Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 5: Sizilien

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 5: Sizilien
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Goethes italienische Reise nachgereist: Sizilien

Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: hier ist erst der Schlüssel zu allem – J.W. Goethe

Eines der Highlights meiner Italienreise auf Goethes Spuren war meine Tour quer durch Sizilien. Die größte Mittelmeerinsel hat nicht nur Goethe restlos begeistert, sondern auch mich. War meine Reise bis dahin öfter ein Auf- und Ab von Stimmung und guten wie auch schlechteren Tagen, so kam ich in Sizilien innerlich total zur Ruhe. Was ich in meinen 10 Tagen hier erlebt habe und was die südlichste Region Italiens mit mir gemacht hat, erzähle ich dir in diesem Artikel.

Blütenpracht in Sizilien
Blütenpracht in Sizilien

Auf Goethes Spuren – quer durch Sizilien

Ich hatte mir also zehn Tage Zeit genommen, um Sizilien von Palermo bis Catania zu durchqueren. Dabei führte mich der Weg – ganz wie ihn Goethe gefahren ist – hinunter nach Agrigento, danach wieder in die Mitte der Insel nach Enna, und schließlich in den Osten zum Fuße des Ätnas.

Zwei Dinge haben mich auf dieser Etappe besonders begeistert: die Natur im sehr warmen Frühling, und die Menschen. Ich wage wirklich zu behaupten, dass man auf Sizilien die nettesten und herzlichsten Menschen von ganz Italien findet. Doch der Reihe nach …

Palermo

Von Neapel habe ich mit der Fähre über Nacht nach Palermo übergesetzt. So war ich also bereits um kurz nach 6 Uhr in der Hauptstadt Siziliens unterwegs – zu einer Zeit, in der wirklich alles noch schläft! Gegen 7 Uhr, als die ersten Cafès öffneten, nahm ich einmal meine erste Mahlzeit auf der Insel zu mir und erlebte etwas, was mich die nächsten Tage ständig begleitete: Grandios leckeres Essen zu ganz wenig Geld!

Die wunderschöne Kathedrale von Palermo
Die wunderschöne Kathedrale von Palermo

In der langsam erwachenden Stadt flanierte ich also durch die Straßen, und beinahe alleine bestaunte ich das wohl berühmteste Gebäude von Palermo, die Kathedrale. Diese wunderschöne Kirche ist mit ihrer normannisch-arabischen Bauweise und ihrem hübsch gestalteten Vorplatz ein wahrer Hingucker. Entlang der Via Vittorio Emanuele spazierte ich weiter zum Quattro Canti, dem Fontana Pretoria und anschließend in den Garten „Villa Garibaldi“.

Kirche in Palermo
Die arabisch-normannischen Kirchen sogar UNESCO-Weltkulturerbe
Fontana Pretoria in Palermo
Der Fontana Pretoria

Am Nachmittag besuchte ich die Katakomben mit ihren stehend vor sich hin verrottenden Toten – ein wirklich seltsames, morbid-faszinierendes Schauspiel. Später mischte ich mich wieder unter die Lebenden, kostete mich durch so manche sizilianische Spezialität und genoss meinen Einstand in diesem herrlichen Fleckchen Erde!

Kapuziniergruft in Palermo
Gruselstimmung in der Kapuzinergruft

Monte Pellegrino und Mondello

Am folgenden Tag beschloss ich, auf den Monte Pellegrino – dem „Hausberg“ Palermos – hinauf zu fahren. So ging es mit dem Bus die kurvigen Straßen also bergauf, bis zur kleinen Kirche der Hl. Rosalie. Hier sollen die Gebeine der Schutzheiligen von Palermo gefunden worden sein. Wie auch immer, ich schaute mich kurz in der an einen Felsen gebauten Kirche um, und wanderte anschließend zum Belvedere. Von dort hat man einen feinen Ausblick auf die Küste, den westlichen Teil von Palermo und das Meer.

