Wie ein Buch zur Reiseinspiration wurde – über Goethes Italienische Reise

Wie ein Buch zur Reiseinspiration wurde – über Goethes Italienische Reise
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Goethes italienische Reise nachgereist: Wie ein Buch zur Reiseinspiration wurde

Zu meiner Welterschaffung habe ich manches erobert, doch nichts ganz Neues und Unerwartetes. Auch habe ich viel geträumt von dem Modell, wovon ich so lange rede, woran ich so gern anschaulich machen möchte, was in meinem Inneren herumzieht, und was ich nicht jedem in der Natur vor Augen stellen kann.

Diesen Satz schrieb Goethe zu Beginn seiner sehnsuchtsvollen Reise quer durch Italien. Dieses Abenteuer, welches er für sein eigenes Wohlbefinden machen musste, hat er uns verschriftlicht als wunderbares Buch hinterlassen.

Am 23. März war ja Welttag des Buches, und diesen möchte ich als Anlass nehmen, um einen Einblick zu geben, warum mich Goethes Buch über seine italienische Reise so sehr fasziniert und wie ich darauf gekommen bin, dieselbe auch machen zu wollen.

Mit diesem Beitrag nehme ich übrigens auch an der Blogparade von Kulturpfleger teil, deren Sinn es ist, den alten Literaturklassikern wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Das finde ich eine ganz tolle Idee, die ich sehr gerne unterstütze!

Über Goethes Italienische Reise

Inhalt des Buches

Die Hintergrundinformationen zu dem Buch sind schnell erklärt: Goethe fühlte sich in seiner Arbeit als Beamter uninspiriert und brach am 03.09.1786 von Karlsbad in Richtung Italien auf, um diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern. Von dieser Reise wusste bis auf einen Vertrauten niemand, und so zog er 22 Monate durch das schöne Land im Süden. Er selbst beschriebt dieses Vorhaben als „Wiedergeburt“ für ihn selbst.

Dabei führte ihn sein Weg über Südtirol, den Gardasee, Venedig und die Poebene über Bologna, Florenz, Perugia nach Rom, und danach weiter nach Neapel und schließlich quer durch Sizilien, von wo aus er wieder nordwärts reiste und dabei auch Siena, Modena und Mailand sah.

Buch Goethe Italienische Reise als Reiseinspiration
Es ist schon ein ordentlicher Wälzer!

Was steht denn drin?

Das Buch selbst ist eigentlich nur eine Sammlung seiner Tagebücher, Briefe und nachträglichen Zusammenfassungen und daher in unterschiedlicher, aber sehr persönlicher Art und Weise geschrieben. So verfasste er bis zum ersten Rom-Aufenthalt fast ausschließlich Tagebucheinträge, und danach eigentlich nur mehr Briefe an Freunde und Kollegen zu Hause sowie an anderen Orten in Italien. Leider bricht nach seinem zweiten Romaufenthalt die Dokumentation ab. Es ist zwar bekannt, wie er heimwärts gereist ist, aber es gibt keine Berichte von ihm selbst mehr darüber.

Doch auch wenn der Schluss fehlt: das Buch, das aus seinen Schriften entstand, hat es in sich. Hunderte Seiten Italienerfahrungen und -eindrücke sind dabei zusammen gekommen. Dabei versteht es sich sicherlich nicht als Reiseführer, sondern als Sammelwerk aus persönlichen Gedanken, künstlerischen, architektonischen und geologischen Beobachtungen sowie sozialen Erfahrungen über die Reise hinweg. Es ist wunderbar chronologisch aufgebaut, sodass man mit Goethe beim Lesen auch „auf Reise“ gehen und feststellen kann, wie sehr er an sich selbst wuchs und wieder Lust am Schreiben gewann.

Die gute alte Sprache

Natürlich schrieb Goethe auch in solch einem persönlichen Werk in seiner wunderschönen, aber etwas schwer zu folgenden Sprache. Stellenweise recht gut zu lesen, braucht es dagegen an etlichen Passagen viel Aufmerksamkeit, um den Sätzen folgen zu können. Aber ich mag die Art, wie er geschrieben hat, und hab mich nun bereits mehrmals mit ihm quer durch Italien begeben 🙂 .

In seinen Ausführungen zu den alten römischen und griechischen Bauten spürt man die Faszination, die Italien auf ihn hatte. So viele Jahre bekam er von seinem Vater davon erzählt, und nun sah er es mit eigenen Augen! Positive wie auch negative Erfahrungen formulierte er mal ausführlicher, mal kürzer, aber immer mit viel Erklärungswillen dahinter. Er wollte Italien nicht nur bereisen, er wollte es verstehen und in sich aufnehmen. Und ich finde, diese Begeisterung und dieses Interesse spürt man beim Lesen so sehr, dass es ansteckend ist.

