Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen

Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen

Wenn wir an Reisen damals in unserer Kindheit denken, kommen Erinnerungen hoch. Manche zaubern uns ein Lächeln auf die Lippen, über manche lachen wir und manche betrachten wir aus der zeitlichen Distanz mit einem Kopfschütteln. In diesem Beitrag erzähle ich von meinen eigenen Reisen als Kind und wie sehr sie mein heutiges Reiseverhalten geprägt haben. 

Hast du auch tolle Reisegeschichten aus deiner Kindheit zu erzählen? Dann nimm an meiner Blogparade zu diesem Thema teil (Info unten).

Kindheitserinnerungen – wie sie entstehen und wie sie uns beeinflussen

Ab etwa dem dritten Lebensjahr beginnen wir uns bewusst zu erinnern. Erlebnisse, die vor unserem zweiten Geburtstag liegen, sind hirnphysiologisch kaum erinnerbar, weil sie nicht ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Frühe Kindheitserinnerungen – also jene bis zum Schuleintritt – sind meist mit starken emotionalen Ereignissen verknüpft. Das können negative Erlebnisse sein, wie etwa der Tod eines Familienmitglieds, ein Hundebiss oder ein großer Moment der Angst, weil die Eltern verschwunden sind. Aber auch positiv aufregende Situationen werden aus diesem Zeitraum erinnert: ein Umzug, das Kindergartenabschlussfest oder eben Urlaube.

Erinnerung Stein in Koblenz

Wie passiert Erinnerung?

Verantwortlich dafür ist ein komplexes Zusammenspiel aus Amygdala, Frontalkortex und Hippocampus in unserem Gehirn. Die Amygdala (Mandelkern) ist immer dann hoch aktiv, wenn Angst empfunden wird. Da ein Organismus auf Überleben ausgerichtet ist, merken wir uns angstbesetzte Situationen ziemlich gut – als Warnung für später sozusagen. Inhalte sind dabei nicht wichtig, sondern hauptsächlich Sinnesreize.

Im Frontalcortex, also dem Stirnlappen, findet ganz viel statt, wie etwa das soziale Lernen und das Bewerten von Ereignissen. Im Zusammenspiel mit dem Hippocampus – der Bereich, in dem ein Großteil unseres Gedächtnisses sitzt – entstehen hierbei Bahnen. Ist eine Situation sehr angenehm, ist die Verbindung der beiden Bereiche durch die Ausschüttung gewisser Neurotransmitter stärker. Freude führt also dazu, dass wir uns Dinge besser merken. So kommt es also, dass uns emotional gefärbte Situationen und Gegebenheiten eher in Erinnerung bleiben als neutrales Alltagsgeschehen. Hier hab ich ein paar interessante Artikel zu diesem Thema gefunden:

Was machen Reise-Erinnerungen mit uns?

Dass uns unsere Kindheitserfahrungen fürs spätere Leben prägen, ist längst bekannt. Auch mit Urlaubserinnerungen ist es so: was wir als schön, aufregend oder angstbesetzt erlebt haben, ist uns im Gedächtnis geblieben und hat teilweise noch bis heute Auswirkungen. Da der Riechkolben im Gehirn sehr nah am Hippocampus sitzt, haben vor allem Gerüche die besondere Fähigkeit, uns Erinnerungen wach zu rufen. Ein Beispiel gefällig? Jedesmal wenn ich das Meer rieche, durchflutet mich ein Glücksgefühl. Und sofort erscheint ein Bild des griechischen Strands vor meinem geistigen Auge, an dem wir als Familie einmal waren, als ich 6 Jahre alt war. Es war so schön dort, dass das Gefühl bis heute anhält und sehr leicht getriggert werden kann.

Diese früheren Erfahrungen beeinflussen auch unser heutiges Reiseverhalten maßgeblich. Entweder in kongruenter Weise – also dass wir das Reisen wie damals auch heute noch so in der Art betreiben, weil es als sehr angenehm empfunden wurde. Oder wir haben so negative Erfahrungen gemacht, dass wir uns klar sind: so wollen wir das nicht mehr. Dabei muss es nicht einmal furchtbar schlimm gewesen sein, stressig oder langweilig reicht schon. Auf jeden Fall finde ich es spannend, verschiedene Geschichten und Bewertungen zum Reisen früher zu hören und in welcher Art es Menschen bis heute beeinflusst hat.

