Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen

Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen

Wenn wir an Reisen damals in unserer Kindheit denken, kommen Erinnerungen hoch. Manche zaubern uns ein Lächeln auf die Lippen, über manche lachen wir und manche betrachten wir aus der zeitlichen Distanz mit einem Kopfschütteln. In diesem Beitrag erzähle ich von meinen eigenen Reisen als Kind und wie sehr sie mein heutiges Reiseverhalten geprägt haben. 

Hast du auch tolle Reisegeschichten aus deiner Kindheit zu erzählen? Dann nimm an meiner Blogparade zu diesem Thema teil (Info unten).

Kindheitserinnerungen – wie sie entstehen und wie sie uns beeinflussen

Ab etwa dem dritten Lebensjahr beginnen wir uns bewusst zu erinnern. Erlebnisse, die vor unserem zweiten Geburtstag liegen, sind hirnphysiologisch kaum erinnerbar, weil sie nicht ins Langzeitgedächtnis übertragen werden. Frühe Kindheitserinnerungen – also jene bis zum Schuleintritt – sind meist mit starken emotionalen Ereignissen verknüpft. Das können negative Erlebnisse sein, wie etwa der Tod eines Familienmitglieds, ein Hundebiss oder ein großer Moment der Angst, weil die Eltern verschwunden sind. Aber auch positiv aufregende Situationen werden aus diesem Zeitraum erinnert: ein Umzug, das Kindergartenabschlussfest oder eben Urlaube.

Erinnerung Stein in Koblenz

Wie passiert Erinnerung?

Verantwortlich dafür ist ein komplexes Zusammenspiel aus Amygdala, Frontalkortex und Hippocampus in unserem Gehirn. Die Amygdala (Mandelkern) ist immer dann hoch aktiv, wenn Angst empfunden wird. Da ein Organismus auf Überleben ausgerichtet ist, merken wir uns angstbesetzte Situationen ziemlich gut – als Warnung für später sozusagen. Inhalte sind dabei nicht wichtig, sondern hauptsächlich Sinnesreize.

Im Frontalcortex, also dem Stirnlappen, findet ganz viel statt, wie etwa das soziale Lernen und das Bewerten von Ereignissen. Im Zusammenspiel mit dem Hippocampus – der Bereich, in dem ein Großteil unseres Gedächtnisses sitzt – entstehen hierbei Bahnen. Ist eine Situation sehr angenehm, ist die Verbindung der beiden Bereiche durch die Ausschüttung gewisser Neurotransmitter stärker. Freude führt also dazu, dass wir uns Dinge besser merken. So kommt es also, dass uns emotional gefärbte Situationen und Gegebenheiten eher in Erinnerung bleiben als neutrales Alltagsgeschehen. Hier hab ich ein paar interessante Artikel zu diesem Thema gefunden:

Was machen Reise-Erinnerungen mit uns?

Dass uns unsere Kindheitserfahrungen fürs spätere Leben prägen, ist längst bekannt. Auch mit Urlaubserinnerungen ist es so: was wir als schön, aufregend oder angstbesetzt erlebt haben, ist uns im Gedächtnis geblieben und hat teilweise noch bis heute Auswirkungen. Da der Riechkolben im Gehirn sehr nah am Hippocampus sitzt, haben vor allem Gerüche die besondere Fähigkeit, uns Erinnerungen wach zu rufen. Ein Beispiel gefällig? Jedesmal wenn ich das Meer rieche, durchflutet mich ein Glücksgefühl. Und sofort erscheint ein Bild des griechischen Strands vor meinem geistigen Auge, an dem wir als Familie einmal waren, als ich 6 Jahre alt war. Es war so schön dort, dass das Gefühl bis heute anhält und sehr leicht getriggert werden kann.

Diese früheren Erfahrungen beeinflussen auch unser heutiges Reiseverhalten maßgeblich. Entweder in kongruenter Weise – also dass wir das Reisen wie damals auch heute noch so in der Art betreiben, weil es als sehr angenehm empfunden wurde. Oder wir haben so negative Erfahrungen gemacht, dass wir uns klar sind: so wollen wir das nicht mehr. Dabei muss es nicht einmal furchtbar schlimm gewesen sein, stressig oder langweilig reicht schon. Auf jeden Fall finde ich es spannend, verschiedene Geschichten und Bewertungen zum Reisen früher zu hören und in welcher Art es Menschen bis heute beeinflusst hat.