Wilder Fenchel und weiter Blick am Monte Pellegrino
Wilder Fenchel und weiter Blick am Monte Pellegrino

Doch eigentlich wollte ich Palermo von oben sehen. So fragte ich einen Wanderer nach einem Aussichtspunkt, und er erklärte mir, er gehe nach Mondello, wenn ich möchte könne ich mit ihm gehen. Ich schloss mich also Michele an und sah so nicht nur, wie groß Palermo eigentlich ist, sondern auch das wunderschöne Mondello, das mit einem karibisch schönen Strand glänzt. Ich beherzigte noch den Tipp von Michele und holte mir das beste Cannolo der Gegend, und verbrachte dann einige Stunden am Strand.

Der Traumstrand von Mondello vom Monte Pellegrino aus gesehen
Der Traumstrand von Mondello vom Monte Pellegrino aus gesehen
Reisepsycho am Strand von Sizilien
Ich glaub, man sieht mir meine Begeisterung an

Segesta

Am Vormittag stand der Besuch der historischen Stätte von Segesta auf dem Programm. Mit dem Bus von Palermo ist es direkt zu erreichen, und der Eintritt ist mit 6€ für so viel Archäologie auch ganz okay.

Tempel, Theater und Ruinen von Kirchen und offiziellen Gebäuden können hier an diesem Ort bewundert werden. Strategisch klug auf den Monte Barbarano (wie passend zu meinem Namen 😉 ) gebaut, thronen die alten Relikte der Griechen und Römer nun oben auf dem Hügel. Mit einer sensationellen Aussicht auf das umgebende Land, das zur Zeit meines Besuchs in voller Blüte stand!

Der Tempel von Segesta
Der Tempel von Segesta
Alte Mauern und viele Blumen - das ist Segesta
Alte Mauern und viele Blumen – das ist Segesta

Leider gibt es zwischen den Busunternehmen der Gegend offenbar keine Absprache, und hätte ich den einzigen Bus am Nachmittag nach Calatafimi genommen, hätte ich jenen nach Alcamo nicht mehr erwischt. Also beschloss ich, die 6km eben zu wandern. Zum Glück traf ich auf einen Bauern, der mich ein Stückchen in seinem mit Gras für die Schafe gefüllten, alten Fiat Punto mitnahm. Dann marschierte ich noch den Berg in die Ortschaft hinauf, und da die Taktung der Busse eher spärlich ist, musste ich ganz schön lange in diesem Nest warten.

Alcamo

Nach dieser etwas abenteuerlichen und vor allem komplizierten Anreise landete ich also in Alcamo, wo mich die Gastgeberin Silvia vom B&B nicht nur erwartete, sondern gleich mit Wasser versorgte und mir jenen Satz an den Kopf warf, den ich besonders in Sizilien öfters hörte: „Sei pazza!“ (deutsch: Du bist verrückt!). Es scheint also nicht normal zu sein, mit den Öffis in die hintersten Winkel von Sizilien zu reisen und auch mal einen langen Fußmarsch auf sich zu nehmen, wenn eben nix fährt 😀 .

Ich muss gestehen, dass ich in Alcamo nur eine ganz kleine Runde gedreht hab, um mir etwas zum Futtern zu besorgen, und dann den Abend sehr müde und erschöpft im Zimmer verbracht hab. Über meine etwas doofe Planung hab ich mich nicht weiter geärgert – Goethe hatte es mit seiner Kutsche da einfach echt leichter als ich mit dem Bus – und mich am nächsten Tag an bisher allerbesten Frühstück der ganzen Reise erfreut. Silvia ist tatsächlich eine ausgezeichnete Bäckerin und am liebsten hätte ich gleich den ganzen Kuchen aufgegessen.

Platz in Alcamo
Viel mehr als diesen Platz habe ich von Alcamo nicht gesehen

Sie war dann auch noch so lieb, und hat mich nach Castellamare del Golfo zum Bahnhof hinunter gebracht – denn auch das wäre sonst eine kleine Weltreise gewesen. Dort habe ich am Strand gleich hinter dem Bahnhof auf meinen nächsten Zug in Richtung Castelvetrano gewartet – auch nicht die blödeste Art, Zeit totzuschlagen.