Kindheitserinnerungen der 90er ans Reisen
Ich kann mich noch an unseren ersten Urlaub erinnern, das Brüderchen nicht – er war noch zu klein

Reisen damals – Erinnerungen an die Reisen meiner Kindheit

Auch ich habe viele Geschichten von meinen Reisen als Kind zu erzählen. Ich hatte das Glück, in einer Familie groß zu werden, die sich schöne Urlaube im Sommer leisten konnte. Von denen und noch einigen anderen kann ich heute einiges berichten.

Der erste Urlaub: Teneriffa

Noch lange bevor es unzählige Reiseguides fürs Reisen mit Baby gab, machten es meine Eltern ohne Infos einfach und flogen mit uns nach Teneriffa. Ich war 5 Jahre alt, mein Bruder gerade einmal 11 Monate. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als ich das erste Mal im meinem Leben in ein Flugzeug gestiegen bin – war das aufregend! Ich bekam eine FlicFlac-Uhr als Geschenk und durfte während des Flugs mit Papa zu den Piloten hinein. Ich bin normalerweise kein Fan von romantisierenden Vergangenheitsgedanken, aber hier muss ich sagen: „Früher war fliegen besser!“

Lauda Air Flugzeug
Wie aufregend! Das erste Mal fliegen. Damals noch mit Lauda Air

Aufgrund meines zarten Alters kann ich mich an nicht mehr ganz so viel erinnern. Was aber hängen geblieben ist: schwarzer, heißer Sand, Bananenbäume, Eidechsen, die ich für Babykrokodile hielt und der Ausflug in einen Aquapark. Das größte Highlight aber war, dass ich auf dieser Reise damals schwimmen lernte. Meine Mama war am Hotelpool die meiste Zeit mit meinem kleinen Bruder beschäftigt, also war mir langweilig. Ich beschloss, mir das Schwimmen beizubringen. Zuerst mit den Fersen am Beckenrand eingehakt und die Armbewegung geübt, anschließen mit den Händen festgehalten und den „Frosch“ mit den Beinen gemacht. Eine halbe Stunde später schwamm ich selbstständig durch den Pool.

Aquapark Teneriffa
An den Aquapark kann ich mich noch erinnern
Schwimmen lernen Foto
Papa hat meine Schwimmkünste mit der Unterwasserkamera festgehalten

Dass mir das noch so präsent ist, liegt vor allem daran, dass ich soooooo stolz auf mich selber war. Heute propagiere ich in meiner Arbeit, Kinder Dinge selbst schaffen zu lassen. Nichts und niemand kann dieses Gefühl ersetzen, wenn das erste Mal etwas gelingt. Eine weitere Lehre aus dieser Aktion: Kindern muss auch mal langweilig sein. Nur so entwickeln sie die Kreativität für neue Dinge.

Teneriffa Reisen damals
Es gibt sogar instagramtaugliche Fotos von mir aus Teneriffa

Griechenland mal 2

In den folgenden zwei Sommern gingen die Reisen nach Griechenland, 1993 nach Chalkidiki, 1994 nach Samos. Der erste Urlaub glich dabei einem Gruppenurlaub. Die Tante meiner Mutter flog mit ihrer Familie auch mit, und vor Ort lernten wir drei Linzer Familien kennen, mit denen sich unsere Eltern anfreundeten. Es war also ein Haufen Erwachsener und ein noch größerer Haufen Kinder in der kleinen Ferienhausanlage. So wurde uns nie langweilig. Den zweiten Griechenland-Urlaub verbrachten wir dann wieder mit zwei der Familien. Mein Bruder war mittlerweile kein Baby mehr, sondern ein neugieriges und anstrengendes Kleinkind. Von daher war es gut, dass auch andere Leute ein wenig ein Auge auf ihn hatten 😉 .

