Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 3: Von Venedig nach Rom

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 3: Von Venedig nach Rom
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Goethes italienische Reise nachgereist: von Venedig nach Rom

Auf der dritten Etappe meiner „Auch ich in Italien“ – Tour auf den Spuren von Goethe war ich von Venedig nach Rom unterwegs. Diese Strecke war sowohl zeitlich als auch von der Entfernung her die bisher längste und wesentlich abwechlungsreicher als die erste bzw. zweite Etappe. In diesem Artikel erfährst du, welche Orte ich besucht und was ich dabei alles erlebt habe.

Die dritte Etappe auf den Spuren Goethes von Venedig nach Rom

Der Weg ist ja bekanntlich das Ziel, und alle Straßen führen nach Rom. Diese beiden Sprichwörter beschreiben diese Etappe eigentlich ganz gut. Natürlich kann man sich mit dem Schnellzug von Venedig nach Rom aufmachen, und erreicht die italienische Hauptstadt in nur wenigen Stunden. Ich aber habe mir – den Pfaden von Goethe folgend – dafür 9 Tage Zeit genommen, bis ich Rom schließlich erreichte.

Dabei habe ich unterschiedliche Landschaften und fünf Regionen durchquert. Von der Lagunenstadt im Veneto ging es über die Poebene nach Emilia-Romagna, anschließend über den Apennin in die Toskana, weiter in das sehr hügelige Umbrien, und dann wieder über auf die andere Seite des Apennin nach Lazio.

Blumen vor dem Palazzo Vecchio in Florenz

Diese verschiedenen landschaftlichen Erscheinungsbilder waren auch begleitet mit sich verändernder Architektur, aber auch den unterschiedlichsten Menschen, die ich kennen gelernt habe und die mir meine italienische Reise wirklich versüßt haben. Und so hat diese Etappe von Venedig nach Rom damit begonnen, wie sie aufgehört hat: mit einer Gruppe von Leuten, die ich sehr gerne in Erinnerung und im Herzen behalte.

Aber auch meine Verfassung passte sich an die verschiedenen Höhen und Tiefen der Landschaft an. Ich habe in diesen eineinhalb Wochen einige bedrückende Zustände erlebt. Doch diese Situationen habe ich irgendwie gemeistert, und nach jedem Tief kommt ja auch wieder ein Hoch, welches ich immer dankbar angenommen habe.

Abschied in Venedig

Bevor ich von Venedig aufgebrochen bin, nutzten meine supernetten Hostelzimmer-Mitbewohner und ich noch die Gelegenheit, die lustigen Erlebnisse vom Vortag bei einem gemeinsamen Frühstück in einem netten Café revue passieren zu lassen.

Dann aber war es leider Zeit, sich zu verabschieden. Noch ein Erinnerungsfoto geschossen und viele nette Abschiedsworte ausgetauscht, doch dann musste ich mit auf den Weg zum Bahnhof machen. Auf der Fahrt im Zug nach Ferrara fiel mir plötzlich und erschreckenderweise ein, dass ich mein kleines Schweizer Taschenmesser im Hostel vergessen habe. Viele stressvolle Minuten und ein paar Telefonate später war eine Lösung gefunden: da einer von unserer Gruppe noch im Hostel blieb, nahm er es an sich, um es mir mit der Post nach Hause zu schicken.

Selfie in Venedig
Ein Abschluss-Selfie muss schon sein

Ferrara

Durch den Vorfall mit meinem Messer kam ich dementsprechend gestresst in Ferrara an. Auch die Tatsache, jetzt wieder alleine zu sein und die nette Gruppe aus Venedig zu vermissen, trübte meine Stimmung. Nichts desto trotz machte ich einen Stadtspaziergang durch das schöne Ferrara. Auf Museum oder sonstige besondere Aktivitäten hatte ich zwar keine Lust, aber Ferrara ist tatsächlich so hübsch, dass man mit dem Betrachten schon genug beschäftigt ist.