Kindheitserinnerungen der 90er ans Reisen
Ich kann mich noch an unseren ersten Urlaub erinnern, das Brüderchen nicht – er war noch zu klein

Reisen damals – Erinnerungen an die Reisen meiner Kindheit

Auch ich habe viele Geschichten von meinen Reisen als Kind zu erzählen. Ich hatte das Glück, in einer Familie groß zu werden, die sich schöne Urlaube im Sommer leisten konnte. Von denen und noch einigen anderen kann ich heute einiges berichten.

Der erste Urlaub: Teneriffa

Lange bevor es unzählige Reiseguides fürs Reisen mit Baby gab, machten es meine Eltern ohne Infos einfach und flogen mit uns nach Teneriffa. Ich war 5 Jahre alt, mein Bruder gerade einmal 11 Monate. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, als ich das erste Mal im meinem Leben in ein Flugzeug gestiegen bin – war das aufregend! Ich bekam eine FlikFlak-Uhr als Geschenk und durfte während des Flugs mit Papa zu den Piloten hinein. Ich bin normalerweise kein Fan von romantisierenden Vergangenheitsgedanken, aber hier muss ich sagen: „Früher war fliegen besser!“

Lauda Air Flugzeug
Wie aufregend! Das erste Mal fliegen. Damals noch mit Lauda Air

Aufgrund meines zarten Alters kann ich mich an nicht mehr ganz so viel erinnern. Was aber hängen geblieben ist: schwarzer, heißer Sand, Bananenpalmen, Eidechsen, die ich für Babykrokodile hielt und der Ausflug in einen Aquapark. Das größte Highlight aber war, dass ich auf dieser Reise damals schwimmen lernte. Meine Mama war am Hotelpool die meiste Zeit mit meinem kleinen Bruder beschäftigt, also war mir langweilig. Ich beschloss, mir das Schwimmen beizubringen. Zuerst mit den Fersen am Beckenrand eingehakt und die Armbewegung geübt, anschließen mit den Händen festgehalten und den „Frosch“ mit den Beinen gemacht. Eine halbe Stunde später schwamm ich selbstständig durch den Pool.

Aquapark Teneriffa
An den Aquapark kann ich mich noch erinnern
Schwimmen lernen Foto
Papa hat meine Schwimmkünste mit der Unterwasserkamera festgehalten

Dass mir das noch so präsent ist, liegt vor allem daran, dass ich soooooo stolz auf mich selber war. Heute propagiere ich in meiner Arbeit, Kinder Dinge selbst schaffen zu lassen. Nichts und niemand kann dieses Gefühl ersetzen, wenn das erste Mal etwas gelingt. Eine weitere Lehre aus dieser Aktion: Kindern muss auch mal langweilig sein. Nur so entwickeln sie Kreativität und Antrieb für neue Dinge.

Teneriffa Reisen damals
Es gibt sogar instagramtaugliche Fotos von mir aus Teneriffa

Griechenland mal 2

In den folgenden zwei Sommern gingen die Reisen nach Griechenland, 1993 nach Chalkidiki, 1994 nach Samos. Der erste Urlaub glich dabei einem Gruppenurlaub. Die Tante meiner Mutter flog mit ihrer Familie auch mit, und vor Ort lernten wir drei Linzer Familien kennen, mit denen sich unsere Eltern anfreundeten. Es war also ein Haufen Erwachsener und ein noch größerer Haufen Kinder in der kleinen Ferienhausanlage. So wurde uns nie langweilig. Den zweiten Griechenland-Urlaub verbrachten wir dann wieder mit zwei der Familien. Mein Bruder war mittlerweile kein Baby mehr, sondern ein neugieriges und anstrengendes Kleinkind. Von daher war es gut, dass auch andere Leute ein wenig ein Auge auf ihn hatten 😉 .

Das Meer und ich

Diese Reisen haben meine Liebe zum Meer für immer geprägt. Klar haben wir auch hin und wieder Ausflüge unternommen, aber die meiste Zeit spielten wir im Sand am Strand. Wir gingen Wellenreiten mit Luftmatratzen, aßen den ganzen Tag Wassermelone und süßes Gebäck und sahen viele kleine Fische. Es ist eben dieser Geruch von damals, der für immer und ewig in meinem Kopf abgespeichert ist. Das Meer und ich wurden in diesen Tagen Freunde für immer.

Als Kind am Meer
Sind wir nicht ein schönes Paar, das Meer und ich?

Auch, wenn mir eine abenteuerliche Bootsfahrt zu einer einsamen Bucht gezeigt hat: das Meer kann auch anders! Der Wellengang war hoch, mein Bruder weinte in einer Tour, weil er die Schwimmweste nicht anziehen wollte. Ich hatte solche Angst, dass unser Boot untergeht und das Meer meinen geliebten Bruder verschlingt. Die Situation war halb so dramatisch wie ich sie bewertet habe, aber die Angst war echt. Sie ist aber zum Glück nicht geblieben, ich mag Bootfahren heute trotzdem sehr.