Das Meer und ich

Diese Reisen haben meine Liebe zum Meer für immer geprägt. Klar haben wir auch hin und wieder Ausflüge unternommen, aber die meiste Zeit spielten wir im Sand am Strand. Wir gingen Wellenreiten mit Luftmatratzen, aßen den ganzen Tag Wassermelone und süßes Gebäck und sahen viele kleine Fische. Es ist eben dieser Geruch von damals, der für immer und ewig in meinem Kopf abgespeichert ist. Das Meer und ich wurden in diesen Tagen Freunde für immer.

Als Kind am Meer
Sind wir nicht ein schönes Paar, das Meer und ich?

Auch, wenn mir eine abenteuerliche Bootsfahrt zu einer einsamen Bucht gezeigt hat: das Meer kann auch anders! Der Wellengang war hoch, mein Bruder weinte in einer Tour, weil er die Schwimmweste nicht anziehen wollte. Ich hatte solche Angst, dass unser Boot untergeht und das Meer meinen geliebten Bruder verschlingt. Die Situation war halb so dramatisch wie ich sie bewertet habe, aber die Angst war echt. Sie ist aber zum Glück nicht geblieben, ich mag Bootfahren trotzdem sehr.

Wellenreiten
Wir brauchten nur unsere Luftmatratzen, dann waren wir stundenlang beschäftigt

Einheimische kennen lernen

Ich habe auf diesen Reisen früher auch eines gelernt: der Kontakt mit Einheimischen birgt viele schöne Überraschungen. Gerade im zweiten Urlaub auf Samos kam ich intensiv mit einigen in Kontakt. Da waren die Kinder unserer Bungalow-Vermieter. Wir verstanden voneinander kein einziges Wort, und doch schafften wir es, mit Händen und Füßen zu kommunizieren. Wir spielten zusammen im Hof und am Strand, und brauchten uns gar nicht viel unterhalten. Wir bauten einfach.

Kindheitserinnerungen Urlaub
Freunde für 14 Tage – die Kinder der Ferienhausbetreiber und wir

Neben unserem Haus wohnte eine alte Frau, deren barackenartiges Haus mir heute noch Gänsehaut bereitet. Es war klein und wirkte selbst zusammengezimmert, fast wie eine Hütte. Ein paar Ziegen nannte sie ihr eigen, und einen Feigenbaum. Obwohl sie offensichtlich sehr arm war, bot sie uns an, Feigen zu kosten. Es waren die ersten Feigen meines Lebens, und nie mehr haben welche so gut geschmeckt.

Urlaub in Griechenland in den Neunzigern
Mein Bruder und ich vor dem Haus der alten Frau

Eine weitere Person, an die ich mich erinnere, ist Nico, der Besitzer einer Taverne. Dort gingen wir abends oft zum Essen hin, und wenn es lustig war, wurde schon einmal gesungen, getrunken und getanzt. Was Sirtaki ist, weiß ich von dort. Als mein Bruder sich an seinen Zementsäcken zu schaffen machte und meine Mutter schimpfen wollte, meinte er nur „Nein, nicht schimpfen. Er ist ein Kind. Das machen Kinder eben.“ Nico konnte aus seiner Zeit in Deutschland etwas Deutsch, und verstand mich dann auch, als ich sagte, mir sei kalt. Er borgte mir seine nietenbesetzte Lederjacke, und ich fühlte mich wie eine Rockerin. Was waren das für schöne, einfache Abende.

Kindheitserinnerungen an die Neunziger
Ich in Nicos (1.v.l.) Jacke auf Papas Schoß – und ziemlich müde

Reisen früher und heute

Wenn ich so an diese Reisen damals zurückdenke, fällt mir auf, wie anders alles war. Heutzutage schicke ich sofort eine Nachricht heim, dass ich gut angekommen bin, sobald ich aus dem Flugzeug steige. Früher mussten sich Oma und Opa etwas länger gedulden. In den zwei Urlaubswochen meldeten wir uns an die zwei bis drei Mal, aus einem Telefoncafé wo wir mit Münzen bezahlten. Dann gabs noch eine Ansichtskarte, aber das wars. Wir waren einfach weg, und unerreichbar für alle daheim.