Das Castello von Ferrara
Das Castello von Ferrara

Allerdings empfiehlt es sich, sich sehr aufmerksam in den Gassen zu bewegen, um nicht von den Radfahrern über den Haufen geführt zu werden. Ferrara gilt als die fahrradfreundlichste Stadt Italiens, und tatsächlich sieht man hier an jeder Ecke welche stehen. Und ganz viele Menschen, die sich auf ihnen fortbewegen. Dass das in den vollen Gässchen nicht ganz reibungslos abläuft ist klar, aber ich hatte das Gefühl, es geht sich immer irgendwie aus 😉 .

Piazza della Cattedrale in Ferrara
Die Piazza della Cattedrale wird auch von Radfahrern frequentiert

Um die hübschen Straßen – wie etwa die sehr alte und berühmte Via delle Volte – in Ruhe und ohne große Menschenmassen fotografieren zu können, ging ich am nächsten Morgen schon früh rauf. Leider regnete es, doch das bedeutete auch, dass nur ganz wenig Leute unterwegs waren. Dann ging es aber auch schon weiter in Richtung Bologna.

Via delle Volte in Ferrara
Die historische Via delle Volte

Cento

Doch bevor ich nach Bologna gelangte, legte ich in Cento noch einen Zwischenstopp ein. Zu dieser Stadt kann ich aber leider nicht viel sagen, da so ziemlich alles geschlossen hatte und mich die marode, kleine Altstadt selbst jetzt auch nicht begeistert hat. Im Gegensatz zu Goethe, der von Cento und seinem bekanntesten Künstler, dem Maler Guerncino, begeistert war, schaute ich, dass ich schnell wieder wegkam aus diesem Nest.

Castello in Cento
Es gibt ein Castello in Cento, aber das war leider geschlossen.

Abenteuerlicher als die Stadt war die Busfahrt dorthin und dann weiter nach Bologna. Hier merkte ich, dass ich jetzt Richtung Süden unterwegs bin: die Straßen waren furchtbar schlecht, und der Busfahrer wollte uns wohl an seinen eigentlichen Wunschberuf als Rennfahrer erinnern. Zunächst hatte ich mich schon etwas gefürchtet, dann aber die Massage, die sich durch die Schlaglöcher, die Geschwindigkeit und das hohe Alter des Busses ergeben hat, als nette Abwechslung hingenommen.

Bologna

Der Busfahrer verstand wohl etwas von seiner heimlichen Leidenschaft, und brachte mich tatsächlich heil in Bologna an. Doch es dauerte ein wenig, bis ich auch gedanklich hier ankam. Ich hatte das erste Mal auf dieser Reise Heimweh – ein Gefühl, dass ich eigentlich nicht kenne. Die Telefonate mit daheim haben dann ganz gut getan, und auch der Büchermarkt, über den ich gestolpert bin, war eine feine Aufmunterung.

büchermarkt in Bologna
Stöbern ohne Ende!

Dennoch blieb ein Tief die nächsten beiden Tage. Ich hatte den Eindruck, gar nichts mehr anschauen zu wollen, dass mir alles einfach schon zuviel ist. In den vergangenen zwei Wochen hatte ich so viel gesehen und erlebt, dass ich das Gefühl hatte, gesättigt zu sein. Und müde. Mir fehlte die Energie, und ich dachte daran, wie intensiv ich die letzten Tage tolle Eindrücke gesammelt habe. Das zehrt natürlich. Also beschloss ich, in Bologna einfach ein wenig kürzer zu treten und zu rasten.

Türme in Bologna
Die berühmten Türme – faszinierende Bauwerke

Trotzdem habe ich mich am Ostersonntag dann doch auf Sightseeingtour begeben und eine Free Walking Tour mitgemacht, das archäologische Museum besucht und die sieben Geheimnisse von Bologna gesucht und fünf davon auch gefunden. Die Stadt ist aber eben einfach so schön und toll, dass ich es nicht geschafft habe, großartig Ruhe zu geben.