Kristallklares Wasser, Strand und Blumen - das ist Sizilien
Kristallklares Wasser, Strand und Blumen – das ist Sizilien

Castelvetrano

Die Geschichte der Odysee der Zugreise nach Castelvetrano erspare ich dir jetzt – lass dir nur gesagt sein, dass es eine war! Wieder müde, genervt und etwas erschöpft landete ich also in diesem kleinen Ort mitten in der Pampa von Westsizilien. Ich kam mir tatsächlich vor wie im wilden Westen in dieser einsamen, etwas seltsamen Stadt. Bis auf eine kleine Stadtrunde und einem Einkauf im Mini-Supermarkt trieb mich an diesem Tag nichts mehr hinaus, und zum ersten Mal seit Beginn meiner Reise verbrachte ich meinen Abend einfach mit sinnlosem Videogucken – war aber auch mal schön.

Ein Teil des heutigen Theaters war damals ein Gasthof, in dem Goethe schlief
Ein Teil des heutigen Theaters war damals ein Gasthof, in dem Goethe schlief

Am nächsten Tag zeigte sich Castelvetrano aber schon wesentlich freundlicher. So hatte ich einen netten Plausch beim Frühstück mit meinem Gastgeber, der meinte Castelvetrano sei wie Venedig: ein Ort mit vielen alten, verfallenden Palazzi, nur das Wasser muss man sich halt dazudenken. Dafür könne man für den Preis eines Palazzos in Venedig vermutlich ganz Castelvetrano kaufen 😉

Altes Haus in Castelvetrano
Wo bleibt das Wasser?

Er organisierte mir dann auch jemanden, der mich durch die Kirche San Domenico führte. Diese Kirche besitzt wunderschöne Gemälde im Altarbereich und wurde vom damaligen sizilianischen König höchstpersönlich in Auftrag gegeben. Dieses Angebot nahm ich gerne an. Später wagte ich mich noch einmal durch das Zentrum, fand es gar nicht mehr ganz so öde. Ich erfuhr sogar, dass Goethe damals im heutigen Theater untergekommen war – denn hier war früher die einzige Gaststätte der Stadt. Zufrieden über mein versöhnliches Ende mit Castelvetrano stieg ich in den Bus nach Agrigento.

Das Deckengemälde von San Domenico in Castelvetrano
Das Deckengemälde von San Domenico
Zentrum von Castelvetrano
Das Zentrum von Castelvetrano ist eigentlich ganz hübsch

Agrigento

Agrigento ist weit über die Landesgrenzen hinaus für sein UNESCO-Weltkulturerbe „Valle dei Templi“ bekannt, einem Landstrich, in dem sich zahlreiche alte Tempel und Mauern befinden. Doch auch die Stadt selbst fand ich ganz interessant. Ziemlich belebt, und vor allem rund um die Hauptstraße Via Atenea mit netten Cafès, Restaurants, Geschäften und Aussichtspunkten ausgestattet.

Die Via Atenea in Agrigento
Die Via Atenea lädt zum Flanieren ein

Ich schaute mir auch die auf einem ehemaligen Tempel gebaute Kirche „Santa Maria Dei Greci“ an, sowie die Kathedrale „San Gerlando“, von deren Turm aus man einen sensationellen Rundumblick genießen kann. In der besagten Via Atenea flanierte ich viele Male auf und ab, bestaunte die kunstvoll bemalte Via Neve, wunderte mich über die vielen Katzen in Agrigento und verweilte etliche Mal bei den tollen Aussichtsplattformen.

Via Neve in Agrigento
Die bunte Via Neve
Turm von Kathedrale in Agrigento
Der Blick vom Turm der Kathedrale

An meinem zweiten Tag hier in Agrigento widmete ich mich dann der Hauptattraktion, dem Valle dei Templi. Vom Zentrum aus ist es ganz bequem mit dem Bus zu erreichen. Und so ging ich zwischen den Ruinen und alten Bauwerken auf und ab, wie es Goethe einst schon tat, erfreute mich an dem schönen Wetter, den hübschen Blumen und dem Ausblick auf das Meer.