Casa di Goethe in Rom
In Rom gibt es in der Wohnung, in der er lange Zeit wohnte, nun ein Museum zu Goethes Italienreise

Goethe als Inspiration

Und eben diese Begeisterung schwappte komplett auf mich über. So, wie sich Goethe durch Italien wieder zum Schreiben inspirieren ließ, so inspirierte mich das Buch zum Nachreisen. Als großer Italien- und Goethefan bekam ich das Buch das erste Mal vor Jahren in die Hand, und dachte mir dabei schon ständig: „Diese Route möchte ich auch einmal genau so reisen!“. Dass so viele interessante Städte und beeindruckende Denkmäler auf dieser Strecke liegen, sowie die Veränderung von Landschaft und Leuten von Nord nach Süd reizten mich einfach irrsinnig, es auch einmal zu erleben.

Ich dachte mir ständig, wie es wohl sei, das ganze mit meinen Augen und in der heutigen Zeit zu sehen. Wie spannend musste es anmuten, Goethes Eindrücke mit meinen zu vergleichen und zu schauen, was sich im Gegensatz zu früher verändert hat. Jedenfalls war nach dieser Lektüre ein großer Wunsch geboren!

Allerdings war mir klar, dass ich dazu viel Zeit und ein wenig Geld benötigen würde, und es in voneinander getrennten Reisen zu machen, kam für mich nicht in Frage. Da ich nicht wusste, ob ich jemals in meinem Arbeitsleben dazu käme, diesen Traum zu leben, verschob ich diesen Wunsch auf später. „In der Pension dann einmal“, das war die unzufriedenstellende Antwort auf den Drang, in Italien auf Goethes Spuren zu wandeln.

Rucksack gepackt für Goethes italienische Reise
Das Buch hat mich so sehr fasziniert, dass ich schlussendlich wirklich den Rucksack zum Nachreisen gepackt hab

Die Erfüllung eines Traums

Doch dann spielte das Leben andere Stücke, und ich entschloss mich aus mehreren Gründen, ein Jahr Auszeit vom Job zu nehmen. Und siehe da: so schnell, wie der Antrag auf Bildungskarenz ausgefüllt war, so schnell flackte der Wunsch wieder auf, die „Italienische Reise“ nachzureisen.

Die Reise auf Goethes Spuren

Die Planung

Ja, und dann begann ich zu Planen: Ich las das Buch noch einmal, legte Strecken- und Zeitplan fest, wunderte mich immer wieder über Goethes „Ungeplantheit“ auf seiner Reise, und bekam zwischendurch schon ein schlechtes Gewissen, weil ich gut vorbereitet in dieses Abenteuer starten wollte.

Auch anderweitig ergaben sich schon von vornherein Unterschiede: Zug und Bus statt Postkutsche, Rucksack statt Holzkiste, geeinte demokratische Republik statt vereinzelten Königreichen, acht Wochen statt fast zwei Jahre. Doch es ging mir nicht darum, alles gleich zu machen wie er, sondern zu erfahren, welche großartigen Entdeckungen mich auf dieser Strecke erwarten und wie ich mich persönlich weiter entwickeln kann.

Torbole Erinnerung an Goethe
Natürlich trifft man auf dieser Strecke immer wieder auf Erinnerungen an Goethe, wie hier in Torbole

Erfahrungen

Unterwegs gab es dann genau diese Situationen, die ich mir erhofft hatte: ich sah manche Dinge gleich, manche anders als Goethe. Manchmal war es mir möglich, auf genau denselben Pfaden wie er zu reisen, manchmal gar nicht. Einige Stätten gibt es heute noch genauso wie damals, und andere nicht mehr bzw. eben erst jetzt. Meine Beobachtungen decken sich oftmals, aber ich mache auch ganz eigene und unterschiedliche. Eine Reise ist eben immer persönlich, und kann gar niemals die gleiche sein. Speziell nicht, wenn 231 Jahre dazwischen liegen.

Tempel in Segeste, den auch Goethe besuchte
Manche Dinge haben sich seit seiner Reise damals kaum verändert

Die Reiseberichte und die Schreiberei

Was Goethe getan hat, tu ich auch: ich schreibe. Zum einen ein Reisetagebuch, zum anderen täglich auf Facebook und Instagram, und wöchentlich einen Blogartikel. Anstatt zu malen wie Goethe, habe ich viele Fotos im Gepäck (naja, eigentlich auf der Festplatte 😉 ), und so besitze auch ich ein Sammelwerk an Geschriebenem und Bildmaterial für später.

Dass das Schreiben gut und notwendig ist, verstehe ich jetzt noch besser als zuvor. Denn auf dieser Reise gewinnt man so viele Eindrücke, dass man sie nur sehr schwer alle auf einmal verarbeiten kann. Sind sie jedoch einmal niedergeschrieben, haben sie einen Platz, und können später wieder gut abgerufen werden.

Goethe hatte aus seinen Berichten eben viele Jahre später das Buch zu seiner Italienischen Reise unter dem Titel „Auch ich in Arkadien“ herausgegeben, und auch mein Projekt, welches sich unter „Auch ich in Italien“ daran anlehnt, soll später einmal Buchform bekommen.