Neptun Statue Bologna
Neptun wacht über alles – und sieht dabei nicht schlecht aus!
sieben Geheimnisse Bologna
Der Pfeil im Holz ist eines der sieben Geheimnisse Bolognas

Das war meinem Körper dann zuviel des Guten, und er meinte wohl: „Wenn sie keine Ruhe gibt, dann zwinge ich sie eben dazu!“. Eine echt heftige Migräneattacke legte mich also zwangsweise flach. Doch diese Lektion habe ich wohl gebraucht, um dann tatsächlich ein wenig kürzer zu treten.

Florenz

Wegen dem frühen zu Bett gehen total ausgeschlafen und um eine wichtige Erfahrung reicher machte ich mich also auf nach Florenz. Da es – wie bereits in Bologna – nicht mein erster Besuch in dieser Stadt war, nutzte ich die Lektion des Vortags und beschloss, einfach mal auf alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu pfeifen (ich hatte ja sowieso schon etliche gesehen) und auf „Dolce far niente“ zu machen. Also holte ich mir was Leckeres zu essen, und setzte mich gegen Abend auf die Treppe der Kirche Santa Croce, um dem Konzert eines Straßenmusikers zu lauschen. Gemütlich flanierte ich dann wieder zurück.

Piazza Santa Croce in Florenz als Treffpunkt
Lässige Stimmung, gute Musik – so lässt es sich gut aushalten auf der Piazza Santa Croce

Auch am nächsten Tag ließ ich es langsam angehen. Da ich Gärten gerne mag und dort meist auch nicht sehr viel los ist, war für mich klar, dass mich der Weg an diesem Tag auf die andere Arnoseite ins Grüne führen wird. Und so besuchte ich den Giardino Boboli, den Giardino Bardini und den Rosengarten unterhalb der Piazzale Michelangelo. Ich bin aber nicht durchgehetzt, sondern hab mir viel Zeit gelassen, bin immer wieder gesessen und die Aussicht auf Florenz genossen.

Der Teich im Giardini Boboli
Der Teich im Giardino Boboli
Ein Blick auf Florenz im Giardino Bardini
Ein Blick auf Florenz im Giardino Bardini
Rosengarten in Florenz
Der Rosengarten – ein schönes Plätzchen in Florenz

Zum Abschluss des entspannenden Tages holte ich mir noch ein Eis, und traf mich gegen Abend mit Marion, einer deutschen Italienauswanderin, die ich aus einer Facebook-Gruppe kannte. Dieses nette Zusammentreffen war Balsam auf meiner Reiseseele und so hatte ich am Abend den Eindruck, dass das Tief von Bologna endlich überwunden ist. Ich bin überzeugt, dass es daran lag, dass ich es eben ganz anders als Goethe hier gemacht hab – ich bin nicht gehetzt, ich habe mir Zeit genommen. Für mich und meine Gedanken, und die Betrachtung der schönen Dinge im Grünen.

Die Kathedrale von Florenz mit dem Baptisterium
Die Kathedrale von Florenz mit dem Baptisterium

Arezzo

Erholt und glücklich ging die Reise weiter nach Arezzo. Diese toskanische Stadt kannte ich bisher nur aus Erzählungen und dem berühmten italienischen Film „Das Leben ist schön“. Und wie so oft, wenn man nicht viel erwartet, ist man dann begeistert positiv überrascht. Also zumindest ist es mir in Arezzo so gegangen.

Statue in Arezzo
Ich hab die Stadt fast für mich allein

Die Stadt sieht sehr alt, aber gepflegt aus. Mit ihren Türmen und Mauern hat sie mich ein wenig an San Gimignano erinnert, aber halt weit weniger touristisch. Nur wenige Leute haben sich hierher verfahren, was mir natürlich nicht unrecht war. So hatte ich diese wundervolle, mittelalterlich aussehende Stadt beinahe für mich allein.