Österreich – Urlaub

Nach diesen Flugreisen gingen die nächsten Urlaube erstmal nicht weiter weg. Meine Eltern bauten ein Haus um, und das Geld war etwas knapper als sonst. Doch der Urlaub in Kärtnen auf einer Almhütte am Bauernhof war nicht minder aufregend. Hierher begleiteten uns meine Großeltern, was besonders schön war.

Hutfoto
Ich trug schon (Omas) Hut, bevor es auf Instagram modern wurde 😉

Wir kamen mit vielen Tieren in Kontakt, wie den Bauernhofkatzen, den Kühen und den Siebenschläfern unterm Dach, die die ganze Nacht eine Rutschpartie veranstalteten. Ich erfuhr, wie frische Bauernbutter schmeckt, und stellte fest, dass ein Bauernhof am Berg mit Kühen viel cooler ist als einer mit Schweinen, wie ihn meine anderen Großeltern hatten. Wir unternahmen Bootsfahren auf den Kärtner Seen und ich kann mich noch an meine Begeisterung erinnern, als ich den kristallklaren Weißensee erblickte. Wir wanderten auf Gipfel und zu Wasserfällen und kamen auch streitlustigen Stieren aus.

Wasserfall Kärtnen
Die Leidenschaft fürs Klettern zeigte sich bereits hier
Reisen damals nach Kärnten
Mit fotogen hatten wir es damals nicht so 😉 Aber schön wars

Zwei Jahre später in Tirol fuhren das erste Mal seit Teneriffa nur wir vier – Papa, Mama, mein Bruder und ich – weg. Ich war mittlerweile 11 Jahre alt. Als wäre es gestern gewesen, kann ich mich noch an das Gespräch meines Vaters mit dem Chef des Hotels erinnern, in dem es darum ging, dass wir mit den Besitzern die einzigen Österreicher hier waren. Ich lernte einige deutsche Dialekte kennen und den Spaß daran, den deutschen Urlaubern Burgenländisch beizubringen. Das absolute Highlight dieses Urlaubs war das Skifahren im Sommer am Hintertuxer Gletscher. Ich kannte bis dato das Skifahren nur im Winter, und genoss es, kurzärmelig die Piste hinunter zu sausen. Allerdings lernte ich dabei auch, wie wichtig guter Sonnenschutz gewesen wäre, zumindest für meinen Vater, der sich die Kopfhaut drei Mal abziehen konnte.

Skifahren im Sommer 1998
Skifahren im Sommer muss man auch mal erlebt haben

Jungscharlager

Ich war ein geselliges und sozial integriertes Kind, somit lag es auch nahe, dass ich unbedingt zum Jungscharlager mitfahren wollte. Diese gingen immer nach Niederösterreich. Irgendwo bei Hollabrunn bezogen wir die Jugendherberge und hatten viel Spaß mit den anderen Kindern aus unserem Ort. Die Betreuer waren selbst meist Jugendliche oder junge Erwachsene, und so wurde nächtliches Herumgeistern nicht ganz so eng gesehen und wir hatten viel Spaß.

Jungscharlager 1997
Im Zelt schliefen wir nur eine Nacht – der Regen trieb uns bald in die Herberge

Eine meiner besten Freundinnen (mit der ich später auch an der Algarve, in London und in Neapel war) und ich fackelten dabei einmal fast das Zimmer ab. Damit das Licht nicht so hell war, dämpften wir es, indem wir einen Polster vor die Nachttischlampe stellten. Heute lachen wir über den Moment, an dem wir bemerkten, dass der Stoff brennt, damals bekamen wir ganz schön Panik!

Im Gegensatz zu früher – es war die Zeit kurz bevor es Handys für alle gab – würde heute die Rätselralley durch den Ort wohl mithilfe von Smartphones gemeistert werden. Wir klopften noch an die Türen fremder Leute oder hielten Passanten auf, um die notwendigen Infos über das Dörfchen zusammen zu tragen. Wenn wir bei allem Blödsinn den wir machten eines lernten, dann, dass durch das Reden die Leut zamm‘ kommen und man sich ruhig fragen trauen darf.

