten

Wer sich also für die alten Griechen und Archäologie interessiert, ist hier genau richtig! Das Tal der Tempel ist übrigens bequem mit dem Bus vom Busbahnhof in Agrigent bzw. von San Leone aus erreichbar. Für Autofahrer gibt es einen Parkplatz.

Gras, Blumen und Bäume im Tal der Tempel
Das Tal der Tempel ist im Frühling schön grün

Das Stadtzentrum von Agrigent

Definitiv viel weniger beachtet als das Tal der Tempel ist das Stadtzentrum von Agrigent. Es fristet ein ähnliches Dasein wie Pisa: busweise stürmen Reisegruppen und Individualreisende zu der Sehenswürdigkeit am Rande der Stadt und lassen das Zentrum links liegen. Mir machte das aber gar nichts, denn so konnte ich mich wunderbar frei bewegen und die verwinkelten Gässchen ohne Stress erkunden. Eine Information gleich vorweg: dadurch, dass Agrigent auf einem Bergrücken liegt, ist es ziemlich steil und unwegig. Die meisten Gassen in der Altstadt sind nicht befahrbar und mit Stufen durchzogen.

Gassen in Agrigent
Einige Lokale haben die Gässchen sehr hübsch hergerichtet

Das Herz der Stadt ist mit Sicherheit die Via Atenea, die Hauptstraße, welche Agrigent von Ost nach West durchzieht. Hier und in den angrenzenden Seitengassen findet man viele lokale Geschäfte, Bars und Restaurants. Auch einige Kirchen liegen an dieser Straße, sowie das Theater. Weiters sind es von hier nur wenige Schritte zu den Aussichtsplattformen wie etwa der „Belvedere Domenico Modugno“, von wo aus man einen wunderschönen Blick auf das Tal der Tempel und das Meer hat.

Auf der Straße in der Via Atenea in Agigent
Die Via Atenea ist die Hauptschlagader von Agrigent – und dennoch tagsüber relativ ruhig

Ebenfalls von der Via Atenea abzweigend liegt die Via Neve. Diese Gasse, die über Stiegen bergauf führt, gehört den Künsterinnen und Künstlern, die sich sowohl am Boden als auch den Wänden ausgetobt haben. Hier gibt es über etwa 100 Meter ein hippes Cafe, Ateliers und viel bunte Farbe.

Via Neve in Agrigento mit Streetart
Die Via Neve lädt ein, sich ihre Malereien anzuschauen
Via Neve in Agrigent mit Streetart
Schön, hier durchzuspazieren

Karger geht es schon in den Gassen darüber zu – je weiter man hinaufkommt, desto eher befindet man sich in einer reinen Wohngegend, in der der Putz bröckelt und die Katzen die Herrschaft übernommen haben. Hier entstand auch einer meiner Lieblingsfotos des ersten Halbjahres 2018, nämlich jenes von den gechillten Katzen auf den Stufen 🙂 .

Katzen schlafen auf den Stufen

Katze in Agrigent
Eines der vielen Kätzchen, die durch Agrigent streunen

Ganz oben wird es wieder interessant, denn hier befinden sich zwei sehr sehenswerte Kirchen. Zum einen die Kathedrale San Gerlando, von deren Glockenturm aus man einen sehr weiten Blick über das Land erhält. Es ist der höchste Punkt von Agrigent, und von hier aus sieht selbst der Concordiatempel wie ein Steinchen aus. Und etwas weiter drunter die Kirche Santa Maria dei Greci, die auf den Grundfesten eines dorischen Tempels errichtet wurde. Diese Mischung aus Tempelsäulen und der Bauweise aus dem 13. Jahrhundert ist gut sichtbar und interessante Infos dazu erhält man vom Personal. Der Eintritt in die Kathedrale kostet eine Kleinigkeit (ca. 3€), die Kirche ist kostenlos zu besichtigen.