Piazza Grande in Arezzo
Die Piazza Grande ist wirklich ordentlich groß – und schön!

Also bin ich durch die Gässchen spaziert, hab mir die kostenlose Ausstellung zur „Giosta del Saracino“ (einem lokalen mitteralterlichen Turnier) angesehen, und mir ein nettes Plätzchen zum Wein trinken gesucht – und habe dabei beschlossen, dass mich Arezzo definitiv wieder sieht!

Margerithen in Arezzo
Tausende bezaubernde Ecken in Arezzo
Laterne und Turm in Arezzo
Tausende bezaubernde Ecken in Arezzo

Perugia

Ich wäre ja so gerne in Arezzo geblieben, aber leider musste ich weiter nach Perugia. Auf die Hauptstadt Umbriens hatte ich mich so sehr gefreut – und dann ging leider einiges schief. Perugia war also das genau Gegenteil von Arezzo, und ich wünschte nachher umso mehr, dass ich mich für eine Nacht mehr in der Toskana entschieden hätte.

Nachdem ich bereits über eine Stunde über den höchsten Punkt der Stadt zur Unterkunft gegangen war, nahm mich die Unterkunftsgeberin plötzlich im Auto mit retour in die Innenstadt. Dort bezog ich ein Zimmer sehr zentral, so groß wie eine Wohnung. Ich freute mich zunächst, um bald draufzukommen, dass ich das wohl zu früh getan hatte.

Wolken über Perugia
Die Wolken waren Stimmungsbild meines Zustandes! Obwohl der Platz schön war, wollte ich hier nicht bleiben.

Kein WLAN, kalt, eine Dusche, mit der man gar nicht anders kann als eine Überschwemmung im ganzen Bad zu verursachen, ein deutlich hörbarer Mitbewohner über meinem Zimmer, Schimmel, nächtlicher Halleluja-Gesang vom Konservatorium nebenan – es war wahrlich kein Traumzimmer. Das alles hat mir so sehr die Stimmung auf die Stadt vermiest, dass ich nach einer kleinen Runde durch Perugia am Vormittag beschloss, früher abzureisen.

Assisi

Ich habe den verfrühten Aufbruch aus Perugia keine Minute bereut. Da mein Zimmer schon einen Tag früher frei war, blieb ich somit zwei Nächte in Assisi und durfte so die Vorzüge der entzückenden Stadt des Hl. Franziskus länger genießen.

Assisi von unten
Ankunft in Assisi

Zunächst einmal arbeitete ich am Nachmittag fleißig am Blog, und am Abend wurde ich mit einem unglaublich schönen Anblick belohnt. Der Sonnenuntergang neben der Basilika verlieh der großen Kirche eine gewisse Magik. Dann lernte ich beim Abendessen noch die nette Süditalienerin Francesca kennen, mit der ich einen wirklich lustigen Abend verbrachte und meine Italienischkenntnisse aufbessern konnte.

Sonnenuntergang bei der Basilika in Assisi
Sonnenuntergang bei der Basilika

Am nächsten Tag sah ich mir natürlich die Basilika des Hl. Franziskus von Assisi an, wobei mich die Fresken an der Decke und den Wänden unglaublich faszinierten. Später spazierte ich durch den entzückenden Ort, der so sauber ist, dass man auf den Straßen ohne weiteres sitzen kann. Ich wanderte zur Rocca hinauf, dem höchsten Punkt von Assisi, und später bereits müde wieder herunter.

Die Rocca Maggiore - der höchste Punkt in Assisi
Die Rocca Maggiore – der höchste Punkt in Assisi

Obwohl ich gerne noch weiter alle Ecken und Enden von Assisi erkundet hätte, so hörte ich doch endlich auf meinen Körper und begab mich ins Zimmer zur Ruhe. Für diesen netten Ort gibt´s von mir – ganz im Sinne Goethes – eine ganz klare Empfehlung 🙂 .