Valle dei Templi Agrigento
Im Valle dei Templi stehen viele alte Tempel
Valle dei Templi Agrigento
Ausblicke vom Valle dei Templi auf die Küste
Ikarus im Valle dei Templi
Der gefallene Ikarus hätte sich aber ruhig etwas anziehen können

Dort zog es mich dann nachher auch hin, und ich fuhr das Stückchen hinunter nach San Leone an den Strand. So kann ich dir sagen: in Sizilien ist es für nicht allzu empfindliche Leute bereits am 22. April möglich, im Meer zu baden 😉 .

Am Strand in San Leone
Am Strand in San Leone

Caltanissetta

In Caltanisetta legte ich nur einen kurzen Zwischenstopp auf meinem Weg nach Enna ein. Da die Sonne so schön vom Himmel scheinte, und ich merkte, wie beruhigend Sizilien auf mich wirkt, sah ich von einer langen Stadtrunde ab und setzte mich statt dessen einfach in eine nette Bar, genoss meinen Aperol Spritz und fühlte mich alles in allem einfach glücklich angekommen im Süden.

Caltanissetta
Die gemütliche Straße in Caltanissetta lud einfach zum Rasten ein

Enna

Da es sowohl in Caltanissetta als auch in Enna einen Bahnhof gibt, dachte ich mir: „Fährst du halt mal wieder mit dem Zug“! Tja, ich hätte wohl doch nicht so südländisch entspannt sein und mich besser informieren sollen. Die Zugfahrt war absolut ok, aber der Schreck als ich ausstieg und sich Enna einige hundert Meter über mir erhob, groß!

Enna in Sizilien
Hoch über allem thront Enna

Da mich die Aussicht auf eine Stunde Fußweg bergauf mit dem schweren Rucksack jetzt nicht sonderlich freute, verließ ich mich ein weiteres Mal auf die Freundlichkeit der Sizilianer und wurde nicht enttäuscht: eine nette Dame brachte mich mit dem Auto rauf, und so konnte ich ganz entspannt mein Zimmer beziehen. Und ich hatte weiterhin Glück: der Hostelchef sagte mir, dass ich morgen auf das Frühstück eingeladen sei!

Nun also flanierte ich zufrieden und glücklich durch Enna und war begeistert: die Lage der Stadt ist faszinierend. Hoch über allem liegt die Stadt auf 970m über dem Meer auf einem Bergrücken, mit direktem Blick auf den Ätna. Somit ist sie die höchste Provinzhauptstadt Italiens. Außerdem befindet sich hier die Mitte Siziliens! Beim Obelisken, der diese Mitte markiert, setzte ich mich auf die Mauer und ließ mir die untergehende Sonne noch fein ins Gesicht scheinen – so gehen perfekte Momente 🙂 .

Ausblick von Enna
Von Enna aus blickt man richtig weit
Der Obelisk in Enna markiert den Mittelpunkt Siziliens
Der Obelisk in Enna markiert den Mittelpunkt Siziliens
Enna Sonnenuntergang
Dolce far niente in Enna

Ich besuchte auch den Dom, und Soldatengräber, die sich in einer anderen kleinen Kirche nebenan befinden. Am nächsten Morgen zog es mich nochmal auf die Rocca hinauf, sowie auch auf den Stadtturm „Torre di Federico II“. Dieser ist frei begehbar und bietet einen Rundumblick auf die Provinz Enna. So genoss ich noch einmal das herrliche Panorama und verabschiedete mich von dieser schönen Stadt im Zentrum der Insel.

Blick über Enna in Sizilien
Blick über Enna
Blick auf Ätna von Enna aus
Ätna zeigt sich von seiner besten Seite

Catania

Bereits komplett sizilianifiziert, führte mich mein Weg weiter nach Catania – selbstverständlich mit dem Bus 😉 . Doch es wäre ja nicht meine Reise, wenn mich nicht wieder das Chaos einholen würde. So las ich während der Busfahrt meine Emails, und erfuhr, dass meine geplante Fahrt mit der Fähre von Catania zurück nach Neapel nicht stattfinden würde. Einfach so, ohne Begründung, kam diese Info 4 Tage vorher.