Wellenreiten
Wir brauchten nur unsere Luftmatratzen, dann waren wir stundenlang beschäftigt

Einheimische kennen lernen

Ich habe auf diesen Reisen früher auch eines gelernt: der Kontakt mit Einheimischen birgt viele schöne Überraschungen. Gerade im zweiten Urlaub auf Samos kam ich intensiv mit einigen in Kontakt. Da waren die Kinder unserer Bungalow-Vermieter. Wir verstanden voneinander kein einziges Wort, und doch schafften wir es, mit Händen und Füßen zu kommunizieren. Wir spielten zusammen im Hof und am Strand, und brauchten uns gar nicht viel unterhalten. Wir bauten einfach.

Kindheitserinnerungen Urlaub
Freunde für 14 Tage – die Kinder der Ferienhausbetreiber und wir

Neben unserem Haus wohnte eine alte Frau, deren barackenartiges Haus mir heute noch Gänsehaut bereitet. Es war klein und wirkte selbst zusammengezimmert, fast wie eine Hütte. Ein paar Ziegen nannte sie ihr eigen, und einen Feigenbaum. Obwohl sie offensichtlich sehr arm war, bot sie uns an, Feigen zu kosten. Es waren die ersten Feigen meines Lebens, und nie mehr haben welche so gut geschmeckt.

Urlaub in Griechenland in den Neunzigern
Mein Bruder und ich vor dem Haus der alten Frau

Eine weitere Person, an die ich mich erinnere, ist Nico, der Besitzer einer Taverne. Dort gingen wir abends oft zum Essen hin, und wenn es lustig war, wurde schon einmal gesungen, getrunken und getanzt. Was Sirtaki ist, weiß ich von dort. Als mein Bruder sich an seinen Zementsäcken zu schaffen machte und meine Mutter schimpfen wollte, meinte er nur „Nein, nicht schimpfen. Er ist ein Kind. Das machen Kinder eben.“ Nico konnte aus seiner Zeit in Deutschland etwas Deutsch, und verstand mich dann auch, als ich sagte, mir sei kalt. Er borgte mir seine nietenbesetzte Lederjacke, und ich fühlte mich wie eine Rockerin. Was waren das für schöne, einfache Abende.

Kindheitserinnerungen an die Neunziger
Ich in Nicos (1.v.l.) Jacke auf Papas Schoß – und ziemlich müde

Reisen früher und heute

Wenn ich so an diese Reisen damals zurückdenke, fällt mir auf, wie anders alles war. Heutzutage schicke ich sofort eine Nachricht heim, dass ich gut angekommen bin, sobald ich aus dem Flugzeug steige. Früher mussten sich Oma und Opa etwas länger gedulden. In den zwei Urlaubswochen meldeten wir uns an die zwei bis drei Mal, aus einem Telefoncafé wo wir mit Münzen bezahlten. Dann gab´s noch eine Ansichtskarte, aber das war´s. Wir waren einfach weg und unerreichbar für alle daheim.

Österreich – Urlaub

Nach diesen Flugreisen gingen die nächsten Urlaube erstmal nicht weiter weg. Meine Eltern bauten ein Haus um, und das Geld war etwas knapper als sonst. Doch der Urlaub in Kärtnen auf einer Almhütte am Bauernhof war nicht minder aufregend. Hierher begleiteten uns meine Großeltern, was besonders schön war.

Hutfoto
Ich trug schon (Omas) Hut, bevor es auf Instagram modern wurde 😉

Wir kamen mit vielen Tieren in Kontakt, wie den Bauernhofkatzen, den Kühen und den Siebenschläfern unterm Dach, die die ganze Nacht eine Rutschpartie veranstalteten. Ich erfuhr, wie frische Bauernbutter schmeckt, und stellte fest, dass ein Bauernhof am Berg mit Kühen viel cooler ist als einer mit Schweinen, wie ihn meine Großeltern hatten. Wir unternahmen Bootsfahrten auf den Kärntner Seen und ich kann mich noch an meine Begeisterung erinnern, als ich den kristallklaren Weißensee erblickte. Wir wanderten auf Gipfel und zu Wasserfällen und kamen auch streitlustigen Stieren aus.