Gassen von Assisi
Lieblich, alt, sauber und wunderschön – das ist Assisi

Auf dem Weg nach Rom

Am nächsten Morgen ging sich noch ein spontaner Kaffee mit der lieben Francesca aus, was mich sehr freute. Anschließend begab ich mich auf Städtehopping nach Rom, wobei mich sowohl Foligno als auch Terni nicht vom Hocker gerissen haben. Hier verpasst man nichts, wenn man an ihnen vorbei fährt.

Anders aber bei Spoleto. Dieser Ort war meine Überraschung des Tages! Mit dem Dom und dem Castello hoch oben am Hügel, auf den liebliche, romantische Gassen hinauf führen, sieht es richtig hübsch aus. Offenbar gibt es auch ein interessantes Museum, für das mir leider die Zeit fehlte. Ich drehte eine Runde nach oben und dann wieder nach unten, und beschloss auch hier, einmal für länger wiederzukommen.

Dom und Castello in Spoleto
Der Anblick hat mich sofort fasziniert
Alte Gasse in Spoleto
Alte Gasse in Spoleto

Und dann war es soweit: nach etlichen langen Tunneln, in denen es mir ständig die Ohren verschlug, traf ich am späten Nachmittag in der Stadt meines Herzens ein.

Rom

Nun hatte mich Rom also wieder. Obwohl ich sehr müde war, freute ich mich riesig und drehte noch eine abendliche kleine Runde, ehe ich mich am nächsten Tag an zauberhafte und interessante Plätze begab.

So zum Beispiel auf meinen Lieblingsplatz in Rom, dem Cimitero Acattolico. Ja, es ist tatsächlich so, dass ich mich auf diesem Friedhof besonders wohl fühle. Vielleicht wegen den Katzen hier, vielleicht wegen den schönen Grabsteinen, dem Wildwuchs, oder dem parkähnlichen alten Teil – ich kann es nicht genau sagen. Jedenfalls mag ich den Platz, und interessanterweise führt er mich auch mit Goethe zusammen. Zum einen, weil Goethe auch die Pyramide gesehen hat, die an den Friedhof angrenzt, und zum anderen, weil Goethes Sohn August hier begraben liegt.

Cimitero Acattolico in Rom mit Baum in Blüte
Der alte Teil vom Friedhof – ist das nicht wunderschön?
Grab von Goethes Sohn am Cimitero Acattolico
Das Grab von Goethes Sohn, der hier in Rom starb
römische Katze am Cimitero Acattolico in Rom
Die römischen Katzen am Friedhof haben es gut – sie werden liebevoll versorgt

Danach führte mich mein Weg auf den Corso, auf dem sich die „Casa di Goethe“ befindet. Dieses Museum zu Goethes italienischer Reise und seiner Zeit in Rom war natürlich absolutes Pflichtprogramm für mich und tatsächlich sehr sehenswert.

Casa di Goethe in Rom
Viele bildliche Eindrücke und wissenswerte Infos gibt´s in der Casa di Goethe

Im Anschluss tat ich das, was man in Rom am besten tut: einfach durch die Stadt schlendern. So kam ich durch dutzende Gassen, vorbei an der Piazza Navona, dem Campo dei Fiori, meinem heiß geliebten Schildkrötenbrunnen und dem Vittoriale sowie dem Kolosseum.

Die Gassen von Rom
Die Gassen von Rom
Schildkrötenbrunnen in Rom
Der Schildkrötenbrunnen

Einige Stunden später begab ich mich gemeinsam mit meiner argentinischen Zimmerkollegin Luciana, die mir im Laufe der Tage sehr ans Herz gewachsen ist, dorthin, wo sich tagsüber abertausende Menschen tummeln: zum Fontana di Trevi. Dieser Brunnen ist so unglaublich schön, dass man sich nachts einfach die Zeit nehmen muss für ihn. Mit einem Bier und vielen philosophischen Gedanken saßen wir also lange davor und bewunderten dieses Kunstwerk, dass untertags meist leider nur zu einem flüchtigen Fotomotiv verkommt.