Bettenburgen in Griechenland und Mallorca

Mittlerweile war ich schon ein Teenager und mein Vater mit seiner eigenen Firma so beschäftigt, dass Mama mit meinem Bruder und mir alleine in den Urlaub flog. Diese beider Reisen der Art waren aber nicht nur deshalb anders als alles andere davor.

Sowohl in Chalkidiki (ja, wir kehrten hierher zurück) als auch auf Mallorca waren mittlerweile viele große Hotels entstanden. Riesige Bettenburgen mit All-inclusive Buffets und Animationsprogramm. Natürlich war das damals aufregend. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch lustig war. Aber ich merkte schnell, dass mir etwas fehlt.

So ging ich in Griechenland mehrmals alleine zum Strand hinunter, der einen guten halben Kilometer entfernt lag. Ich wollte nicht hier sein und nie aus der Anlage raus gehen, außer am Abend zum Shoppen auf der Touristenmeile. Ich war damals schon eine leidenschaftliche Schnorchlerin, und verbrachte sehr viel Zeit damit, Fische zu beobachten. Als sehr gute Schwimmerin wagte ich mich auch weit hinaus, und als ich in etwa fünf Metern Tiefe eine wunderschöne offene Muschel entdeckte, holte ich sie rauf. Das war waghalsig und riskant, denn beim Auftauchen hatte ich schon fast keine Luft mehr und mir war bereits schwindelig. Aber ich hatte die Muschel. Warum ich das erzähle? Weil es mir von der ganzen Woche auf Chalkidiki am besten in Erinnerung geblieben ist. Was wir in der Hotelanlage gemacht haben, weiß ich nicht mehr.

Diese Erfahrung zeigt eines ganz deutlich: ein Urlaub in einer riesigen Anlage mag erholsam sein, aber nachhaltig ist er nicht. Es gibt dabei kaum etwas, was wir für unser weiteres Leben lernen können oder was uns stärkt. Ich habe mir mit dieser Muschel bewiesen, dass ich vieles erreichen kann, wenn ich bereit bin, Risiken einzugehen. Was man lernt, wenn man sich den ganzen Tag zwischen Buffet und Liegestuhl bewegt, weiß ich nicht.

Wobei ich hier zur Ehrenrettung meiner Mutter noch dazusagen muss: Sie hat mit uns auch eine Jeepsafari gemacht und uns sehr souverän über Stock und Stein geführt. Auch daran erinnere ich mich mit einem Schmunzeln zurück, wenn ich mal wieder irgendwo mit dem Auto herumkurve, wo ich nicht sollte 😉 . Dass Action und Abenteuer cooler sind als faul in der Sonne zu liegen, war ab diesem Moment sowas von klar. Und dass es einprägsamer ist, ist heute offensichtlich.

Erinnerungen ans Reisen früher
Wir haben auch eine Schifffahrt um die Halbinsel Athos gemacht

Kroatien

Ein, zwei Jahre später fuhr Papa dann endlich wieder mit auf Urlaub. Diesmal ging es nach Kroatien. Und auch wenn die Ferienhausanlage ganz schön groß war: wir verbrachten die meiste Zeit am Strand, beim Schnorcheln und dabei, richtig gut zu essen. Einmal schwammen wir mit unseren Luftmatratzen auf eine kleine Insel hinüber, wo ein Mann eine ganz einfach Grillbude betrieb. Dort habe ich meinen ersten, aber auch meinen bisher besten Seebarsch gegessen. Ich habe Meeresfrüchte in diesen Tagen lieben gelernt. Aber auch am Erkunden von hübschen Städtchen wie Rovinj habe ich Gefallen gefunden. Enge Gässchen, historische Straßen, alte Gebäude und schöne Kirchen – ja, das war eindeutig was für mich.

Dass diese Art des Reisens – ein bisschen Kultur am Meer mit gutem Essen – einmal meine liebste werden würde, habe ich damals noch nicht geahnt. In der Zwischenzeit hat es mich immer wieder einmal nach Istrien gezogen (mir fällt gerade auf: ich habe noch nie darüber geschrieben!), und mit wohligem Gefühl denke ich an die Zeit mit meiner Familie hier zurück.