Wasserfall Kärtnen
Die Leidenschaft fürs Klettern zeigte sich bereits hier
Reisen damals nach Kärnten
Mit fotogen hatten wir es damals nicht so 😉 Aber schön wars

Zwei Jahre später in Tirol fuhren das erste Mal seit Teneriffa nur wir vier – Papa, Mama, mein Bruder und ich – weg. Ich war mittlerweile 11 Jahre alt. Als wäre es gestern gewesen, kann ich mich noch an das Gespräch meines Vaters mit dem Chef des Hotels erinnern. Es ging darum, dass wir mit den Besitzern die einzigen Österreicher hier waren. Ich lernte einige deutsche Dialekte kennen und den Spaß daran, den deutschen Urlaubern Burgenländisch beizubringen.

Wir waren viel unterwegs. In den Bergen, aber auch im Städtchen Schwaz. Das absolute Highlight dieses Urlaubs war das Skifahren im Sommer am Hintertuxer Gletscher. Ich kannte bis dato das Skifahren nur im Winter, und genoss es, kurzärmelig die Piste hinunter zu sausen. Allerdings lernte ich dabei auch, wie wichtig guter Sonnenschutz gewesen wäre, zumindest für meinen Vater, der sich die Kopfhaut drei Mal abziehen konnte.

Skifahren im Sommer 1998
Skifahren im Sommer muss man auch mal erlebt haben

Jungscharlager

Ich war ein geselliges und sozial integriertes Kind, somit lag es auch nahe, dass ich unbedingt zum Jungscharlager mitfahren wollte. Diese gingen immer nach Niederösterreich. Irgendwo bei Hollabrunn bezogen wir die Jugendherberge und hatten viel Spaß mit den anderen Kindern aus unserem Ort. Die Betreuer waren selbst meist Jugendliche oder junge Erwachsene, und so wurde nächtliches Herumgeistern nicht ganz so eng gesehen 😉 .

Jungscharlager 1997
Im Zelt schliefen wir nur eine Nacht – der Regen trieb uns bald in die Herberge

Eine meiner besten Freundinnen (mit der ich später auch an der Algarve, in London und in Neapel war) und ich fackelten dabei einmal fast das Zimmer ab. Damit das Licht nicht so hell war, dämpften wir es, indem wir einen Polster vor die Nachttischlampe stellten. Heute lachen wir über den Moment, an dem wir bemerkten, dass der Stoff brennt, damals bekamen wir ganz schön Panik!

Im Gegensatz zu früher – es war die Zeit kurz bevor es Handys für alle gab – würde heute die Rätselralley durch den Ort wohl mithilfe von Smartphones gemeistert werden. Wir klopften noch an die Türen fremder Leute oder hielten Passanten auf, um die notwendigen Infos über das Dörfchen zusammen zu tragen. Wenn wir bei allem Blödsinn den wir machten eines lernten, dann, dass durch das Reden die Leut zamm‘ kommen und man sich ruhig fragen trauen darf.

Bettenburgen in Griechenland und Mallorca

Mittlerweile war ich schon ein Teenager und mein Vater mit seiner eigenen Firma so beschäftigt, dass Mama mit meinem Bruder und mir alleine in den Urlaub flog. Diese beider Reisen der Art waren aber nicht nur deshalb anders als alles andere davor.

Sowohl in Chalkidiki (ja, wir kehrten hierher zurück) als auch auf Mallorca waren mittlerweile viele große Hotels entstanden. Riesige Bettenburgen mit All-inclusive Buffets und Animationsprogramm. Natürlich war das damals aufregend. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht auch lustig war. Aber ich merkte schnell, dass mir etwas fehlt.

So ging ich in Griechenland mehrmals alleine zum Strand hinunter, der einen guten halben Kilometer entfernt lag. Ich wollte nicht hier sein und nie aus der Anlage raus gehen, außer am Abend zum Shoppen auf der Touristenmeile. Ich war damals schon eine leidenschaftliche Schnorchlerin, und verbrachte sehr viel Zeit damit, Fische zu beobachten. Als sehr gute Schwimmerin wagte ich mich auch weit hinaus, und als ich in etwa fünf Metern Tiefe eine wunderschöne offene Muschel entdeckte, holte ich sie rauf. Das war waghalsig und riskant, denn beim Auftauchen hatte ich schon fast keine Luft mehr und mir war bereits schwindelig. Aber ich hatte die Muschel. Warum ich das erzähle? Weil es mir von der ganzen Woche auf Chalkidiki am besten in Erinnerung geblieben ist. Was wir in der Hotelanlage gemacht haben, weiß ich nicht mehr.

Diese Erfahrung zeigt eines ganz deutlich: ein Urlaub in einer riesigen Anlage mag erholsam sein, aber nachhaltig ist er nicht. Es gibt dabei kaum etwas, was wir für unser weiteres Leben lernen können oder was uns stärkt. Ich habe mir mit dieser Muschel bewiesen, dass ich vieles erreichen kann, wenn ich bereit bin, Risiken einzugehen. Was man lernt, wenn man sich den ganzen Tag zwischen Buffet und Liegestuhl bewegt, weiß ich nicht.