Nachts am Fontana di Trevi in Rom
Nachts am Fontana di Trevi – ein ganz eigenes Flair

Später gesellte sich auch der Ire Peter zu uns, und nach ein paar lustigen Tanzstunden in einer Bar bestaunten wir auch noch das Pantheon bei Nacht. Es ist schon unglaublich, wie sehr sich das touristische Zentrum Roms in der Nacht verändert. Hier waren wir komplett alleine und hatten alle Ruhe, dieses fantastische Bauwerk zu bestaunen.

Zum Glück hatten wir die Nacht so gut genutzt, denn der nächste Tag fiel sprichwörtlich ins Wasser. Nach keiner halben Stunde draußen war ich pitschenass, weil es in Strömen regnete, und unser Hostelzimmer glich im Laufe des Tages einem Militärcamp im Regenwald. Doch es ist alles halb so schlimm, solange man Spaß hat miteinander. Wir machten das beste aus der Situation, kochten und lernten dann die neuen Mitbewohner kennen.

Am Abend, als es aufhörte zu regnen, trieb es uns doch nochmal nach draußen, und ich zeigte Luciana einen der schönsten Plätze Roms: den Avetin. Vom Giardini degli Aranci aus betrachteten wir die im Abendlicht versinkende Stadt, und der Blick durch das Bucco di Roma ist ohnehin jedesmal ein wahrer Zauber. Was man hinter dem Schlüsselloch sieht, verrate ich dir nicht. Du musst schon selbst raufgehen und es dir ansehen 😉 .

Blick vom Avetin in Rom auf den Tiber und die Stadt
Blick vom Avetin auf die Stadt
Bucco di Roma am Avetin in Rom
Hier befindet sich das Bucco di Roma – ein ganz besonderes Guckloch!

Tags darauf fuhr ich nach Frascati, aber nur um eigentlich festzustellen, dass es dort nichts besonderes gibt. Die Villa, von der Goethe schwärmte, ist leider nicht zugänglich, und so reiste ich nach einem Cappuccino wieder zurück nach Rom.

Villa in Frascati
Die Villa sieht fein aus, ist aber leider zu

Lange schon hatte ich mir einen Besuch der Caracalla-Therme vorgenommen, und nun war es endlich soweit, dass ich sie mit eigenen Augen bestaunen konnte. Diese alte Ruine einer römischen Therme ist ziemlich gut erhalten und gewährt einen Einblick in die historische Badekultur.

Becken in der Caracalla-Therme
Hier badeten einmal die Römer
Caracalla - Therme in Rom, der Weg von Venedig nach Rom hat sich ausgezahlt
Auch von weitem schön anzusehen – die Caracalla – Therme

Sehr spontan und überraschend meldete sich auch mein Hostelzimmerkollege aus Venedig, dass er in Rom sei und mir mein Taschenmesser persönlich geben könne. Social Media sei dank wusste er, dass ich gerade hier verweile, und so trafen wir uns zu einer Übergabe und einem langen Plausch wieder. Das hat mich sehr gefreut, und ist doch wirklich viel persönlicher als so ein Postpaket 😉 .

Am Abschlussabend kochte im Hostel mein Mitbewohner Marc aus Liverpool sehr lecker, und dann schmissen wir uns unter die feiernden Römer, die ausgelassen über den Sieg von AS Roma über den FC Barcelona triumphierten. Im Studentenviertel San Lorenzo war einiges los, und ich verbrachte mit unglaublich lieben Menschen einen total lustigen Abend in der – wie ich finde – schönsten Stadt der Welt.

Pasta selbstgemacht
Es war einfach ein Festmahl!
Roma Graffiti in Rom
Supercoole Fotolocation beim Ausgehen entdeckt

Fazit

Diese lange dritte Etappe auf den Spuren von Goethe von Venedig nach Rom hatte es eindeutig in sich: so nette Menschen in Venedig zurückgelassen, um dann in Florenz, Assisi und Rom wieder andere großartige Leute zu treffen, ein Auf und Ab meiner Stimmung und meiner körperlichen Verfassung, ein verlorenes und wieder zurückgekehrtes geliebtes Schweizer Taschenmesser, und ein Wandel von Hektik zu Erholung.