Sonnenuntergang am Meer in Porec, Kroatien

Reisen früher prägt das Heute

Diese Kindheitserinnerungen zeigen mir vor allem eines ganz deutlich: es sind nicht bloß abgelegte Bilder im Kopf. Es sind Tatsachen, die mich nachhaltig beeinflusst haben. Situationen, an denen ich wachsen und in denen ich lernen durfte. Heute weiß ich besser denn je: Reisen bildet.

Und es prägt uns in der Art, wie wir als Erwachsener unterwegs sind. Ich mag heute noch keine Bettenburgen. Ich liebe es, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Und ich bin auch heute noch am liebsten in der Natur unterwegs, die mich an einem Ort umgibt.

Auch die Tatsache, dass unsere ersten Urlaube sehr einfach waren, haben mich insofern beeinflusst, als dass ich auch noch heute gern mit leichtem Gepäck reise. Man braucht nicht viel, um eine schöne Zeit irgendwo zu haben. Ein bisschen Meer, ein paar Berge – das reicht schon. Und gutes Essen.

Ich danke meinen Eltern dafür, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, diese Erfahrungen zu machen. Dass sie uns ein Stückchen der Welt gezeigt haben, und welch‘ spannende Situationen sich auf Reisen ergeben können. Ich bin ihnen dankbar für die Vielseitigkeit, die ich kennen lernen durfte und die mir den Weg zu meiner Art des Reisens geebnet hat.

Kindheitserinnerung an Urlaube
Familie Horvatits auf Samos 1994
Urlaubserinnerungen
Familie Horvatits im Schaubergwerk Schwaz in Tirol 1998

Aufruf zur Blogparade „Reisen früher – Kindheitserinnerungen“

Nun interessieren mich natürlich auch noch die Reisegeschichten aus der Kindheit von anderen Menschen! Ich liebe es, solchen Erfahrungen zu lauschen oder von ihnen zu lesen. Deshalb habe ich beschlossen, diesem Beitrag einem Aufruf zu einer Blogparade anzuhängen.

Also, was heißt das?

  • Schreibe einen Blogartikel über deine Reise-Kindheitserinnerungen. Das kann ein Querschnitt über mehrere Reisen sein wie bei mir, oder auch nur eine einzelne spezielle Reise. Wie war das Reisen früher? Bist du vielleicht einmal an einen Ort zurückgekehrt, wo du als Kind oder Jugendlicher mal warst und was hast du dir gedacht? Wie hat dich das Reisen in deiner Kindheit bis heute beeinflusst? Welche Unterschiede stellst du fest zwischen Reisen damals und heute? Erzähl mir davon in einem eigenen Artikel
  • Der Artikel kann neu sein, es ist aber auch okay, mit einem schon bestehenden teilzunehmen
  • Verlinke meinen Artikel und schreib mir den Link deines Beitrags dann bitte hier in die Kommentare
  • Am Ende der Blogparade gibt es hier eine Zusammenfassung inkl. Verlinkung aller Beiträge

Die Teilnahme ist bis Ende September 2019 möglich.

Ich freue mich auf spannende Erzählungen und wertvolle Erinnerungen!


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Verbreitung erlaubt :-)


24 thoughts on “Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen”

    • Oh ja, das macht er 😀 ! Ich erkenne darin viele Situationen wieder. Danke, dass du uns mit diesem Beitrag zum Schmunzeln bringst.