Wobei ich hier zur Ehrenrettung meiner Mutter noch dazusagen muss: Sie hat mit uns auch eine Jeepsafari gemacht und uns sehr souverän über Stock und Stein geführt. Auch daran erinnere ich mich mit einem Schmunzeln zurück, wenn ich mal wieder irgendwo mit dem Auto herumkurve, wo ich nicht sollte 😉 . Dass Action und Abenteuer cooler sind als faul in der Sonne zu liegen, war ab diesem Moment sowas von klar. Und dass es einprägsamer ist, ist heute offensichtlich.

Erinnerungen ans Reisen früher
Wir haben auch eine Schifffahrt um die Halbinsel Athos gemacht

Kroatien

Ein, zwei Jahre später fuhr Papa dann endlich wieder mit auf Urlaub. Diesmal ging es nach Kroatien. Und auch wenn die Ferienhausanlage ganz schön groß war: wir verbrachten die meiste Zeit am Strand, beim Schnorcheln und dabei, richtig gut zu essen. Einmal schwammen wir mit unseren Luftmatratzen auf eine kleine Insel hinüber, wo ein Mann eine ganz einfach Grillbude betrieb. Dort habe ich meinen ersten, aber auch meinen bisher besten Seehecht gegessen. Ich habe Meeresfrüchte in diesen Tagen lieben gelernt. Aber auch am Erkunden von hübschen Städtchen wie Rovinj habe ich Gefallen gefunden. Enge Gässchen, historische Straßen, alte Gebäude und schöne Kirchen – ja, das war eindeutig was für mich.

Dass diese Art des Reisens – ein bisschen Kultur am Meer mit gutem Essen – einmal meine liebste werden würde, habe ich damals noch nicht geahnt. In der Zwischenzeit hat es mich immer wieder einmal nach Istrien gezogen (mir fällt gerade auf: ich habe noch nie darüber geschrieben!), und mit wohligem Gefühl denke ich an die Zeit mit meiner Familie hier zurück.

Sonnenuntergang am Meer in Porec, Kroatien

Reisen früher prägt das Heute

Diese Kindheitserinnerungen zeigen mir vor allem eines ganz deutlich: es sind nicht bloß abgelegte Bilder im Kopf. Es sind Tatsachen, die mich nachhaltig beeinflusst haben. Situationen, an denen ich wachsen und in denen ich lernen durfte. Heute weiß ich besser denn je: Reisen bildet.

Und es prägt uns in der Art, wie wir als Erwachsener unterwegs sind. Ich mag heute noch keine Bettenburgen. Ich liebe es, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Und ich bin auch heute noch am liebsten in der Natur unterwegs, die mich an einem Ort umgibt.

Auch die Tatsache, dass unsere ersten Urlaube sehr einfach waren, haben mich insofern beeinflusst, als dass ich auch noch heute gern mit leichtem Gepäck reise. Man braucht nicht viel, um eine schöne Zeit irgendwo zu haben. Ein bisschen Meer, ein paar Berge – das reicht schon. Und gutes Essen.

Ich danke meinen Eltern dafür, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben, diese Erfahrungen zu machen. Dass sie uns ein Stückchen der Welt gezeigt haben, und welch‘ spannende Situationen sich auf Reisen ergeben können. Ich bin ihnen dankbar für die Vielseitigkeit, die ich kennen lernen durfte und die mir den Weg zu meiner Art des Reisens geebnet hat.

Kindheitserinnerung an Urlaube
Familie Horvatits auf Samos 1994
Urlaubserinnerungen
Familie Horvatits im Schaubergwerk Schwaz in Tirol 1998

Blogparade „Reisen früher – Kindheitserinnerungen“

Nun interessieren mich natürlich auch noch die Reisegeschichten aus der Kindheit von anderen Menschen! Ich liebe es, solchen Erfahrungen zu lauschen oder von ihnen zu lesen. Deshalb habe ich beschlossen, diesem Beitrag einem Aufruf zu einer Blogparade anzuhängen.

Und es sind wirklich viele einzigartige Reiseerinnerungen zusammengekommen! Ich will die Beiträge hier kurz vorstellten und lade dich ein, dass du sie dir anschaust. Wundervoll, wie vielseitig heutige Reiseblogger früher unterwegs waren!