Schild von Goethe in Bardolino
Auch Bardolino ist stolz darauf, dass der große Dichter auf Besuch war

Der Sinn und das Ziel

So schließt sich der Kreis – vom Schreiben zum Reisen zum Schreiben zum Reisen zum Schreiben (aufgezeichnet in einer Grafik würde das jetzt wohl mehr Sinn ergeben 😉 ). Ich bin Goethe einfach unglaublich dankbar für diesen Schatz, den er uns hinterlassen hat. Es diente mir als Anstoß, mich auf mein bisher größtes Abenteuer zu begeben und darüber zu schreiben. Wie eben er auch.

Dass später jemals in irgendeinem der besuchten Orte eine Steintafel hängen wird, wo draufsteht „Barbara Horvatits-Ebner war hier“, bezweifle ich stark. Ich werde wohl auch kein eigenes Museum dieser Reise bekommen, so wie Goethe´s Buch es in Rom bekommen hat (in der „Casa di Goethe“ am Corso). Aber ich kann vielleicht dazu beitragen, dass Italien abseits von Massentourismus und schnellem Sightseeing wieder so wahrgenommen wird, wie es auch Goethe erfahren hat: als ein unglaublich vielseitiges, historisch bedeutsames, kulturell faszinierendes und landschaftlich atemberaubendes Land mit irrsinnig interessanten Menschen.

Nun denke ich ruhig zu euch hinüber; denn wenn irgend etwas für mich entscheiden war, so ist es diese Reise – J.W. Goethe“

Schöne Kirchenkuppel in Positano an der Amalfiküste


Die einzelnen Reiseberichte dieses Abenteuers kannst du hier nachlesen:

Reisevorbereitung für ein Abenteuer: in 8 Wochen quer durch Italien

Goethes Italienische Reise nachgereist- Etappe 1: Von Sterzing bis Verona

Valle di Santa Lucia in Torbole – historisch wandern am Gardasee

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 2: Von Verona bis Venedig

Goethes italienische Reise nachgereist –Etappe 3: Von Venedig nach Rom

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 4: Von Rom nach Neapel


Auch meine liebe Bloggerkollegin Ilona von „Wandernd“ liest gerne alte Klassiker, und berichtet in ihrem Artikel über Hermann Hesses Wandersehnsucht und was das mit ihr selbst zu tun hat. Schau auf alle Fälle mal rein!


Falls du dich auch für das Buch interessierst, kannst du es über diesen Link hier kaufen*:

*Affiliate Link. Dabei verweise ich auf Hotels, Dienstleistungen oder Produkte, von denen ich überzeugt bin, die mir selbst hilfreich sind und waren. Warum? Zum einen gebe ich meine positiven Erfahrungen gerne weiter, zum anderen bessert es mein Reisebudget ein wenig auf, wenn ihr über meinen Blog etwas kauft. Es kostet euch nicht mehr, aber ich erhalte eine kleine Provision.


Verbreitung erlaubt :-)


4 thoughts on “Wie ein Buch zur Reiseinspiration wurde – über Goethes Italienische Reise”

  • Hach ja, der gute alte Goethe 🙂 Ich muss ja gestehen, dass ich – so gerne ich Goethe mag – seine Italienische Reise nie fertig gelesen habe, irgendwie hat sie mich gelangweilt … aber dein Projekt find ich trotzdem spannend.
    Und danke für die Verlinkung 🙂

    • Hey Ilona! Ja sehr gerne doch!
      Das kann ich verstehen. Es ist nicht das einfachste Buch von ihm, und seine ausführlichen Beschreibungen zu den Gesteinsarten in Sizilien hab ich auch überlesen 😉 . Aber die gemeinsame Leidenschaft zu dem Land war dann doch irgendwie motivierend 🙂 . Lg Barbara

  • Liebe Barbara,
    wie wunderschön!
    Ich habe Literaturwissenschaft studiert und bin nun Reisebloggerin – ich hätte nie gedacht, dass ich diese beiden Zweige mal so vereint finden würde wie hier bei dir.
    Schon oft habe ich gedacht, dass Goethe in der heutigen Zeit Reiseblogger gewesen wäre – und so angestaubt und uncool er auch heute schein mag – eigentlich ist er mit seinen persönlichen Berichten und Teilen seiner Leidenschaft und Inspiration ein riesiger Vorreiter für uns alle in diesem Feld.
    Wie schön, dass du ihm nachgereist bist und danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich glaube, wir können viel von seinen Berichten lernen. Gerade das Langsam-Reisen würde ich gerne wieder für mich entdecken.

    Liebe Grüße
    Sina von Lichter der Welt

    • Hallo Sina!
      Das freut mich, dass dich mein Projekt begeistert 🙂 . Ja, ich denke auch, dass er bezüglich solcher Reiseberichte ein Vorreiter war und durchaus als Vorbild dienen kann, was Reisestil und die Liebe für’s Detail angeht. Mich fasziniert zum Beispiel immer wieder, mit welch ausführlichen Sätzen er seine Gedanken zu den Orten niedergeschrieben hat.
      Lg Barbara

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