Auf dieser Strecke gab es so unglaublich viele Eindrücke, dass ich noch immer große Mühe habe, sie zu ordnen. Ich habe mich verstärkt im Grünen, in der Natur aufgehalten, was mir sehr gut getan hat, und heiß geliebte Orte wie den Cimitero Acattolico wieder besucht. Mit Arezzo und Spoleto habe ich auch zwei neue, sehr sehenswerte Städte entdeckt, die ich noch nicht kannte.

Die wunderschöne Basilika des Hl. Franziskus in Assisi
Die wunderschöne Basilika des Hl. Franziskus

Ich denke, für diese Etappe von Venedig nach Rom müsste man sich in Wirklichkeit mindestens drei Wochen Zeit nehmen, um alles sacken lassen zu können. Meine insgesamt 12 Tage dafür waren sehr intensiv und daher ist es nicht verwunderlich, dass ich teilweise das Bedürfnis hatte, mich einfach nur mal hinzusetzen und zu rasten. Das hab ich auch ganz oft gemacht und bin sehr froh darüber, das gekonnt zu haben.

Mit grandiosen Menschen hat die Etappe also begonnen, und mit ebenso grandiosen wieder geendet, wodurch sich für mich der symbolische Kreis dieser Tage geschlossen hat. Es war eine intensive und eindrucksvolle, aber vor allem herzerwärmende Reise von Venedig nach Rom.

Rosen


Hier gibt´s die anderen Artikel von meiner „Auch ich in Italien“-  Tour zum Lesen:

Reisevorbereitung für ein Abenteuer – in 8 Wochen quer durch Italien

Goethes Italienische Reise nachgereist – Etappe 1: Von Sterzing bis Verona

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 2: Von Verona bis Venedig

Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 4: Von Rom nach Neapel


Psychologische Effekte der Reise

Dabei konnte ich mich verlieren: Es gab wohl mehrere Situationen, die mich fast aus der Fassung gebracht hätten – zum Beispiel die Sache in Perugia. Ich ärgere mich dann oft darüber, warum das sein muss, dass man sich unterwegs mit solchem Müll beschäftigen muss.

Da hab ich mich selbst gefunden: Viel Natur, viel Sitzen – das war tatsächlich ein Wundermittel und super beruhigend. Außerdem haben mir die Kontakte mit den Menschen wieder viel Kraft gegeben.

Besonders intensiver Eindruck: Es ist schwer, auf der Fülle der Eindrücke einen besonders herauszuheben. Aber Assisi zu sehen war schon ein ziemliches Highlight!

Lernerfahrung für mich: Da waren zwei besonders wichtige: 1) hör bitte rechtzeitig auf deinen Körper und 2) siehst du, selbst die doofsten Situationen weißt du zu meistern 🙂 !

Drei wesentliche Gefühle dieser Reise: Erschöpfung, Erstaunen, Verbundenheit


Verbreitung erlaubt :-)


2 thoughts on “Goethes italienische Reise nachgereist – Etappe 3: Von Venedig nach Rom”

  • Total spannend, ich finde es super, dass du uns auf deinem Blog auf deine Reise mitnimmst!
    Die Fotos sind so toll und ich habe jetzt total Lust, wieder mal nach Italien zu reisen! Vor allem Venedig möchte ich unbedingt wieder besuchen!
    Auch deine Lernerfahrungen sind immer wieder interessant zu lesen! Toller Post!

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

    • Danke dir Kay! Ja, ich muss es einfach immer sowieso gleich aufschreiben, denn durch die vielen Ereignisse vergess ich sonst die Hälfte wieder 😉 .
      Italien freut sich ganz bestimmt auf deinen Besuch 🙂 LG Barbara

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