  • Silke von Miniglobetrotter verrät uns, wie das Reisen damals in den 80ern und 90ern war. Sie erzählt von schwer bewachten Grenzen, Rauchen im Reisebus und die Art und Weise, wie Hotels ausgewählt wurden. Und auch für sie war das Fliegen damals unglaublich erhabend!
  • Anne und Anja von GoOnTravel berichten von den ersten gemeinsamen Reisen als Teenager in den 90ern. Vor allem durch die Klassenfahrten nach der Wende haben sie ganz schön viel gesehen. Sie beschreiben auch, was heute beim Reisen anders ist als früher.
  • Wie es war, in Dänemark und Finnland in den 60ern Urlaub zu machen, erzählt uns Ulrike vom Bambooblog. In ihrem Beitrag „Meine Reisen als Kind“ erwähnt sie ein ganz interessantes Phänomen: sie waren drei Kinder, die heute alle drei ganz verschieden Reisen!
  • Kate von Katetravels ist als Kind und Teenager auch ordentlich herum gekommen. Und sie stellt in ihrem Artikel „Reisen früher und heute“ fest, dass ganz viele Elemente von den Reisen ihrer Kindheit bis heute geblieben sind, wie etwa die Liebe zum Meer oder zu Aussichtspunkten.
  • Mit einem Foto von ihr aus dem Jahr 1959 beginnt der Beitrag von Ulrike von Zypresse unterwegs. Sie erzählt, wie sie als Kind zum Reisen kam und mit der Familie in Frankreich, Italien, der Schweiz und Österreich urlaubte. Und, an welche Details sie sich heute noch erinnert..
  • Dass die Reisen der Kindheit durchaus traumatisch sein können, weiß Ilona von Wandernd zu berichten. Das Wattwandern und dauernde Krabbenessen hat ihr ganz schön lange die Lust auf das Meer verdorben. Mit dem Meer hat sie mittlerweile Frieden geschlossen, mit Meeresfrüchten nie.
  • Ina von MitKindImRucksack haben ihre Reiseerfahrungen in der Kindheit stark geprägt. Die Familie konnte damals nur in der DDR Urlaub machen, erst nach der Wende ging es in die Nachbarländer. Sie waren aber meist nachhaltig mit dem Zug unterwegs. So reist Ina heute noch am liebsten.
  • Wer kann schon von sich behaupten, Schiffertochter zu sein? Sabine von Ferngeweht auf alle Fälle. Sie erzählt, wie es war, als Kind auf einem Binnenschiff gelebt zu haben. Und was ihr von damals geblieben ist: bis heute hält sie es nicht lange an einem Ort aus.
  • Einen ganz besonderen Urlaub hat Lena-Marie von Family4Travel gemacht: sie ist an den ständigen Urlaubsort ihrer Kindheit zurückgekehrt. Im Vergleich mit heute kommen ihr viele Erinnerungen hoch, es ist beinahe wie eine Zeitreise zurück nach Bad Mitterndorf unterhalb des Grimmings. 
  • Julie von Julieenvoyage berichtet von ihren Reisen in den 90ern mit ihrer alleinerziehenden Mutter. Viele ihrer Reisen führten sie – wie mich – nach Griechenland. Aber das Fliegen wollte ihr als Kind so gar nicht gefallen – ein Zustand, der bis heute anhält. Dafür gab es viele Geburtstagsfeiern im Ausland!
  • Am Vortag nicht schlafen können und mehr als genug zu futtern dabei: das sind zwei Relikte aus den Reisen damals von Roach vom Blog UrbanRoach, die geblieben sind. Sie erzählt uns von ihrer orientierungslosen Mutter in Italien und wie es ihr beim ersten Flugurlaub in die Türkei gegangen ist.
  • Gina von 2 on the go kann sich noch gut an ihre Reisen in den 60ern und 70ern erinnern. Mit Zelt und Faltbötchen ging es zum Gardasee, später dann auch mit Segelschiff nach Dänemark und Kroatien. Pauschalurlaub ist bei ihr bis heute nicht drin!
  • Auch Miriam von Nordkap nach Südkap ist immer wieder an den Reiseort ihrer Kindheit zurückgekehrt und hat Erinnerungen neu aufleben lassen. Dass Kindheitsträume im Disneyland Paris immer und immer wieder wahr werden, glaub ich ihr auf Wort!

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Verbreitung erlaubt :-)


33 thoughts on “Reisen damals | Wie uns Reiseerfahrungen prägen”

    • Oh ja, das macht er 😀 ! Ich erkenne darin viele Situationen wieder. Danke, dass du uns mit diesem Beitrag zum Schmunzeln bringst.