Die Umbuchung auf die Fähre von Messina nach Salerno ging zwar reibungslos, aber die Tatsache, dass die Überfahrt mitten in der Nacht startete, und ich frühestens kurz nach Mitternacht auf das Schiff könne, stresste mich. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Helferleins Annalisa, Marion und Pezi, die gemeinsam mit mir versuchten, Infos über den nicht wirklich vorhandenen Warteraum dort zu bekommen und Hilfeaufrufe an Locals für mich starteten 😀 .

Die Kathedrale und der Elefant - das Zentrum von Catania
Die Kathedrale und der Elefant – das Zentrum von Catania

Ich ließ mir dadurch aber nicht die Stimmung verderben, und wollte hinaus in die Stadt. Catania ist ja ein wenig wie Neapel, nur vielleicht nicht ganz so hektisch und chaotisch. Mit der sehr authentischen Art, dem Vulkan im dahinter und dem sündhaft guten, günstigen Essen begeisterte mich Catania einfach. Mehrmals flanierte ich einfach durch die Straßen, vorbei am Castello Ursino und meinem Lieblingsplatz dort, der Piazza Federico di Svevia. Auch dem Dom, der Einkaufsstraße Via Etna, dem Garten Villa Bellini und anderen tollen Gebäuden stattete ich einen Besuch ab.

Ausblick auf Ätna von Catania
Ätna ist einfach allgegenwärtig im Osten von Sizilien
Piazza Federico di Svevia in Catania
Die Piazza Federico di Svevia ist ein nettes Plätzchen

Auch einen Nachmittag am Strand habe ich genossen – mit dem rauchenden Ätna im Rücken und dem relativ warmen Meerwasser an meinen Füßen. Obwohl man den Stadtstrand sich nicht als den schönsten der Insel bezeichnen kann, so ist es doch toll, hier einen zu wissen! Besonders begeistert hat mich aber der Fischmarkt. Er ist mit seinen laut schreienden Verkäufern, dem riesigen Fischangebot und dem, was es da sonst noch zu erstehen gibt, einfach eine Attraktion für sich. Ich habe mich auf die Balustrade über dem Markt gestellt und mir eine zeitlang dieses lustige Theater angesehen. Und mich auch anschließen mit Obst vom Markt eingedeckt.

Der Fischmarkt in Catania ist ein Spektakel
Der Fischmarkt in Catania ist ein Spektakel
Strand von Catania
Der Strand von Catania

Aber Catania wäre nur halb so toll gewesen ohne die Menschen. Bei einem Couchsurfing-Event lernte ich einige Einheimische und auch andere Reisende kennen, und wieder einmal (nach einigen dazwischen) durfte ich mir ein lieb gemeintes „Sei pazza!“ anhören 😀 . Es ergab sich auch, dass ich eine Fachkollegin traf, mit der ich am nächsten Abend zu einer DJ-Line ging und mich über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im psychologischen Berufsalltag in Italien und Österreich unterhielt. Und mein B&B – Vermieter erfüllte mir den lang gehegten Wunsch, einmal mit einer Vespa durch den hektischen Stadtverkehr mitdüsen zu können.

Die Gassen von Catania
Die Gassen von Catania

Taormina

Durch die Nähe zu Catania bot sich natürlich ein Ausflug in das „berühmte“ Taormina an. Ich war zwar schon einmal dort, das war aber im Winter und ich hatte damals das römische Theater nicht besucht. Dies wollte ich jetzt nachholen.

Tja, was soll ich sagen? 10€ nur dafür, dass man durch das Theater spaziert und einen guten Ausblick auf den Ätna hat (den hat man aber woanders auch), fand ich doch etwas überzogen. Dazu die von Touristen überfüllten Straßen, wie Kitsch in den Läden und sehr teures Essen – nein, das war nicht das Sizilien, das ich in den letzen Tagen kennen und lieben gelernt habe. Es ist, wie ein Bewerter auf Tripadivsor schrieb, das „Sylt von Sizillien“.

römisches Theater in Taormina
Die Kulisse ist unglaublich, aber teuer- der Ätna vom römischen Theater in Taormina aus gesehen
Touristen in Taormina
Taormina ist vor allem eines: voll mit Touristen und Kitsch

Also nahm ich meine Füße in die Hand, spazierte die kurvige Straße hinunter zum Strand, holte mir dort das gewohnt günstige Mittagessen und setzte mich an das wirklich schöne Meer! Die Gegend unter Taormina ist definitiv mehr mein Stil!