  • Tolles Thema und mit meinem alten Beitrag https://www.zypresseunterwegs.de/2015/06/28/wie-ich-schon-als-kind-zum-reisen-kam-blogparade/ möchte ich gern an Deiner Blogparade teilnehmen. Die Ferienzeiten als Kind in den 1960er und 1970er Jahren sind mir als eine freie und unbeschwerte Zeit in Erinnerung geblieben. Es gab Neues zu entdecken, es gab fremdes Essen, ich habe mit Kindern gespielt, deren Sprache ich nicht verstand und wurde dennoch gut Freund. Meine Eltern hatten Zeit für Spiele, unser Vater erklärte uns die Natur, es gab Freiraum für eigene und unabhängige Entdeckungen durch uns Kinder. Ganz bestimmt ist in dieser Zeit schon der Reisevirus bei mir eingepflanzt worden, die Lust am Neuen, am Entdecken, die Freude an der Auszeit vom Alltag. Ich habe gelernt, dass Reisen auch Spaß macht, wenn man sich in einfachen Umständen einquartiert, dass aber auch mal ein wenig Luxus sehr schön sein kann. Ich liebe seither das abendliche Grillen und habe zum Glück einen Gatten, der diese Begeisterung für das offene Feuer teilt. Ich bin neugierig auf fremde Küchen und habe gelernt, auch exotische Lebensmittel zu kosten.

  • Ach. ein richtig schöner Beitrag, in dem ich viel wiedererkannt habe.
    Meine Eltern haben mich als Kind und meinen Bruder als Kleinkind auch in die große, weite Welt geführt. Als „quasi-Hippies“ wollten sie immer wieder nach Formentera. Da waren wir bestimmt 3-4 mal während meiner Kindheit. Ich erinnere mich an das 1. Mal Garnelen essen, an den 1. Flug meines Lebens, wo mir von der Stewardess ein kleines Metallflugzeug der Airline und ein aufblasbares Flugzeug für den Swimming Pool geschenkt wurden. Ich erinnere mich, wie mich eine Wespe in den Bauch gestochen hat, da war mir Cola draufgekleckert und ich war völlig in Panik, als sie auf mir rum krabbelte. Wie wir unsere Tage verbrachten, das weiß ich nicht mehr. Aber es waren zum Glück keine Bettenburgen, eher kleine Hotels am Ortsrand, nur 1x direkt am Meer. Mein Bruder und ich durften uns auch Marvel Comics kaufen, obwohl die auf Spanisch waren und das niemand von uns sprach.
    Später, so im Alter 8-10, bin ich 1x im Jahr mit einer Jugendorganisation aus Bonn für 4 Wochen in den Sommerferien weggefahren. Mein Bruder war beim 1. Mal noch dabei, hat aber nach der 1. Woche so geheult, dass die Betreuer meine Eltern anrufen mussten und die ihn abholen wollten, irgendwo in Mittel-Italien. Er hat´s dann aber durchgezogen, was ich heute für einen 5-6 jährigen recht beeindruckend finde. Bei der 2. Tour ging es irgendwo nach Frankreich. Ich erinnere mich nur, dass ich dort viele Freunde gefunden habe, quasi alle, die in meinem Zelt geschlafen haben. Das waren so große 10 Mann Zelte vom Bund. Da hatten wir auch Betreuer, die jeden Tag Programm für uns hatten. Die waren so um die 20 und abends haben die Wein getrunken und wir sind hinten aus dem Zelt ausgebüxt und durch den nahen Wald gestreift, mitten in der Nacht. Wieder kommt mir eine Erinnerung: Eines morgens wachte einer der Jungs aus meinem Zelt auf und unter seinem Schlafsack lag zerquetscht ein Skorpion. Da hatten wir kleinen Bengel natürlich Schiss am nächsten Abend, bis uns die Betreuer versicherten, die Viecher wären ungefährlich und sie hätten jetzt alle verjagt.
    Von der Italien-Freizeit ist mir der Geschmack der Tomaten noch heute in Erinnerung. Ich habe nie wieder so leckere Tomaten gegessen, aber ab und zu triggert mich der Geruch einzelner Tomaten und ich denke wieder an diese Reise zurück. Ist schon verrückt, wie das funktioniert.