  • Tolles Thema und mit meinem alten Beitrag https://www.zypresseunterwegs.de/2015/06/28/wie-ich-schon-als-kind-zum-reisen-kam-blogparade/ möchte ich gern an Deiner Blogparade teilnehmen. Die Ferienzeiten als Kind in den 1960er und 1970er Jahren sind mir als eine freie und unbeschwerte Zeit in Erinnerung geblieben. Es gab Neues zu entdecken, es gab fremdes Essen, ich habe mit Kindern gespielt, deren Sprache ich nicht verstand und wurde dennoch gut Freund. Meine Eltern hatten Zeit für Spiele, unser Vater erklärte uns die Natur, es gab Freiraum für eigene und unabhängige Entdeckungen durch uns Kinder. Ganz bestimmt ist in dieser Zeit schon der Reisevirus bei mir eingepflanzt worden, die Lust am Neuen, am Entdecken, die Freude an der Auszeit vom Alltag. Ich habe gelernt, dass Reisen auch Spaß macht, wenn man sich in einfachen Umständen einquartiert, dass aber auch mal ein wenig Luxus sehr schön sein kann. Ich liebe seither das abendliche Grillen und habe zum Glück einen Gatten, der diese Begeisterung für das offene Feuer teilt. Ich bin neugierig auf fremde Küchen und habe gelernt, auch exotische Lebensmittel zu kosten.

  • Ach. ein richtig schöner Beitrag, in dem ich viel wiedererkannt habe.
    Meine Eltern haben mich als Kind und meinen Bruder als Kleinkind auch in die große, weite Welt geführt. Als „quasi-Hippies“ wollten sie immer wieder nach Formentera. Da waren wir bestimmt 3-4 mal während meiner Kindheit. Ich erinnere mich an das 1. Mal Garnelen essen, an den 1. Flug meines Lebens, wo mir von der Stewardess ein kleines Metallflugzeug der Airline und ein aufblasbares Flugzeug für den Swimming Pool geschenkt wurden. Ich erinnere mich, wie mich eine Wespe in den Bauch gestochen hat, da war mir Cola draufgekleckert und ich war völlig in Panik, als sie auf mir rum krabbelte. Wie wir unsere Tage verbrachten, das weiß ich nicht mehr. Aber es waren zum Glück keine Bettenburgen, eher kleine Hotels am Ortsrand, nur 1x direkt am Meer. Mein Bruder und ich durften uns auch Marvel Comics kaufen, obwohl die auf Spanisch waren und das niemand von uns sprach.
    Später, so im Alter 8-10, bin ich 1x im Jahr mit einer Jugendorganisation aus Bonn für 4 Wochen in den Sommerferien weggefahren. Mein Bruder war beim 1. Mal noch dabei, hat aber nach der 1. Woche so geheult, dass die Betreuer meine Eltern anrufen mussten und die ihn abholen wollten, irgendwo in Mittel-Italien. Er hat´s dann aber durchgezogen, was ich heute für einen 5-6 jährigen recht beeindruckend finde. Bei der 2. Tour ging es irgendwo nach Frankreich. Ich erinnere mich nur, dass ich dort viele Freunde gefunden habe, quasi alle, die in meinem Zelt geschlafen haben. Das waren so große 10 Mann Zelte vom Bund. Da hatten wir auch Betreuer, die jeden Tag Programm für uns hatten. Die waren so um die 20 und abends haben die Wein getrunken und wir sind hinten aus dem Zelt ausgebüxt und durch den nahen Wald gestreift, mitten in der Nacht. Wieder kommt mir eine Erinnerung: Eines morgens wachte einer der Jungs aus meinem Zelt auf und unter seinem Schlafsack lag zerquetscht ein Skorpion. Da hatten wir kleinen Bengel natürlich Schiss am nächsten Abend, bis uns die Betreuer versicherten, die Viecher wären ungefährlich und sie hätten jetzt alle verjagt.
    Von der Italien-Freizeit ist mir der Geschmack der Tomaten noch heute in Erinnerung. Ich habe nie wieder so leckere Tomaten gegessen, aber ab und zu triggert mich der Geruch einzelner Tomaten und ich denke wieder an diese Reise zurück. Ist schon verrückt, wie das funktioniert.