Meer in Taormina
Das Meer unterhalb von Taormina ist dafür umso leerer und schöner
Meer Taormina
So mag ich Taormina

Messina

Nun, wie habe ich also das Problem mit dem Abend in Messina gelöst? Die Vorstellung, im Finsteren alleine beim Hafen von Messina herumlungern zu müssen, war wirklich nicht schön und so stellte ich einfach eine Couchsurfing-Anfrage dahingehend, ob mir jemand am Abend Gesellschaft leisten möchte. Tatsächlich fand sich jemand. Fabio holte mich also vom Bahnhof ab und zeigte mir Torre Faro, den östlichsten Punkt von Sizilien. Anschließend holten wir uns die beste Granita der Gegend und hauten bei einer sizilianischen Antipasti-Platte so richtig rein.

Blick nach Kalabrien von Sizilien aus
Es wäre ja nicht weit nach Kalabrien
Sizilianische Antipasti
Sizilianische Antipasti

So erfuhr ich auch Interessantes über die Situation der jungen Leute auf Sizilien bzw. generell in Süditalien, erhielt Infos über mafiöse Strukturen und den lahmen italienischen Staatsapparat. Ich habe selten so gut politisch diskutiert wie an diesem Abend, und bin im Nachhinein dankbar dafür, dass sich meine Pläne zwangsläufig geändert haben. Ich wurde dann noch zum Hafen chauffiert, und war sehr froh, dass ich nicht dort hatte warten müssen – sehr finster, sehr weit weg von allem, sehr viele komisch dreinschauende Personen und tatsächlich keine Bar oder ein ordentlicher Warteraum. Ich hatte wirklich Glück gehabt!

Fazit

Nun, Goethe berichtete schon von sehr „einfachen, aber herzlichen, warmen Menschen“, die auf Sizilen leben. Mir hat sich dieses Bild genauso bestätigt. Ich denke mit so viel Dankbarkeit und Freude an die Insel zurück, und frage mich, ob das, was danach kommt, jemals wieder so begeistern kann.

Lasse ich meine Gedanken zurück schweifen, so ist es auch das herrliche Blütenschauspiel und das wirklich wunderschöne Meer, dass mir in den Sinn kommt. Dadurch, dass in Sizilien nur etwa zwei Monate im Jahr der Winter herrscht, ist es bereits im Frühling Sommer und macht einfach alles so viel angenehmer. Die Sonne scheint hier die meiste Zeit, und das schlägt sich bei mir eben auch positiv auf die Stimmung. Dazu die Zitronen, die wohl beste Schokolade der Welt, himmlische Dolci, leckere Arancini – in Sizilien muss man doch selig sein, oder?

Cannoli in Sizilien
Cannoli – ich könnte mich eingraben darin!

Ebenfalls haben mich die bunten Farben glücklich gemacht – das satte Grün, das helle Gelb und dazwischen viele andere bunte Blümchen, gepaart mir dem sensationellen Türkisblau des Meeres. Und alles in allem (ok, von Taormina sehe ich mal ab) erlebt man in Sizilen ein sehr authentisches Italien, dass eben nicht nur Italien ist, sondern auch ein wenig Afrika, Spanien und Griechenland. Sowohl in der Küche als auch in der Architektur zeigt sich die Insel als Sammelsurium an Kulturen und hat so eben ihren ganz eigenen Charme.

Sizilien, du hast dich in mein Herz katapultiert und ich komme wieder!


Psychologische Effekte der Reise

Dabei konnte ich mich verlieren: Ich finde es generell einfach sehr schade, wie die SüditalienerInnen mit ihrem Land umgehen. Der Müll, der an sehr vielen Stellen – auch in der Natur – herumliegt, muss einfach nicht sein, trübt das Bild dieses wunderschönen Landes und macht mich wütend und traurig zugleich, weil ich alleine so wenig dagegen tun kann.