Die Kirche Santa Maria dei Greci in Agrigent
Die Kirche Santa Maria dei Greci
Die Aussicht vom Kirchturm der Kathedrale San Gerlando
Die Aussicht vom Kirchturm der Kathedrale San Gerlando

Obwohl Agrigents Altstadt nicht unbedingt ein Top-Touristenmagnet ist und die Häuser sehr authentisch und ungeniert vor sich hinbröckeln, zeigt sich die Stadt doch sehr besucherfreundlich. So gibt es eine ausgeschilderte Route durch die Stadt, und an beinahe jeder Ecke weist einem eine Tafel mit wertvollen Informationen den Weg. Man findet auch eine Touristeninformation und der Schalter am Busbahnhof ist tagsüber stets geöffnet. Hier kann man sich die sehr günstigen Stadtbuskarten (etwa für eine Fahrt zum Tal der Tempel oder nach San Leone) kaufen, oder sich über Busse in andere Städte informieren.

Theater Agrigent
In diesem schön bewachsenen Haus befindet sich das Theater

Übrigens: ich liebe Sizilien ja besonders wegen seiner sehr guten und günstigen Küche, die sich vom Festland doch deutlich unterscheidet. Hier in Agrigent, in der Bar Siculò, habe ich die allerbesten Arancini aller Zeiten gegessen. Sie sind riesig, und ich schaffte nicht mal zwei davon, obwohl ich richtig großen Hunger hatte. Hier gibt es auch eine große Auswahl an sizilianischen Craft-Bieren.

Arancini und Bier auf Sizilien
Vegetarische Arancini und heimisches Bier – kann so bleiben 🙂

Ab an den Strand von San Leone

Die Temperaturen in Sizilien sind ja bis auf wenige Wochen recht hoch, und so war es Ende April auch schon ordentlich warm. Ich fuhr also nach meinem Besuch im Tal der Tempel mit dem Bus Nr. 3 hinunter nach San Leone, einem langgezogenen Ort unterhalb von Agrigent direkt am Meer. Der Lungomare erstreckt sich über einige Kilometer. Ich stieg am Hafen aus und spazierte ein wenig an der Promenade entlang, bis ich schließlich ein nettes Plätzchen an einer künstlichen Bucht fand. Durch Wellenbrecher wird das offene Meer hier ein bisschen abgeschirmt, dadurch ist das Wasser etwas wärmer.

Spaziergang am Lungomare in San Leone mit Blick auf das Meer und Segelboot
Spaziergang am Lungomare

Und so kam es, dass ich bereits am 22. April im Mittelmeer baden war 🙂 . In Sizilien ist das nicht unüblich, wie man mir versicherte. Wobei der Kontrast zwischen Kindern, die nicht aus dem Wasser zu kriegen sind, und Omas, die mit Jacke und Kappe am Strand spazieren, doch etwas seltsam ist. Ich fragte so eine Nonna, ob ihr denn nicht warm sei, und sie antwortete mir nur „Piano, Piano!“, was ich so verstand, dass sie einfach noch ein wenig zum Aklimatisieren an die sommerlichen Temperaturen braucht 😉 .

Mein Platz für einige Stunden am Strand von San Leone
Mein Platz für einige Stunden am Strand von San Leone

Jedenfalls bietet der Strand von San Leone eine einfach erreichbare Gelegenheit, um der Hitze der Stadt und den Tempelanlagen zu entfliehen und die Beine im Sand zu vergraben. Strandbars mit Möglichkeiten zum Beachvolleyball spielen oder zum chilligen Cocktailtrinken findet man hier jedenfalls und somit steht einem Strandtag unterhalb von Agrigent nichts im Weg.

Fazit

Archäologie, Altstadt, Kultur, Kulinarik und Strand – all das bietet Agrigent. Die Stadt im Südwesten Siziliens ist für sein Tal der Tempel weltberühmt, welches auch wirklich einen Besuch lohnt. Dennoch sollte man der Stadt selbst oben am Girgentihügel auch einen Besuch abstatten, durch die Via Atenea flanieren, sich ein leckeres Arancino holen und ein sehr authentisches sizilianisches Stadtleben genießen. Für Badenixen gibt es dann den Strand in San Leone, der sich direkt unter Agrigent befindet. Die Stadt ist mit Bus und Bahn wunderbar an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden.