    Die letzte große Reise haben wir alle zusammen nach Norwegen gemacht. Mit voll beladenem Opel Rekord quer durch Deutschland, auf die Fähre und rüber nach Norwegen. Papa hat unser KOMPLETTES Geld in so einer verschraubbaren Plastikröhre um den Hals gehabt und diese nach dem Duschen auf der Fähre in der Duschkabine hängen gelassen. Das ist erst 1 Stunde von der Fähre entfernt beim Tanken aufgefallen. Also wieder zurück und die haben uns tatsächlich das Ding ausgehändigt, und alles Geld war noch drin. Der Tankwart war auch begeistert, dass er sein Geld später noch bekommen hat. Irgendwie waren die Leute damals vertrauensvoller, habe ich so das Gefühl. Diese Wochen in der einsamen Hütte, oberhalb eines Fjords, waren die schönste Zeit meiner gesamten Kindheit. Niemals werde ich vergessen, wie wir die Babys der Wildkatze in der Scheune des Vermieters gestreichelt haben und die Mutterkatze uns umgehend verjagt und ordentlich zerkratzt hat. Oder wie nur wir 3 „Männer“ auf den Berg gegenüber der Hütte gewandert sind. Abends wurde Feuerholz gehackt, auch um Wasser warm zu machen, denn Duschen gab es keine, nur einen Eimer mit Löchern drin an einer Aufhängung. Wir sind im kleinen Ruderboot raus auf den Fjord gepaddelt und ich durfte mit Opa´s Angel versuchen, das Mittagessen zu fangen. Und an einem Wasserfall sind wir durch das Wasser gelaufen, wobei mir ein Schuh aus der Hand fiel. Meine Lieblingsschuhe. Ich bin also sofort hinter, um den Schuh zu retten. Und mein Papa mir hinterher, um mich zu retten, denn ein paar Meter weiter waren krasse Stromschnellen und kurz dahinter der Wasserfall. Da wäre ich nicht mehr draus aufgetaucht. Norwegen war ein einziges, langes Abenteuer für uns alle, an das wir uns gerne und oft zurück erinnern.

    Ich glaube, damals wurde meine Reise-Leidenschaft definitiv geweckt. Und auch das Aufgeschlossen sein gegenüber anderen Kulturen, auch wenn man sie nicht versteht. Hätte ich Kinder, würde ich diesen auch die Welt zeigen wollen, auch aus den von Dir genannten Gründen, Barbara. Vielen Dank für diesen klasse Beitrag !!

    • Wow, danke für diese tiefen Einblicke in deine frühen Reiseerlebnisse! Man merkt beim Lesen richtig, wie spannend das für dich damals gewesen sein muss. Gerade das Abenteuerliche reizt Kinder ja ganz besonders, deshalb verstehe ich nicht, warum so viele Eltern ihren Kindern bloß ein Hotel mit Kinderanimation bieten wollen. Die Natur ist doch so viel aufregender!
      Und ja, es kann sein, dass damals das Vertrauen noch höher war. Aber auch heute erlebe ich immer wieder solche menschlichen Situationen.
      LG Barbara

  • Ich liebe es, in alten Reiseerinnerungen zu schwelgen und welche von anderen zu hören, gerne von ganz früher. 🙂 2016 habe ich deshalb dazu schon mal eine eigene Blogparade gemacht: „Meine Reisen als Kind“ (die ich hier hinter meinem Namen verlinke). Besonders spannend fand ich dabei die Sichtweisen meiner eigenen Kinder, die ihre frühesten Erinnerungen beisteuerten.
    Als offiziellen Teilnehmerbeitrag für deine Blogparade, die ja doch ein bisschen anders gelagert ist, nehme ich einen ebenfalls alten Artikel (neu schreiben kriege ich so kurz vor Geburt von Nummer drei nicht mehr hin). Als erste Station unserer großen Europa-Reise sind wir damals in Österreich in genau die Pension eingecheckt, in der ich die ersten Urlaube meiner Kindheit verbracht habe. Das war eine ziemlich skurrile Erfahrung für mich, dort plötzlich nicht mehr das kleine Mädchen, sondern die Mutter zu sein. https://www.family4travel.de/krungl-oesterreich-familienurlaub/

    • Oh wie schön! Das ist ja eine ganz besondere Zeitreise gewesen. Ich überlege auch ganze Zeit, ob nicht mal wieder nach Chalkidiki fliegen soll. Aber ich bin mir sicher, das sich dort vieles stark verändert hat. Umso schöner, dass in deinem Fall so viel gleich geblieben ist! LG Barbara

    • Wunderbar! Danke für deinen Beitrag 🙂 Ich werd gleich mal reinschmökern und mich dann ans Zusammenfassen machen!
      Und ja, ich vermute auch, dass es uns auf Kreta gut gefallen wird 😀
      LG

  • Hi Babsi

    da sind ja viele Reiseerinnerungen zusammen gekommen.

    Interessant finde ich, dass es sowohl viele ähnliche Geschichten und auch viele unterschiedliche gibt. Und auch, dass die Erfahrungen der Kindheit mal dahin wirken, dass man heute ähnliche Reisen liebt, mal, dass man gerade diese Erfahrungen nicht mehr machen möchte.

    Danke noch mal für die schöne Idee!

    Liebe Grüße Gina

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