Da hab ich mich selbst gefunden: Es ist schwer, hier eine einzige Sache aufzuzählen. Aber generell ist es einfach das sonnige Lebensgefühl und das entschleunigte Tempo, welches in Sizilien herrscht, das mich innerlich extrem beruhigt hat. Und die Natur tut ihr übriges dazu.

Besonders intensiver Eindruck: Die ständige freundliche Hilfsbereitschaft, die mir zuteil wurde, war einfach herzerwärmend. Mir ist in Italien schon viel Freundlichkeit zuteil geworden, aber noch nie so intensiv wie hier!

Lernerfahrung für mich: Bist du mit deinen Nerven einmal wieder am Ende – setz dich in den Flieger und reise nach Sizilien 😀 !

Drei wesentliche Gefühle dieser Reise: Spontanität, Freundlichkeit, Entspannung


Hier findest du weitere Berichte meiner „Auch ich in Italien“ – Tour auf Goethes Spuren

Reisevorbereitung für ein Abenteuer: in 8 Wochen quer durch Italien

Wie ein Buch zur Reiseinspiration wurde – über Goethes Italienische Reise

Goethes Italienische Reise nachgereist- Etappe 1: Von Sterzing bis Verona

Valle di Santa Lucia in Torbole – historisch wandern am Gardasee

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 2: Von Verona bis Venedig

Goethes italienische Reise nachgereist –Etappe 3: Von Venedig nach Rom

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 4: Von Rom nach Neapel


Verbreitung erlaubt :-)


6 thoughts on “Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 5: Sizilien”

  • Wow, das sind wirklich wunderschöne Fotos und Eindrücke! In Sizilien scheint die Zeit noch etwas stehen geblieben zu sein – klingt als perfektes Reiseziel, wenn man sich nach Entschleunigung sehnt. Beim Lesen des Berichtes kommt diese Idylle sehr gut rüber und man merkt auch deine innere Ruhe.
    Vielen Dank für diesen Lesegenuss!
    Ich möchte nun unbedingt auch mal nach Sizilien! 🙂
    Liebe Grüße
    Julie

    • Hey Julie! Danke dir für das Kompliment. Ja, in Sizilien ticken die Uhren echt noch ein wenig anders, und das tut so gut. Das freut mich, dass meine Begeisterung für dieses wunderschöne Fleckchen Erde auf andere abfärbt 🙂 . Lg Barbara

    • Hey Roswitha! Korsika war ich noch nie, daher kann ich es nicht vergleichen. Aber stimmt, in Sizilien erlebt man Historie hautnah. Besonders diese Mischung aus den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen finde ich unglaublich interessant! Lg Barbara

  • Hach, Sizilien! Die Insel ist schon herrlich. Jetzt hab ich richtig Sehnsucht… Aber gut zu wissen, dass du Taormina nicht so unvergesslich fandest, das haben wir nämlich ausgelassen, und ich habe mich ein bisschen darüber geärgert. Aber in so kurzer Zeit kann man einfach nicht alles sehen. Wir waren damals dafür in Sciacca im Castello Incantato, das auch ein ganz und gar verwunschener Ort war, den ich nicht missen möchte (meinen Bericht dazu habe ich dir oben verlinkt). Aber um deine Erfahrungen in Castelvetrano und Enna beneide ich dich schon ein bisschen. Vielleicht müssen wir doch noch mal hin…

    • Hey Lena! Oh, da werd ich gleich mal gucken! Nein, also bis auf die Aussicht habt ihr in Taormina echt nichts versäumt. Ist natürlich auch nur meine Meinung, aber wer einfach gern ursprünglich und authentisch unterwegs ist, kann es sich sparen 😉 . Ich möchte ohnehin bald mal wieder hin, denn es gäbe noch so viel zu entdecken. Ericle zum Beispiel, oder die Scala dei Turchi. Auch Trapani oder eben Sciacca 🙂 Sizilien kann man ruhig öfters besuchen! LG Barbara

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