Mir hat es sehr gut hier gefallen, auch wenn ich Agrigent nicht als sehr schöne Stadt bezeichnen würde. Der Zahn der Zeit nagt an ihr, das sieht man. Aber die Herzlichkeit der Menschen hier ist umwerfend und die Ruhe und Gelassenheit in den Gassen ansteckend. Ob es wohl an dem offenen Blick auf das Meer hinunter zu tun hat? Wer weiß….

Agrigent von unten


Psychologische Effekte der Reise

Dabei konnte ich mich verlieren: Ich finde es sehr schade, dass das Stadtzentrum abseits der Via Atenea so „vergessen“ wirkt. Es scheint, als fehle das Geld für Restaurationen. Ich bin kein Fan von Hochglanzortschaften, aber das Bild der Wohngegend war doch etwas traurig.

Da hab ich mich selbst gefunden: Am Meer sitzen, die Füße im Sand eingraben und über die Eindrücke im Tal der Tempel nachdenken – das hatte schon was Besonderes

Besonders intensiver Eindruck: Der himmlische Geschmack der Arancini – wenn ich könnte, würde ich mir diese jeden Tag nach Hause liefern lassen 😉

Lernerfahrung für mich: Es zahlt sich aus, sich auch die Stadt hinter einer sehr bekannten Sehenswürdigkeit anzuschauen!

Drei wesentliche Gefühle dieser Reise: Irritation, Freiheit, Heiterkeit


Nützliche Links

Buchtipps*

Diese beiden Werke habe ich mir selbst gekauft, gelesen und für gut befunden 🙂

Übernachtungstipp*

Ich habe im B&B Miramargo übernachtet. Das ist ein kleines, familiengeführtes B&B im Zentrum von Agrigent, wo es in der Früh echten Kaffee aus der Bialetti gibt 🙂

*Affiliate Link. Dabei verweise ich auf Flüge, Hotels, Dienstleistungen oder Produkte, von denen ich überzeugt bin, die mir selbst hilfreich sind und waren. Warum? Zum einen gebe ich meine positiven Erfahrungen gerne weiter, zum anderen bessert es mein Reisebudget ein wenig auf, wenn ihr über meinen Blog etwas kauft. Es kostet euch nicht mehr, aber ich erhalte eine kleine Provision.


Verbreitung erlaubt :-)


8 thoughts on “Agrigent und das Tal der Tempel – auf Zeitreise in Sizilien”

  • Das ist wieder sooo ein schöner Beitrag, meine Liebe! Danke für den Tipp, Sizilien steht schon lange auf meiner Wunschliste! Agrigent und das Tal der Tempel klingt wirklich sehenswert und dass du dich am Meer sitzend wiedergefunden hast, kann ich total nachvollziehen, das geht mir auch immer so! 🙂

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

  • Was für grandiose Fotos! Der Strand sieht ja wunderschön aus, nicht nur klasse zum Entspannen sondern auch perfekt zum Fotografieren! 🙂
    Der gefallene Ikarus ist ja auch sehr interessant, die Aufnahme gefällt mir von der Bildaufteilung etc. wirklich gut. 🙂

    Die bunten Treppen sehen auch total interessant aus, hach ich seh schon – ich muss alleine zum Fotografieren mal nach Agrigent fahren! Und wegen des köstlichen Essen! :)))

    Liebe Grüße aus Berlin,
    http://www.ChristinaKey.com

    • Hallo Christina!

      Danke für deine lobenden Worte! Ich bemüh mich redlich, die Grundlagen der Fotografie zu beherzigen 😉 . Das Foto mit dem Ikarus mag ich selbst auch voll gern!

      Ja, du könntest dich dort richtig austoben! Allein wegen den leckeren Arancini würd ich glatt mit dir mitkommen 😀

      Lg Barbara

  • Wieder mal ein sehr informativer Beitrag! Diesen Tempel mit der Ikarus-Statue würd ich echt gern in echt sehen, schaut toll aus! Genau wie die Treppe… da schlägt das Fotografenherz höher ♥

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