    Die letzte große Reise haben wir alle zusammen nach Norwegen gemacht. Mit voll beladenem Opel Rekord quer durch Deutschland, auf die Fähre und rüber nach Norwegen. Papa hat unser KOMPLETTES Geld in so einer verschraubbaren Plastikröhre um den Hals gehabt und diese nach dem Duschen auf der Fähre in der Duschkabine hängen gelassen. Das ist erst 1 Stunde von der Fähre entfernt beim Tanken aufgefallen. Also wieder zurück und die haben uns tatsächlich das Ding ausgehändigt, und alles Geld war noch drin. Der Tankwart war auch begeistert, dass er sein Geld später noch bekommen hat. Irgendwie waren die Leute damals vertrauensvoller, habe ich so das Gefühl. Diese Wochen in der einsamen Hütte, oberhalb eines Fjords, waren die schönste Zeit meiner gesamten Kindheit. Niemals werde ich vergessen, wie wir die Babys der Wildkatze in der Scheune des Vermieters gestreichelt haben und die Mutterkatze uns umgehend verjagt und ordentlich zerkratzt hat. Oder wie nur wir 3 „Männer“ auf den Berg gegenüber der Hütte gewandert sind. Abends wurde Feuerholz gehackt, auch um Wasser warm zu machen, denn Duschen gab es keine, nur einen Eimer mit Löchern drin an einer Aufhängung. Wir sind im kleinen Ruderboot raus auf den Fjord gepaddelt und ich durfte mit Opa´s Angel versuchen, das Mittagessen zu fangen. Und an einem Wasserfall sind wir durch das Wasser gelaufen, wobei mir ein Schuh aus der Hand fiel. Meine Lieblingsschuhe. Ich bin also sofort hinter, um den Schuh zu retten. Und mein Papa mir hinterher, um mich zu retten, denn ein paar Meter weiter waren krasse Stromschnellen und kurz dahinter der Wasserfall. Da wäre ich nicht mehr draus aufgetaucht. Norwegen war ein einziges, langes Abenteuer für uns alle, an das wir uns gerne und oft zurück erinnern.

    Ich glaube, damals wurde meine Reise-Leidenschaft definitiv geweckt. Und auch das Aufgeschlossen sein gegenüber anderen Kulturen, auch wenn man sie nicht versteht. Hätte ich Kinder, würde ich diesen auch die Welt zeigen wollen, auch aus den von Dir genannten Gründen, Barbara. Vielen Dank für diesen klasse Beitrag !!

    • Wow, danke für diese tiefen Einblicke in deine frühen Reiseerlebnisse! Man merkt beim Lesen richtig, wie spannend das für dich damals gewesen sein muss. Gerade das Abenteuerliche reizt Kinder ja ganz besonders, deshalb verstehe ich nicht, warum so viele Eltern ihren Kindern bloß ein Hotel mit Kinderanimation bieten wollen. Die Natur ist doch so viel aufregender!
      Und ja, es kann sein, dass damals das Vertrauen noch höher war. Aber auch heute erlebe ich immer wieder solche menschlichen Situationen.
      LG Barbara

  • Ich liebe es, in alten Reiseerinnerungen zu schwelgen und welche von anderen zu hören, gerne von ganz früher. 🙂 2016 habe ich deshalb dazu schon mal eine eigene Blogparade gemacht: „Meine Reisen als Kind“ (die ich hier hinter meinem Namen verlinke). Besonders spannend fand ich dabei die Sichtweisen meiner eigenen Kinder, die ihre frühesten Erinnerungen beisteuerten.
    Als offiziellen Teilnehmerbeitrag für deine Blogparade, die ja doch ein bisschen anders gelagert ist, nehme ich einen ebenfalls alten Artikel (neu schreiben kriege ich so kurz vor Geburt von Nummer drei nicht mehr hin). Als erste Station unserer großen Europa-Reise sind wir damals in Österreich in genau die Pension eingecheckt, in der ich die ersten Urlaube meiner Kindheit verbracht habe. Das war eine ziemlich skurrile Erfahrung für mich, dort plötzlich nicht mehr das kleine Mädchen, sondern die Mutter zu sein. https://www.family4travel.de/krungl-oesterreich-familienurlaub/

    • Oh wie schön! Das ist ja eine ganz besondere Zeitreise gewesen. Ich überlege auch ganze Zeit, ob nicht mal wieder nach Chalkidiki fliegen soll. Aber ich bin mir sicher, das sich dort vieles stark verändert hat. Umso schöner, dass in deinem Fall so viel gleich geblieben ist! LG Barbara

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